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21.11.2009

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Provokativer Neonazi-Marsch durch Prag gestoppt

Ziel war früheres jüdisches Viertel

Provokativer Neonazi-Marsch durch Prag gestoppt

Ein massives Polizeiaufgebot und zahlreiche Gegendemonstranten haben in Prag einen Neonazi-Marsch durch das frühere jüdische Viertel verhindert. Der Demonstrationszug war von der Stadt verboten worden. Dennoch riefen Rechtextremisten weiter zur Teilnahme auf.

Von Peter Hornung, ARD-Hörfunkstudio Prag

Bereitschaftspolizisten stürmen eine Straße entlang (Foto: REUTERS) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: 1500 Polizisten sollten die Demonstration der Rechtsextremisten und Zusammenstöße mit Gegendemonstranten verhindern ]
Polizeihubschrauber in der Luft, mehrere Polizeihundertschaften mit Wasserwerfern und Schützenpanzern - Prags Altstadt wirkt wie im Belagerungszustand. Doch Pavel Bém, der Oberbürgermeister der tschechischen Hauptstadt, ist zufrieden: "Bis zu diesem Moment ist es den Neonazis nicht gelungen, ins historische Zentrum zu kommen."

Sie haben ihr Ziel verfehlt, die Neonazis aus Tschechien, Deutschland und der Slowakei. Mehrere hundert tschechischer Extremisten wurden außerhalb der Altstadt aufgehalten. Es gab mehrere Verletzte und zahlreiche Festnahmen. Drei Busse mit deutschen Neonazis waren bereits ab der Grenze von Polizeifahrzeugen begleitet worden. Ihre Teilnahme an der Veranstaltung konnte so verhindert werden.

Jüdische Gemeinde: "Eine Provokation"

Gerichte hatten die geplante Demonstration bereits vor Tagen für illegal erklärt. Eine tschechische Gruppe namens "Junge Nationaldemokraten" hatte im Internet jedoch dazu aufgerufen, das Verbot zu ignorieren. Der Aufmarsch sollte im alten jüdischen Viertel Prags stattfinden. Angeblich wollte man gegen die tschechische Militärpräsenz im Irak demonstrieren. Das allerdings wurde allgemein als Vorwand angesehen.

Es sollte eine Provokation sein, 69 Jahre nach der Reichskristallnacht, sagt der Vorsitzende von Prags jüdischer Gemeinde, Leo Pavlat. "Was aber gut ist: Dass viele Leute sich versammeln, um klar zu sagen, dass sie nicht nur nichts mit den Neonazis zu tun haben wollen, sondern dass sie das für etwas halten, was in dieser Gesellschaft keinen Platz haben sollte", meint Pavlat.

Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Protest gegen den geplanten Neonazi-Zug durchs frühere jüdische Viertel]
Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Tausende Prager versammelten sich zu Gegendemonstrationen]

Statt von Neonazis war Prags Zentrum von Tausenden Gegendemonstranten bevölkert. Es gab mehrere Kundgebungen, und viele Teilnehmer trugen zum Zeichen der Solidarität gelbe Judensterne. "Das ist meine moralische Pflicht, meine Bürgerpflicht", erläutert Vera Swobodova aus Hradec erläutert, warum sie hier. Wenn wir nicht dagegen sind, wer dann? Man muss gegen das Böse kämpfen. Wir haben keine Angst. Wenn irgendwas passieren sollte, dann werden wir hinter den Juden stehen."

Jüdische Organisationen hatten im Vorfeld dazu aufgerufen, eine Art Bürgerwehr gegen die Neonazis aufzustellen. Die massive Polizeipräsenz allerdings machte deren Einsatz unnötig. Was blieb, war die Solidarität. Für die tschechische Gesellschaft ein Reifezeugnis, meint der konservative Politiker Tomas Töpfer: "Ich bin sehr froh, dass so viele Menschen gekommen sind. Diese Solidarität hat mich sehr beeindruckt. Ich bin davon überzeugt, dass es die Menschen gelernt haben, dass sie so etwas wie 1938 nicht mehr zulassen. So viele sind hierher gekommen."

Außenminister: Neonazis "nicht zu viel Aufmerksamkeit schenken"

Einer ist allerdings absichtlich nicht gekommen - obwohl auch er ein erklärter Gegner des Neonazi- Aufmarschs war: Tschechiens Außenminister Karel Schwarzenberg. Er sagte kurz vor der Veranstaltung: "Wir sollten dem nicht zu viel Aufmerksamkeit schenken." Denn Aufmerksamkeit sei genau das, was die Rechtsextremisten erreichen wollten.

Stand: 10.11.2007 19:38 Uhr
 

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