Andrew Puzder | Bildquelle: REUTERS

Neue US-Regierung Weiterer Trump-Kandidat gibt auf

Stand: 16.02.2017 07:25 Uhr

Einen Tag nach dem Rücktritt seines Nationalen Sicherheitsberaters eine weitere Schlappe für US-Präsident Trump: Nach dem Widerstand mehrerer republikanischer Senatoren gibt der designierte Arbeitsminister Puzder auf.

Von Martin Ganslmeier, ARD-Studio Washington

Für US-Präsident Donald Trump läuft es derzeit nicht rund. Eigentlich wollte er "regieren, dass den Amerikanern schwindelig" wird. Doch für Schwindelgefühle sorgt derzeit vor allem das Chaos im Weißen Haus.

"Von den Medien unfair behandelt"

US-Präsident Donald Trump | Bildquelle: AFP
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Donald Trump muss eine weitere Niederlage einstecken.

Nachdem sein Sprecher am Dienstag betonte, Trump habe seinen Nationalen Sicherheitsberater Michael Flynn wegen fehlenden Vertrauens zum Rücktritt aufgefordert, lobte Trump diesen am Mittwoch in höchsten Tönen und gab den Medien die Schuld: "General Flynn ist ein wunderbarer Mann. Er wurde von den Medien sehr unfair behandelt. Viele von ihnen nenne ich 'gefälschte Medien'."

Trump wusste seit dem 26. Januar, dass Flynn falsche Angaben über seine Telefonate mit dem Russischen Botschafter gemacht hatte - auch gegenüber Vizepräsident Mike Pence. Dass Trump seinen Vize zwei Wochen lang im Unklaren ließ, soll Pence Medienberichten zufolge zutiefst verärgert haben.

Die Flitterwochen sind vorbei

Auch im republikanisch geführten Senat scheinen die Flitterwochen für Trump vorbei zu sein. Nicht nur die Demokraten, auch immer mehr Republikaner fordern Aufklärung über Trumps Russland-Kontakte. Und im Laufe des Mittwoch kam dann auch noch das Aus für Trumps designierten Arbeitsminister Andrew Puzder, nachdem ihm immer mehr Republikaner die Zustimmung verweigern wollten.

Der Multi-Millionär und Chef einer Fast-Food-Kette hatte jahrelang eine Einwanderin ohne Arbeitserlaubnis schwarz als Haushaltshilfe beschäftigt. Kein gutes Vorbild, beklagte die republikanische Senatorin Susan Collins: "Es wäre schon gut, wenn sich der Kandidat für das Amt des Arbeitsministers auch selbst an die Gesetze gehalten hätte, für die er demnächst verantwortlich ist."

Gewalt im Hause Puzder?

Das Fass zum Überlaufen brachte ein 27 Jahre altes Interview aus der "Oprah Winfrey Show", in dem Puzders Ex-Frau über häusliche Gewalt ihres Mannes berichtete. Auch wenn sie die Vorwürfe später zurücknahm, äußerten sich Experten entsetzt, dass der Trump-Regierung offensichtlich unklar war, wie angreifbar der designierte Arbeitsminister war. Angesichts der drohenden Niederlage im Senat verzichtete Puzder nun auf das Amt.

Gewerkschaften und Demokraten feierten dies als Sieg. Schließlich habe Puzder als Unternehmenschef höhere Mindestlöhne abgelehnt und sich oft geweigert, Überstunden zu vergüten. Für Harvard-Professor David Gergen, der für Reagan und Clinton im West Wing tätig war, zeigt all dies, dass im Weißen Haus die ordnende Hand fehlt: "Das Weiße Haus ist nicht gut genug organisiert. Was tun die erst, wenn es eine echte Provokation von außen gibt? Sind sie dann zu einer gut organisierten, durchdachten Antwort fähig?" Experten sind sich sicher, dass nicht nur Nordkorea, sondern auch andere feindlich gesinnte Länder den neuen US-Präsidenten testen wollen.

Trumps Wunsch-Arbeitsminister gibt auf
M. Ganslmeier, ARD Washington
16.02.2017 06:54 Uhr

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Dieser Beitrag lief am 16. Februar 2017 um 06:25 Uhr auf Inforadio.

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