Tausende sind laut Amnesty in der IS-Hochburg Rakka eingeschlossen. | Bildquelle: dpa

IS-Hochburg Rakka Amnesty warnt vor blutiger Tragödie

Stand: 24.08.2017 03:39 Uhr

Für die Menschen in der syrischen IS-Hochburg Rakka wird die Lage offenbar immer dramatischer: Laut Amnesty sind Tausende in der umkämpften Stadt eingeschlossen. Der IS missbrauche sie als menschliche Schutzschilde.

In der umkämpften syrischen Terroristenhochburg Rakka spielt sich laut Amnesty International eine blutige Tragödie ab. Hunderte Zivilisten sind demnach seit Juni durch die eskalierende Gewalt ums Leben gekommen.

Die Bewohner seien in einem "tödlichen Labyrinth" gefangen, warnte Amnesty-Vertreterin Donatella Rovera. Tausende Zivilisten stünden in der bisherigen Hochburg der Dschihadistenmiliz IS "unter Beschuss von allen Seiten".

Die Terroristen des sogenannten "Islamischen Staates" hätten auch Sprengfallen errichtet, um Fluchtversuche aus der Stadt zu unterbinden, heißt es in einem Bericht der Menschenrechtsorganisation. Der IS missbrauche Einwohner als menschliche Schutzschilde.

Rückeroberung läuft seit Wochen

Die Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) kämpfen sich seit Wochen bei der Rückeroberung Rakkas von der Terrormiliz voran. Das kurdisch-arabische Bündnis wird dabei von der US-geführten Anti-IS-Koalition unterstützt.

Blick auf zerstörte Gebäude in Rakka | Bildquelle: dpa
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In der umkämpften syrischen Terroristenhochburg
Rakka spielt sich laut Amnesty International eine blutige Tragödie ab.

Rovera forderte, die SDF und die US-Streitkräfte müssten ihre Bemühungen verstärken, um die Zivilisten vor "blinden und unverhältnismäßigen" Luftangriffen zu schützen und Fluchtwege zu schaffen. Bisher haben die SDF-Einheiten rund 60 Prozent der Stadt erobert.

Die Dschihadisten hatten die Stadt am Euphrat Anfang 2014 eingenommen und zu ihrer informellen Hauptstadt in Syrien gemacht. Nach UN-Schätzungen sind noch bis zu 25.000 Zivilisten in der Stadt.

Amnesty kritisiert Anti-IS-Koalition

Die Anti-IS-Koalition verstärkte zuletzt ihre Luftangriffe. Laut der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte wurden dabei seit Mitte August fast 170 Zivilisten getötet. Amnesty forderte eine unabhängige Prüfung von Berichten zu zivilen Opfern.

Die Menschenrechtsorganisation kritisierte, dass die Anti-IS-Koalition selbst derartige Vorwürfe nicht vor Ort prüfe und keine Augenzeugen befrage. Die meisten Berichte würden als "unglaubwürdig" zurückgewiesen; die Koalition gebe an, dass Zivilisten nur 0,3 Prozent der Toten bei den Angriffen ausmachten.

Im syrischen Bürgerkrieg kämpfen Machthaber Baschar Al Assad, Rebellen und Terrormilizen um die Macht. Seit 2011 starben Hunderttausende Menschen. Millionen Männer, Frauen und Kinder sind auf der Flucht.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 24. August 2017 um 04:58 Uhr.

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