Syrische Soldaten stehen in der Ruine eines Hauses. | Bildquelle: dpa

Hochburg des "Islamischen Staats" Countdown in Rakka

Stand: 14.10.2017 17:18 Uhr

Die Lage in Rakka ist unübersichtlich: Syrische Dschihadisten haben sich ergeben, ausländische Kämpfer verharren in der Stadt. Die letzte Schlacht um Rakka könnte bald geschlagen sein - oder aber dauern und schwierig werden.

Von Carsten Kühntopp, ARD-Studio Kairo

Die Angreifer geben sich optimistisch: Jetzt werde es nur noch eine Frage von Stunden sein, bis der "Islamische Staat" (IS) vollständig aus Rakka vertrieben sei, erklärte die Führung der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF). Die endgültige Schlacht um die Stadt habe begonnen.

Die SDF sind ein von Kurden geführtes Bündnis, das im Juni die Offensive zur Befreiung von Rakka gestartet hatte. Die Miliz wird am Boden von US-Spezialkräften unterstützt; aus der Luft hilft die internationale Anti-IS-Koalition.

Doch die Koalition äußerte sich wesentlich vorsichtiger. Ein Sprecher sagte, man erwarte auch in den kommenden Tagen noch schwierige Kämpfe um Rakka. Auf einen Zeitpunkt, wann der IS dort geschlagen sei, wolle man sich nicht festlegen. Bis gestern habe man etwa 85 Prozent der Stadt zurückerobert. Wie viele Zivilisten derzeit noch in Rakka festsitzen, ist nicht bekannt. Zuletzt hatte die Koalition ihre Zahl auf 4000 geschätzt und die Zahl der IS-Kämpfer auf bis zu 400.

Hunderte Zivilisten konnten fliehen

Während der vergangenen Tage konnten einige Hundert Zivilisten aus der umkämpften Stadt fliehen. Außerdem gaben laut der Koalition 100 IS-Milizionäre während der vergangenen 24 Stunden auf. Wie das internationale Bündnis mitteilte, konnten der sogenannte Bürgerrat - eine Art Stadtverwaltung im bereits befreiten Teil von Rakka - und Stammesälteste aushandeln, dass Zivilisten und syrische IS-Kämpfer heute in einem Konvoi aus der Stadt gebracht werden. Wie viele, ist nicht bekannt.

Diejenigen, die Rakka auf diesem Weg verlassen, werden von den SDF gecheckt. Die Anti-IS-Koalition erklärte, dass die Übereinkunft das Leben unschuldiger Menschen rette. Allerdings sind ausländische IS-Kämpfer nicht Teil der Vereinbarung.

Viele Zivilisten starben durch Luftangriffe

Zuvor hatte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit Sitz in Großbritannien gemeldet, dass die Syrer unter den IS-Kämpfern Rakka bereits mit ihren Familien verlassen hätten. Der Kampf zur Rückeroberung der ehemaligen IS-Hauptstadt hat bereits viele Hundert Zivilisten das Leben gekostet.

Viele von ihnen starben durch die Luftangriffe der Anti-IS-Koalition, die noch heftiger waren als jene, die die Koalition auf Mossul geflogen hatte. Beobachter kritisierten die Luftschläge als unbarmherzig und warfen der Koalition eine "Politik der verbrannten Erde" vor.

Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte (Syrian Observatory for Human Rights, SOHR) sitzt in Großbritannien und will Menschenrechtsverletzungen in Syrien dokumentieren. Die Informationen der Beobachtungsstelle lassen sich nicht unabhängig überprüfen.  

Während die Schlacht um Rakka also weitergeht, ist der Kampf um eine andere Hochburg des IS in Syrien entschieden. Die syrische Regierung gab bekannt, dass ihre Kräfte die Stadt Majadin eingenommen haben. Nach wochenlangen schweren Gefechten sei die Abwehr der Extremisten schließlich zusammengebrochen, melden staatliche Medien. Nun seien Regierungskräfte noch dabei, die letzten IS-Kämpfer aus der Stadt zu vertreiben, während Pioniere Landminen räumten.

Majadin liegt im Osten Syriens, gut fünfzig Kilometer von der Grenze zum Irak entfernt. IS-Anführer, die zuvor andernorts unter Druck geraten waren, hatten sich in die Stadt zurückgezogen. Doch auch dieser Rückzugsort ist nun keiner mehr. Stück für Stück wird das IS-Kalifat zerschlagen.

Das Kalifat in Syrien unter Druck
C. Kühntopp, ARD Kairo
14.10.2017 17:18 Uhr

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Über dieses Thema berichtete am 14. Oktober 2017 die tagesschau um 12:55 Uhr und Deutschlandfunk um 17:06 Uhr.

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