Eine Straße in Rakka liegt in Trümmern. | Bildquelle: dpa

Hochburg des "Islamischen Staats" Syrische IS-Kämpfer verlassen Rakka

Stand: 14.10.2017 16:30 Uhr

Offenbar steht die entscheidende Schlacht um die frühere IS-Hochburg Rakka in Nordsyrien kurz bevor. Laut Menschenrechtlern haben alle syrischen IS-Kämpfer die Stadt verlassen. Syrische Regierungstruppen eroberten unterdessen Majadin zurück.

Alle syrischen Kämpfer der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) haben Menschenrechtlern zufolge ihre Hochburg Rakka in Nordsyrien verlassen. In der Nacht habe auch die letzte Gruppe die Stadt geräumt, sagte der Leiter der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte, Rami Abdel Rahman.

Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte (Syrian Observatory for Human Rights, SOHR) sitzt in Großbritannien und will Menschenrechtsverletzungen in Syrien dokumentieren. Die Informationen der Beobachtungsstelle lassen sich nicht unabhängig überprüfen.  

In den vergangenen Tagen seien die Männer und ihre Familien nach einer Abmachung der kurdisch geführten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) mit den Extremisten aus der Stadt gebracht worden. Die US-geführte Militärkoalition bestätigte ein Abkommen, mit dem IS-Kämpfer und auch Zivilisten aus der Stadt geholt werden sollen. Dieses gelte aber nicht für die ausländischen Dschihadisten, die noch immer in der Stadt verharren. Um wie viele Kämpfer es sich bei ihnen handelt, ist unklar.

Majadin zurückerobert

Vom IS zurückerobert wurde deren frühere Hochburg Majadin. Syrische Regierungstruppen hätten gemeinsam mit ihren Verbündeten heute die volle Kontrolle über die 420 Kilometer östlich von Damaskus gelegene Stadt erlangt, meldeten Militärmedien und die staatliche Agentur Sana. Majadin war 2014 vom IS eingenommen worden.

Letztes Gefecht um Rakka

Laut SDF-Sprecher Mustafa Bali steht nun die Entscheidungsschlacht um Rakka an. Diese könne Tage oder Wochen dauern. Rakka galt neben Mossul im Nordirak als wichtigste Stadt in den Händen des IS. Der Verlust der Stadt wäre ein schwerer Schlag für die Terrormiliz.

Die Schlacht um Rakka begann im Juni. Die internationale Anti-IS-Koalition unterstützt die Offensive aus der Luft. Angesichts heftiger Gegenwehr der Extremisten und Tausender in der Stadt eingeschlossener Zivilisten kamen die SDF-Kämpfer jedoch nur langsam voran.

Zivilisten laut UN kaum versorgt

In Rakka sind weiterhin etwa 8000 Zivilisten eingeschlossen. Die UN mahnten, ihnen fehlten Wasser, Nahrung und Medikamente. "Sie haben nur die desolate Wahl, in der umkämpften Stadt zu bleiben oder durch die Reihen der Kämpfer zu fliehen - und bei beidem den Tod zu riskieren", sagte der Sprecher des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR, Andrej Mahecic.

In der Nachbarprovinz Dair as-Saur hätten allein in der ersten Oktoberwoche 95.000 Menschen wegen Kämpfen fliehen müssen. Das UNHCR baue seine Flüchtlingslager aus, um mehr Menschen aus Rakka und Dair as-Saur aufnehmen zu können.

Über dieses Thema berichtete am 14. Oktober 2017 die tagesschau um 12:55 Uhr und NDR Info um 11:45 Uhr.

Darstellung: