Auf einer Leinwand ist ein Bild von Martin Luther King zu sehen

Martin-Luther-King-Tag Wie rassistisch sind die USA?

Stand: 15.01.2018 13:05 Uhr

Mit seiner mutmaßlichen Aussage über "Drecksloch"-Staaten entfacht US-Präsident Trump eine Debatte: Wie stark ist der Rassismus in den USA? Diese Frage beantworten Schwarze und Weiße sehr unterschiedlich.

Von Birand Bingül, ARD-Studio New York

Das schafft nur Donald Trump: Mitte vergangener Woche soll er afrikanische Länder als "Dreckslöcher" bezeichnet haben, aus denen möglichst keine Menschen mehr in die USA kommen sollen - dafür lieber aus Norwegen. Nur einen Tag später lobt er Martin Luther King - als wäre nichts gewesen. Dass King als Nachfahre von Sklaven aus einem der "Dreckslöcher" in Afrika stammt, scheint nicht zu irritieren. Trump lobte King vor dem heutigen Martin-Luther-King-Tag für seinen Kampf für Bürgerrechte "unabhängig von der Hautfarbe".

Womöglich kommt in Trumps Äußerungen sehr gut zum Ausdruck, wie gespalten das Land ist: in dem einen Staat mehr, in dem anderen weniger. Doch selbst in der weltoffensten Stadt Amerikas, in New York, steht Rassismus auf der Tagesordnung.

Auf einer Leinwand ist ein Bild von Martin Luther King zu sehen | Bildquelle: ARD-Studio New York
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Auf einer Leinwand ist Bürgerrechtler Martin Luther King zu sehen. Noch heute ist das Land gespalten.

Martin Luther Kings Erben

Zu Kings Erben im Kampf um Bürgerrechte für Schwarze gehört L. Joy Williams, die sich im NAACP engagiert. Schon Martin Luther King gehörte zu dieser Organisation zur Förderung von Schwarzen. Williams ist die NAACP-Vorsitzende von Brooklyn, hauptberuflich ist sie Politikberaterin.

Trumps Äußerungen - und es sind nicht die ersten dieser Art - kann sie sogar etwas Gutes abgewinnen: "Einen engstirnigen Rassisten im Weißem Haus zu haben, zeigt uns, was Sache ist. Wir können klar sagen: Schaut, der Rassismus existiert immer noch. Das ist der Grund, warum wir unseren Kampf fortsetzen."

Obwohl sie in der amerikanischen Gesellschaft weit gekommen ist, ist Diskriminierung für sie alltäglich. "Man kriegt es zu spüren. Ich sollte eine Konferenz leiten, eine Firma hatte mich dafür engagiert. Dann komme ich da rein und die fragen mich, was es zu Mittag gibt … Als wäre ich die Küchenhilfe."

Forscher: Viel Diskriminierung im Alltag

Mit solchen Erfahrungen steht sie nicht allein. Ganz im Gegenteil: Zahlreiche Studien in den USA belegen eindrücklich wie stark Schwarze im Alltag diskriminiert werden. Das betrifft praktisch alle Lebensbereiche: ob bei Bewerbungen, der Wohnungssuche, beim Arztbesuch oder im Kontakt mit Polizei und Justiz.

So verschickten Forscher beispielsweise identische Bewerbungen, einmal unter einem "weißen" Namen, einmal unter einem "schwarzen". Dann untersuchten sie den Rücklauf der Arbeitgeber: Bei gleicher Qualifikation hatten Weiße eine 50 Prozent höhere Chance, zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden.

Martin Luther King Day - Schwarze Bürgerrechte in den USA
tagesschau24 11:00, 15.01.2018, Birand Bingül, ARD New York

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Tägliche Ungleichbehandlung

Von "digitaler Diskriminierung" sprechen sie in den USA, wenn Onlineplattformen wie Airbnb Kunden mit "schwarzem" Nutzerprofil schlechter behandeln als Kunden mit "weißem". Dass weiße Taxifahrer immer wieder schwarze Kunden im wahrsten Sinne des Wortes im Regen stehen lassen und ließen, ist eine der alltäglichen Diskriminierungen. Die Taxi-Plattformen Uber oder Lyft waren mit dem Anspruch angetreten, dies zu ändern. Doch Fahrer lehnten schwarze Kunden deutlich häufiger ab als Weiße oder ließen sie im Vergleich viel länger warten.

Der Fahrradkurier Jason Woody ist Aktivist in der Bewegung "Black Lives Matter" in New York. Er besuchte das Morehouse College, dieselbe Schule wie Martin Luther King. Er sagt: "Soviel sich seit Kings Zeit auch getan hat, es reicht mir nicht. Wir kämpfen weiter um die Herzen und Köpfe. Nur weil wir den ersten schwarzen Präsidenten hatten, ist der Rassismus nicht vorbei."

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Martin Luther King: Bilder aus dem Leben des Bürgerrechtlers

Bilder aus dem Leben des US-Bürgerrechtlers

Martin Luther King

Der Bürgerrechtler wurde als Michael King jun. am 15. Januar 1929 in Atlanta (USA) als Sohn eines Geistlichen und einer Lehrerin geboren. Der Vorname wurde später aus Bewunderung für den Reformator in "Martin Luther" umgewandelt. | Bildquelle: picture-alliance/ dpa

Schwarze und Weiße: Andere Wahrnehmung von Rassismus

Das deckt sich mit der Wahrnehmung der meisten Schwarzen in den USA. Ganz anders sieht es bei den Weißen aus. Wissenschaftler haben festgestellt, dass die Wahrnehmung von Rassismus unter Schwarzen und Weißen enorme Unterschiede aufweist.

Laut einer Studie des renommierten Pew Research Instituts sagen 88 Prozent aller Schwarzen: Die USA müssten weiter daran arbeiten, für gleiche Rechte zu sorgen. Unter Weißen lag der Wert bei 53 Prozent.

Das Übel bekämpfen

Solche Daten, meint L. Joy Williams, dürften aber nicht dazu führen, dass Schwarze sie als Entschuldigung anführen. Durch Bildung, faire Unterstützung und mehr Antidiskriminierungsarbeit müsse das Übel Schritt für Schritt bekämpft werden:

"Dieses Land wurde auf Ausbeutung gebaut, auf Sklaverei. Steigen wir etwas auf, denken viele Weiße, dass sie absteigen. Und dann kommt die Gegenreaktion, wie wir sie gerade erleben."

Etwas gibt Williams aber auch Hoffnung. Schwarze Frauen seien eine der Gruppen in der amerikanischen Gesellschaft, die sich am schnellsten zum Guten entwickelten. Ob Bildung oder Einkommen, für sie gehe es aufwärts. Und mit Michelle Obama oder Talkshow-Ikone Oprah Winfrey gäbe es hervorragende Vorbilder. Vielleicht kein Zufall, dass beide mit der nächsten Präsidentschaft in Verbindung gebracht werden.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Kultur am 15. Januar 2018 um 08:50 Uhr.

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