Polizisten und Passanten in Québec | Bildquelle: REUTERS

Anschlag in Québec Ein Verdächtiger, ein Zeuge

Stand: 30.01.2017 21:45 Uhr

Nach dem tödlichen Angriff auf eine Moschee im kanadischen Québec wird nur einer der beiden Festgenommenen als Verdächtiger behandelt. Der zweite Mann diene den Ermittlern "als Zeuge", teilte die Polizei mit. Zuvor waren die Behörden von zwei Angreifern ausgegangen.

Nach dem Anschlag auf eine Moschee in Quebec geht die kanadische Polizei inzwischen von der Tat eines Einzelnen aus. Von den zwei nach dem Angriff Festgenommenen werde ein Mann marokkanischer Herkunft nun als Zeuge betrachtet. Zuvor waren die Behörden von zwei bewaffneten Angreifern ausgegangen.

Einer der beiden Männer war unmittelbar nach dem Angriff am Sonntagabend noch am Tatort festgenommen worden, der zweite rief wenig später von seinem Auto aus den Notruf, um sich zu stellen, wie die Polizei auf einer Pressekonferenz mitteilte. Über das Motiv gibt es bislang keine Angaben.

Motiv unklar

Wie die Polizei aber bereits zuvor mitgeteilt hatte, eröffnete der Täter während des Abendgebets das Feuer in dem Gotteshaus. Zum Tatzeitpunkt waren mehr als 50 Menschen in der Moschee.

Die Motive für den Angriff sind noch nicht klar. Laut dem Sender TVA Nouvelles wies der Vorsitzende der betroffenen Gemeinde aber darauf hin, dass seine Moschee in der Vergangenheit mehrfach Ziel von Angriffen gewesen sei. Neben Wandschmierereien sei einmal ein abgetrennter Schweinekopf vor der Moschee abgelegt worden.

"Terror gegen Muslime"

Der kanadische Regierungschef Justin Trudeau erklärte in einer ersten Reaktion, er sei schockiert und habe mit Trauer und Wut von dem Terroranschlag erfahren. Solche sinnlose Gewalt sei herzzerreißend. Muslimische Kanadier gehörten zu dem Land, so Trudeau weiter. Erst am Samstag hatte er Kanada ausdrücklich als ein Flüchtlingen weiterhin offenstehendes Land bezeichnet - als Reaktion auf Donald Trumps Einreisestopp für Menschen aus einigen muslimischen Ländern. Trudeau will noch im Laufe des Tages nach Québec reisen.

Philippe Couillard @phcouillard
Le #Québec rejette catégoriquement cette violence barbare. Toute notre solidarité aux proches des victimes, des blessés et à leur famille.

Der Regierungschef der Provinz Québec, Philippe Couillard, sprach den Opfern und Angehörigen sein Beileid aus. Auf Twitter rief er nach der Bluttat zur geschlossenen Ablehnung von Gewalt und Solidarität mit Muslimen auf. Gleichzeitig seien die Behörden darum bemüht, die Sicherheit der Bürger zu schützen. Der Bürgermeister der Stadt Québec, Régis Labeaume, wirkte ebenfalls sichtlich erschüttert. "Keine Person sollte mit ihrem Leben für ihre Rasse, ihre Farbe, ihre sexuelle Orientierung oder ihren religiösen Glauben bezahlen müssen", sagte Labeaume.

Mit Informationen von Kai Clement, ARD-Studio New York

Über dieses Thema berichtete tagesschau am 30. Januar 2017 um 12:00 Uhr.

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