Papst Franziskus Pope umarmt den Präsidenten des Lutherischen Weltbunds, Bischof Munib Younan | Bildquelle: AP

Papst besucht Reformationsfeier in Lund Gesten, Gebete, Gemeinschaft

Stand: 31.10.2016 20:18 Uhr

Bei seinem historischen Besuch der Reformationsfeier im schwedischen Lund hat der Papst die Einheit der Christen beschworen. Eine mutige Geste. Doch eine Frage bleibt: Wann kommt das gemeinsame Abendmahl? Kommt es überhaupt?

Von Jan-Christoph Kitzler, ARD-Studio Rom, zzt. Lund

Die Kathedrale der alten Bischofsstadt Lund hat schon viel erlebt. Aber so etwas noch nicht: der Papst und die Spitzen der lutherischen Kirchen gemeinsam, im Gedenken an die Reformation - genau 499 Jahre nachdem Martin Luther in Wittenberg seine 95 Thesen veröffentlicht hat.

Papst in Schweden | Bildquelle: AP
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Der Papst zusammen mit dem Präsidenten und dem Generalsekretär des Lutherischen Weltbunds, Martin Junge (rechts) und Munib Younan (links) beim ökumenischen Gebet in der Kathedrale von Lund.

Hört man sich um, dann sagen Vertreter beider Konfessionen, dass man durchaus etwas zu feiern hat, solange es um die vergangenen knapp 50 Jahre geht, seitdem Lutheraner und Katholiken offiziell den Dialog aufgenommen haben. Seitdem versucht man die Gemeinsamkeiten zu betonen, so sagte es auch Martin Junge, der Generalsekretär des Lutherischen Weltbundes: "Wir erkennen an, dass es viel mehr gibt, was uns eint, als was uns trennt. Wir sind Zweige eines Weinstocks. In der Taufe sind wir eins." Deshalb gebe es das gemeinsame Gedenken.

Dunkle Zeiten im Kopf

Doch auch die schlimmen Zeiten der Vergangenheit kommen zu Sprache. Die Zeiten, in denen die Trennung zu Kriegen geführt hat, zu Gewalt, Ausschluss und Diskriminierung. Deshalb haben auch die Recht, die sagen, dass es in Lund nicht viel zu feiern gibt.

Doch Papst Franziskus will ein starkes Zeichen setzen, schon mehrfach hatte er in den vergangenen Monaten die Rolle Luthers gelobt, betont, dass auch die katholische Kirche vom Reformator gelernt habe. Das betonte er heute erneut: "Dankbar erkennen wir an, dass die Reformation dazu beigetragen hat, die Heilige Schrift mehr ins Zentrum des Lebens der Kirche zu stellen. Die geistliche Erfahrung Martin Luthers hinterfragt uns und erinnert uns daran, dass wir ohne Gott nichts vollbringen können."

Papst in Schweden | Bildquelle: REUTERS
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Nur etwa 113.000 Katholiken leben in Schweden - der Papst-Besuch in der Kathedrale von Lund wurde dennoch gefeiert.

Gemeinsam beten Lutheraner und Katholiken das Glaubensbekenntnis. Und wenn hier alle ganz selbstverständlich für die katholische Kirche bitten, dann meinen sie nicht die katholische Konfession, sondern die eine, gemeinsame Kirche.

Neuer Schwung für die Ökumene

Papst Franziskus will mit seinem Besuch in Schweden, mit dem gemeinsamen Reformationsgedenken, neuen Schwung in die Beziehungen bringen: "Wir Katholiken und Lutheraner haben begonnen, auf dem Weg der Versöhnung voranzugehen", sagte er. Jetzt hätten die Christen im Rahmen des gemeinsamen Gedenkens der Reformation von 1517 eine neue Chance, einen gemeinsamen Weg aufzunehmen. "Wir dürfen uns nicht mit der Spaltung und der Entfremdung abfinden, die durch die Teilung unter uns hervorgerufen wurden."

Papst in Schweden mit Sylvia und Carl Gustav | Bildquelle: REUTERS
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Mit dem schwedischen Königspaar verlässt Papst Franziskus die Kathedrale von Lund.

Aber wie weit kann die Gemeinsamkeit gehen? Die gemeinsame Erklärung, die bei der Zeremonie unterschrieben wurde, macht dazu nur vage Angaben. Darin werden die Gemeinden aufgerufen, "unerschrocken und schöpferisch, freudig und hoffnungsvoll […] die große Reise, die vor uns liegt, fortzusetzen."

Konfliktpunkt: gemeinsames Abendmahl

Martin Junge, der Generalsekretär des Lutherischen Weltbundes wurde da schon konkreter: "Besser, Gott findet uns beim Brücken bauen, damit wir einander näher kommen können. Beim Bau von Häusern, wo wir uns treffen können. Und Tischen, an denen wir Brot und Wein teilen können, die Anwesenheit Christi, der uns nie verlassen hat und der uns aufruft ihm zu folgen, damit die Welt glaube."

Keiner vermag hier zu sagen, wann es soweit ist, wann Katholiken und Lutheraner zusammen Abendmahl feiern können. Es gibt die, die sagen: Das stehe erst ganz am Ende. Andere wiederum sagen: Man brauche das gemeinsame Abendmahl, um auf dem Weg der Annäherung nicht die Kraft zu verlieren.

Immerhin: Das gemeinsame Reformationsgedenken zeigt, was möglich ist. Auch wenn das in Lund eine ganz besondere, man könnte sagen historische Veranstaltung war.

Gemeinsames Reformationsgedenken: Papst und Lutheraner in Lund
J.-C. Kitzler, ARD Rom, zzt. Lund
31.10.2016 19:30 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 31. Oktober 2016 um 17:00 Uhr.

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