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Jahrelang war der Gazastreifen nahezu abgeriegelt - jetzt hat Ägypten den Grenzübergang Rafah geöffnet. Für viele Palästinenser weicht nun das Gefühl, von der Außenwelt komplett abgeriegelt zu sein. Denn die Ausreise ist wesentlich einfacher als früher, die Abfertigung zügig.
Von Clemens Verenkotte, ARD-Hörfunkstudio Tel Aviv, zzt. Rafah
Kein Massenandrang, keine chaotischen Szenen - stattdessen eine deutlich vereinfachte Aus- und Einreise für die Bewohner des Gazastreifens: Geordnet und diszipliniert verliefen die ersten Stunden am Grenzübergang Rafah nach Inkrafttreten der erleichterten Reisebestimmungen durch die neue ägyptische Führung. Überwiegend Familien und Frauen mit Kindern nutzten die weitgehende Öffnung der Personengrenze zu Ägypten für die Ausreise. Auf langen orangefarbenen und grünen Plastikstuhlreihen brauchten die Reisenden heute nur wenige Minuten zu warten, bis ihre Namen aufgerufen wurden.
Ein junger Mann begleitete seine Frau, die nach Ägypten reiste: "Es wird leichter für die Palästinenser in Gaza, sich frei zu bewegen", sagte er. Ein anderer freute sich, dass er erstmals mit seiner Mutter, die Ägypterin sei, zusammen ausreisen könne: "Für mich war es vorher ausgeschlossen, dass ich ohne weiteres und ohne spezielle Koordinierung ausreisen konnte. Für mich ist es jetzt leichter geworden, besonders für meine Altersgruppe."
Mit Reisebussen werden die Ausreisenden 500 Meter vom Grenztor bis zur palästinensischen Passkontrolle gefahren. Zahlreiche Palästinenser berichteten gegenüber der ARD, dass die Grenzabfertigung wesentlich einfacher und reibungsloser verlaufe als in den Jahren zuvor: "Vorher mussten wir vier bis fünf Stunden auf die Abfertigung warten, jetzt ist es - wie Sie gesehen haben - einfacher geworden und ohne Warten."
[Bildunterschrift: Die ägyptische Regierung öffnete den Grenzübergang Rafah zum Gazastreifen. ]Nach der nahezu vollständigen Abriegelung des Gazastreifens durch Israel und Ägypten unter dem damaligen Staatspräsidenten Hosni Mubarak konnte ein nur sehr begrenzter Personenkreis über Rafah den Gazastreifen verlassen. Die herrschende Hamas zeigte sich gegenüber den zahlreich erschienenen ausländischen Medien nun sehr aufgeschlossen - und öffnete den gesamten Abfertigungsprozess bis zur ägyptischen Grenze der internationalen Presse.
Der Hamas-Polizeichef am Grenzübergang Rafah, Salama Baraka, sagte der ARD: "Wir schätzen die Lage so ein: Wir haben unser Personal mobilisiert, mit allen seinen Möglichkeiten, damit es seine Dienste dem palästinensischen Bürger zur Verfügung stellt - vom Betreten des Grenzübergangs Rafah bis zur Abfertigung in Richtung des ägyptischen Territoriums. Wie Sie beobachten, ist die Abfertigung leicht, es gibt kurze Abfertigungswege, und wir schätzen die von Ägypten getroffene Erleichterung dieses Prozesses sehr hoch ein."
Mit der Reiseerleichterung weicht für zahlreiche Palästinenser das jahrelang vorherrschende Gefühl, von der Außenwelt nahezu komplett abgeschlossen zu sein und keine Chance zu besitzen, den Gazastreifen zumindest vorübergehend verlassen zu können.
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