Karte: Irak mit Sindschar und Bagdad und Syrien mit Rakka

Luftschläge gegen den "Islamischen Staat" Waren die IS-Kämpfer überhaupt in Rakka?

Stand: 16.11.2015 16:23 Uhr

Dutzende Bomben hat die französische Luftwaffe über der IS-Hochburg Rakka abgeworfen. Nun kommen Zweifel am Sinn der Vergeltungsaktion auf. Denn angeblich hatte der "Islamische Staat" viele Kämpfer längst aus der Stadt abgezogen.

Waren die heftigen französischen Luftangriffe auf die syrische IS-Hochburg Rakka am Wochenende militärisch sinnlos? Diesen Verdacht nährten am Vormittag Agenturmeldungen unter Berufung auf die "Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte". Dort hieß es, der "Islamische Staat" habe seine Kämpfer in den vergangenen Wochen rechtzeitig an andere Orte gebracht.

Die Nachrichten stand jedoch in Widerspruch zu einer am Nachmittag versendeten Meldung von AP. Die US-Nachrichtenagentur berichtete - ebenfalls unter Verweis auf die Beobachtungsstelle -, es habe doch Opfer unter den IS-Kämpfern gegeben. Wie viele, sei allerdings nicht klar.

Die "Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte" gilt normalerweise als relativ zuverlässige Quelle für das Geschehen im Syrien-Krieg. Die Gruppe bezieht ihre Informationen aus einem dichten Netz an örtlichen Informanten. Überprüfen lassen sich die Angaben in aller Regel jedoch nicht.

Auf der Homepage der Beobachtungsstelle hieß es am Nachmittag, es gebe keine Informationen über Opfer in Rakka.

Rauchsäulen steigen nach Luftangriffen in Rakka auf | Bildquelle: REUTERS
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Rauch über Rakka: Das Archivbild stammt aus dem vergangenen Jahr.

Es gebe keine Verletzten, sagt der IS

Frankreich hatte am Sonntag als Reaktion auf die Pariser Terroranschläge mindestens 30 Luftangriffe auf Rakka geflogen. Dabei wurden laut Verteidigungsministerium eine IS-Kommandostelle samt Waffen- und Munitionslager sowie ein Ausbildungslager für Terroristen zerstört. Der IS erklärte hingegen über seinen Radiosender Al-Bajan, die französischen Jets hätten nur leere Stellungen getroffen. Es gebe keine Verletzten.

Die von den USA geführte internationale Koalition fliegt seit gut einem Jahr Angriffe auf den "Islamischen Staat" - darunter immer wieder auch auf das syrische Rakka. Die französische Luftwaffe hatte sich bislang allerdings auf Ziele im Irak konzentriert und in Syrien laut "New York Times" gerade mal vier Angriffe geflogen. Das erste Mal ging Frankreich Ende September gegen Ziele in Syrien vor.

Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte (Syrian Observatory for Human Rights, SOHR) sitzt in Großbritannien und will Menschenrechtsverletzungen in Syrien dokumentieren. Die Informationen der Beobachtungsstelle lassen sich nicht unabhängig überprüfen.  

Dänemark denkt über Syrien-Angriffe nach

Unterdessen plant auch Dänemark, seine Luftwaffe gegen den IS in Syrien einzusetzen. Die Kampfflugzeuge müssten so bald wie möglich der US-geführten Allianz wieder zur Verfügung gestellt werden, sagte der dänische Außenminister Kristian Jensen. Bislang gilt das Mandat des dänischen Parlaments ausschließlich für den Irak, wo sich das Land mit sieben Flugzeugen am Einsatz gegen den IS beteiligt. An den Jets werden derzeit allerdings umfangreiche Wartungsarbeiten durchgeführt. Bisher ist geplant, sie ab Mitte 2016 wieder einzusetzen.

Darüber hinaus forderte der britische Premierminister David Cameron vom Londoner Parlament Unterstützung für die Beteiligung seines Landes an Luftangriffen in Syrien. "Wir müssen das Parlament überzeugen", kündigte er in der BBC an.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 16. November 2015 um 10:42 Uhr.

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