Seitenueberschrift

Reaktionen auf Romneys Vize

Lob von rechts, Entsetzen bei den Demokraten

"Eine gute Wahl" loben die einen, die anderen befürchten massive Ungerechtigkeiten beim Sparprogramm: Die Wahl Paul Ryans zum Vize-Präsidentschaftskandidat der Republikaner hat in den USA ein geteiltes Echo ausgelöst. Präsident Obama warf Ryan vor, eine rücksichtslose Politik zu unterstützen.

Von Sabrina Fritz, SWR-Hörfunkstudio Washington

Einer der ersten, die reagierten, war Präsident Barack Obama: "Ryan wird bei den Reichen die Steuern senken. Die Last müssen die Mittelklasse und die Rentner tragen. Er hat schon die rücksichtslose Politik von Präsident George W. Bush mitgetragen, die unser Defizit erhöht und unsere Wirtschaft zerstört hat", so der Präsident in einer schriftlichen Reaktion.

Auch die Gewerkschaften kritisieren Mitt Romney für die Entscheidung, den radikalen Sanierer Ryan zum Vize-Kandidaten zu machen. "Damit ist kristallklar, dass Romney nicht auf der Seite der arbeitenden Bevölkerung steht", sagt Mary Kay Henry von der Dienstleistungsgewerkschaft.

Reaktionen auf Ryans Ernennung als Vize
S. Fritz, ARD Washington
11.08.2012 23:39 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Ryan: "Amerika ist auf dem falschen Weg"

Mitt Romney (li.) stellt den Kongressabgeordneten Paul Ryan als seinen "running mate" vor.
galerie

Mitt Romney (li.) stellt den Kongressabgeordneten Paul Ryan als seinen "running mate" vor.

Der 42-jährige Republikaner Ryan ist Fachmann für Haushaltspolitik. In seiner ersten Rede als Vize-Kandidat erklärte er: "Amerika ist auf dem falschen Weg, aber Mitt Romney und ich werden die richtigen Entscheidungen zur richtigen Zeit treffen, um Amerika wieder zurück auf den richtigen Weg zu führen."

Wie dieser Weg aussehen soll, hat Ryan zu Beginn des Jahres in seinem Buch "Pfad für mehr Wohlstand" beschrieben. Dieser Pfad führt allerdings nur in eine Richtung: Drastische Kürzungen bei allen staatlichen Leistungen, außer beim Militär. Damit könnten die USA in den nächsten zehn Jahren Billionen sparen, sagt Ryan. Das bedeutet aber: Weniger Krankenversorgung für die Rentner, keine Hilfe für Arbeitslose, keine Subventionen für erneuerbare Energien, weniger Zuschüsse für Studentenkredite.

Tea Party begrüßt Ryan-Nominierung

Der zweite starke Mann bei den Republikanern will den Staat auf ein Minimum zurückfahren. Dafür bekam er viel Lob von den konservativen Amerikanern. Matt Kibbe, ein Vertreter der Tea Party, erklärte gegenüber dem Radiosender NPR: "Ryan ist eine gute Wahl, er wird zusätzliches politisches Gewicht auf die Romney-Bewerbung legen. Beide Kandidaten, Präsident Obama und Romney, sind nun gezwungen, über den richtigen Weg zu diskutieren, wie sich die amerikanische Wirtschaft wieder erholen kann."

"New York Times" kritisiert Sparprogramm

Joe Biden
galerie

Joe Biden gratulierte. Er wird im Oktober mit Ryan bei einem TV-Duell aufeinander treffen.

Die Entscheidung für Ryan als Vize-Präsidentschaftskandidat war vor den US-Medien erstaunlich lange verheimlicht worden. Romney hatte diese Entscheidung angeblich schon Anfang August getroffen, kurz nach seiner schwachen Europa Reise. 

Die "New York Times" kritisiert die massive Ungerechtigkeit im Sparprogramm des Republikaners: "Was werden die Wähler sagen, wenn Ryan ihre neue Abwasseranlage, den Teer für ihre Straßen und den Ersatz für den pensionierten Feuerwehrmann wegnimmt?" fragt die Zeitung.

Und "Fox News", der Haussender der Republikaner, erklärte über den frischgebackenen Vize: "Ryan sagt, was er denkt. Er lügt nicht, er verbarrikadiert sich nicht, er geht raus. Das ist eine Stärke - aber auch eine Schwäche", so Dick Morris, ehemaliger Berater von Bill Clinton und heute Mitarbeiter bei "Fox News".

Sein unmittelbarer Gegenspieler, der Vizepräsident von Präsident Obama, Joe Biden, hat Paul Ryan schon am Telefon gratuliert. "Willkommen im Rennen", soll Biden gesagt haben. Die beiden werden am 11. Oktober bei einem Fernsehduell aufeinander treffen.

Stand: 12.08.2012 01:19 Uhr

Darstellung: