Kämpfer der kurdisch dominierten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) verkünden den Beginn der Offensive auf Rakka. | Bildquelle: AFP

Hochburg der IS-Miliz Syrische Kurden verkünden Rakka-Offensive

Stand: 06.11.2016 16:33 Uhr

Die Offensive auf die irakische IS-Hochburg Mossul läuft bereits seit mehreren Wochen. Nun sollen die Extremisten auch aus ihrer De-facto-Hauptstadt Rakka in Syrien vertrieben werden. Die von den USA unterstützten kurdischen Rebellen in Syrien erklärten, die Rückeroberung habe begonnen.

Eine von den USA unterstützte kurdisch-arabische Allianz hat nach eigenen Angaben mit der Offensive zur Rückeroberung der IS-Hochburg Rakka begonnen. "Die große Schlacht zur Befreiung von Rakka und seiner Umgebung hat begonnen", heißt es in einer Erklärung der Demokratischen Syrischen Kräfte (SDF), die bei einer Pressekonferenz in Ain Issa verlesen wurde. Ain Issa befindet sich etwa 50 Kilometer nördlich von Rakka. Die "Hauptstadt des weltweiten Terrorismus" solle zunächst isoliert und dann eingenommen werden, sagte eine SDF-Kommandeurin.

An dem Angriff sollen demnach 30.000 bis 40.000 Menschen beteiligt sein. Vier Fünftel der teilnehmenden Kämpfer seien Zivilisten, die zuvor aus Rakka geflohen seien. Die Sicherheit von Zivilisten habe Vorrang, so die SDF. Unterstützt würden die Angreifer von einer US-geführten Militärkoalition und den kurdischen Volksschutzeinheiten (YPG), dem bewaffneten Arm der SDF. Die YPG und die SDF sind in Syrien die wichtigsten Verbündeten der USA gegen die sunnitischen Extremisten des "Islamischen Staates".

Spannungen mit Ankara

Die Kurdenmiliz beherrscht große Teile der Grenze zur Türkei - zum Unmut der türkischen Regierung. Ankara will verhindern, dass die Kurden weitere Gebiete unter ihre Herrschaft bringen. Die türkische Armee hatte daher im August einen Bodeneinsatz mit Panzern in Syrien begonnen und angekündigt, dass das in Nordsyrien stationierte Militär seine Einsätze auf Rkaka ausdehnen könne. Sie unterstützt damit Rebellen und bekämpft die YPG und den IS.

Nach Angaben der kurdisch-arabischen Militärallianz soll die Türkei von der Offensive auf Rakka ausgeschlossen werden. Die türkische Armee und auch mit ihr verbündete Rebellen würden "keine Rolle" bei der Offensive spielen, sagte ihr Sprecher Talal Sello. Darauf habe man sich mit den USA geeinigt.

Die IS-Terroristen hatten Rakka am Ufer des Flusses Euphrat 2014 erobert und sie später zur Hauptstadt ihres ausgerufenen Kalifats erklärt. Die Offensive zur Rückeroberung der ölreichen Stadt war seit längerem erwartet worden. US-Verteidigungsminister Ashton Carter hatte vor knapp zwei Wochen gesagt, die Rückeroberung starte "in wenigen Wochen".

Karte Syrien und Irak mit Rakka Damaskus und Mossul
galerie

Rakka und Mossul sind die letzten beiden Bastionen des IS.

IS auch in Mossul unter Druck

Seit Monaten sind die Dschihadisten in ihrem Herrschaftsgebiet massiv unter Druck. Im Irak wird seit Mitte Oktober um die Großstadt Mossul gekämpft, in der sich der IS verschanzt hat.

An der Offensive sind Zehntausende irakische Soldaten, kurdische Peschmerga-Kämpfer sowie sunnitsche Paramilitärs beteiligt. Sie werden durch Luftangriffe der internationalen Anti-IS-Koalition unter Führung der USA unterstützt. Im Westen der Stadt versuchen zudem vom Iran unterstützte schiitische Milizen die Versorgungswege der IS-Kämpfer nach Syrien abzuschneiden. In der mehr als eine Million Einwohner zählenden Großstadt werden mehrere Tausend IS-Kämpfer vermutet. Es wird ein schwieriger und langer Häuserkampf bis zur völligen Rückeroberung der Stadt erwartet.

Mossul ist die größte Stadt unter der Kontrolle der Extremisten und die letzte IS-Hochburg im Irak. IS-Chef Abu Bakr al-Bagdadi hatte von dort aus 2014 ein Kalifat ausgerufen.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 06. November 2016 um 13:08 Uhr.

Darstellung: