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Reichtum in Frankreich

Frankreich diskutiert über die Reichensteuer

Gerecht oder wirtschaftsschädigend?

Geht es nach Präsident Hollande, sollen Franzosen auf Einkünfte von mehr als einer Million Euro bald 75 Prozent Steuern zahlen. Wohlhabende drohen bereits mit Abwanderung. Kaum diskutiert wird das Für und Wider - dabei gibt es kein EU-Land mit derart radikalen Steuerplänen.

Von Daniela Kahls, MDR-Hörfunkstudio Paris

Ist es legitim, dass Menschen mit einem Jahreseinkommen ab einer Million Euro davon 75 Prozent an die Gemeinschaft abgeben sollen? Diese Frage wird in Frankreich interessanterweise kaum diskutiert. Sowohl in den Medien als auch auf der Straße dreht sich die Diskussion eher darum, ob Frankreich nun ein fataler Brain-Drain droht.

Luxusgeschäft am Place Vendome in Paris
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Luxusgeschäft am Place Vendome in Paris

"Mich selber betrifft diese Maßnahme nicht, weil ich nicht ein solches Einkommen habe", sagt uns ein Mann auf der Straße in Paris. "Aber trotzdem glaube ich, dass das eine Katastrophe für Frankreich ist. Denn damit vertreiben wir doch unsere hellen Köpfe - diejenigen, die die Wirtschaft am Laufen halten." Viele wohlhabende Franzosen argumentieren zurzeit in dieselbe Richtung. Sie drohen mit Abwanderung, und hoffen vielleicht so, die Reichensteuer von 75 Prozent, über die im Herbst das französische Parlament abstimmen soll, doch noch zu kippen.

Steuerflucht ins Ausland

In jedem Falle werden derzeit gerne Finanzberater wie der Schweizer François Micheloud zitiert. Er sagt, dass er viele Anfragen von reichen Franzosen habe, die sich gerne rund um den Genfer See ansiedeln möchten - eine Gegend, die bei reichen Exil-Franzosen offenbar sehr beliebt ist: "Ich habe eine ganze Reihe von Kunden, die sich hier schon niedergelassen haben. Sie wohnen in den kleinen Weinbergstädtchen, die oberhalb des Sees liegen."

Einer, der schon vor einigen Jahren die Steuerflucht ergriffen hat und dazu auch steht, ist Mitbegründer der Hotelkette Accor, Paul Dubrule. Auch er lebt mittlerweile in der Gegend um Lausanne - ganz klar, um weniger Steuern zu zahlen: "Jetzt kümmere ich mich darum, mein Vermögen zusammenzuhalten", sagt er. "Das ist doch ganz normal und im Interesse meiner Familie. Es hat doch nichts Heroisches, sich wie eine Gans rupfen zu lassen, wenn man das auch ganz legal verhindern kann."

Hollande setzt auf den Patriotismus der Reichen

Frankreichs Präsident François Hollande nennt ein solches Verhalten schlicht unpatriotisch. Er zeigt sich immer wieder optimistisch, dass die geschätzten 30.000 Einkommensmillionäre in Frankreich aus Liebe zu ihrem Land gerne einen Großteil ihres Vermögens abgeben wollen.

Der Hafen von Cannes
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Der Yachthafen von Cannes: Kommt die neue Steuer, wollen viele Reiche ins Ausland abwandern.

Und immerhin: Einen prominenten Unterstützer hat Hollande - den Sänger und Ex-Tennisspieler Yannick Noah: "Es erscheint mir nur gerecht, dass jemand, der so viel verdient, auch teilen sollte", sagt er. Yannick Noah ist allerdings schon seit langem ein Unterstützer der Sozialisten. Er trat auf zahlreichen Wahlkampfveranstaltungen auf. Vielleicht findet auch deshalb der von ihm verwendete Begriff der Gerechtigkeit in diesem Kontext kein Echo.

Fußballerhonorare werden netto verhandelt

Es ist schon erstaunlich, dass in dem ersten europäischen Land, das so eine radikale Besteuerung einführen will, kaum über das Für und Wider von privatem Reichtum diskutiert wird. Eher wird aufgehorcht, wenn angesichts der drohenden Reichensteuer neue Rekordhonorare für Fußballer gezahlt werden. Der Pariser Fußballklub Saint Germain hat nämlich vor kurzem den Kicker Zlatan Ibrahimovic eingekauft - für 14 Millionen Euro jährlich, netto wohlgemerkt. Wenn die Reichensteuer tatsächlich kommt, wird der Klub die Steuer zusätzlich abführen - und dann jedes Jahr insgesamt 56 Millionen Euro für Ibrahimovic zahlen.

Stand: 10.08.2012 12:36 Uhr

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