Pressekonferenz zur Razzia | Bildquelle: dpa

13 Festnahmen in sechs Ländern Europaweite Razzia gegen Islamisten

Stand: 12.11.2015 15:14 Uhr

Bei einer Razzia gegen ein Netzwerk von Islamisten in Europa sind mindestens 13 Menschen in sechs Ländern verhaftet worden. Sie sollen unter anderem geplant haben, einen in Norwegen verhafteten Islamisten freizupressen und Anschläge im Nahen Osten zu verüben.

Im Kampf gegen ein internationales Terrornetz hat die italienische Justiz Haftbefehle gegen 16 Kurden und einen Kosovaren erlassen. Sechs Personen seien in Italien festgenommen worden, vier in Großbritannien und drei in Norwegen, meldete die Nachrichtenagentur Ansa. Sie sollen unter anderem geplant haben, einen in Norwegen verhafteten Islamisten freizupressen und Anschläge im Nahen Osten zu verüben.

Zudem hätten sie versucht, Kämpfer für Syrien und den Irak zu rekrutieren. Mehrere der Gesuchten seien womöglich schon bei Kämpfen in Syrien und dem Irak ums Leben gekommen.

Anführer bereits länger in Haft

Krekar (Archivbild) | Bildquelle: REUTERS
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Mullah Krekar verbüßt in Norwegen eine 18-monatige Haftstrafe.

An den von der europäischen Justizbehörde Eurojust koordinierten Ermittlungen seien auch Großbritannien, Norwegen, Finnland, Deutschland und die Schweiz beteiligt gewesen. Der in Norwegen inhaftierte Anführer der Gruppe "Ansar al-Islam" sei der kurdische Iraker Mullah Krekar, dessen ursprünglicher Name Nadschmeddin Faradsch Ahmad lautet. Ihm droht in Norwegen seit 2003 die Auslieferung an den Irak. Diese wurde bisher aber nicht vollzogen, weil gegen ihn im Irak die Todesstrafe verhängt werden könnte.

Krekar war im Oktober zu einer 18-monatigen Gefängnisstrafe verurteilt worden, weil er die Ermordung der Cartoonisten des französischen Satiremagazins "Charlie Hebdo" gelobt habe, teilten die Behörden mit. Er sei auch für schuldig befunden worden, andere gedrängt zu haben, einen kurdischen Einwanderer in Norwegen zu töten.

Gruppe auch in Deutschland aktiv

Nach eigenen Angaben ist Krekar seit Mai 2002 nicht mehr Anführer von "Ansar al-Islam". Die Gruppe aus dem überwiegend kurdisch-islamistischen Milieu verübte seit September 2003 zahlreiche Anschläge im Irak und galt lange als mit dem Terrornetzwerk Al Kaida verbündet; ihr Ziel ist ein islamistischer Staat im kurdischen Norden des Landes.

"Ansar al-Islam" ist seit Jahren auch in Deutschland aktiv. Auch für Anschlagsversuche außerhalb des Iraks wird die Gruppe verantwortlich gemacht, darunter ein versuchter Anschlag auf den NATO-Gipfel im Juni 2004 in Istanbul.

Der norwegische Geheimdienst PST teilte Medienberichten zufolge mit, dass gegen den im Irak geborenen und bereits inhaftierten Geistlichen und zwei weitere Personen wegen des Verdachts, an einem Terroranschlag in Italien beteiligt zu sein, Haftbefehl erlassen worden seien. Am Freitag gebe es einen Gerichtstermin, bei dem eine Auslieferung an Italien geprüft werde.

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