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Russlands Präsident wird 60

"Ich wünsche Putin, dass er in Pension geht"

Russlands Präsident Wladimir Putin hat sicherlich schon Geburtstage erlebt, an denen ihm mehr Sympathie zuteil wurde als zu seinem Sechzigsten. Seit den von Fälschungsvorwürfen überschatteten Wahlen regt sich immer mehr Widerstand gegen ihn. Doch statt Reformen umzusetzen, zieht Putin die Daumenschrauben an: Das gilt für die Verschärfung des Demonstrationsrechts ebenso wie für die Einschränkung der Meinungsfreiheit oder Gesetze, die Nichtregierungsorganisationen das Leben schwer machen.

Von Stephan Laack, ARD-Hörfunkstudio Moskau

Der Ruf nach mehr Demokratie und Veränderungen in Russland wird immer lauter. Teilweise auch greller und kompromissloser, wie etwa im Fall der inhaftierten Punk-Band Pussy Riot. Doch auch ganz normale Bürger gehen zunehmend auf Distanz. Auf die Frage, was er Putin zum Geburtstag wünsche, meinte der 56-jährige Moskauer Rinat: "Ich wünsche ihm, dass er in Pension geht, und zwar so früh wie möglich. Einfach deshalb, weil ich die Nase voll von ihm habe. Es reicht", sagte Rinat. "In der Anfangszeit war er wichtig, er war mächtig. Aber nun ist seine Zeit vorbei, er hat sich überlebt", fügte er hinzu. "Wir warten auf neue Protagonisten in der Politik. Es ärgert mich, dass unser Land langsam ins Nichts abgleitet."

Nicht nur gut gemeinte Glückwünsche
S. Laack, ARD Moskau
07.10.2012 10:18 Uhr

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Willfährige Justiz beseitigt Putins Widersacher

Die einen verbinden mit Putin Stagnation - für die anderen ist er Garant für Stabilität. Nach den Wirren der neunziger Jahre erlebte Russland unter Putin auch dank steigender Öl- und Gaspreise eine lang anhaltende Phase des wirtschaftlichen und sozialen Aufschwungs. Dem Kreml sicherte Putin direkten Zugriff auf die Energieressourcen des Landes. Mit aller Härte ging er mit Hilfe einer willfährigen Justiz gegen persönliche Widersacher vor, beispielsweise den einst reichsten Mann Russlands, Michail Chodorkowski, der bis heute auf Grund zweifelhafter Gerichtsverfahren in Haft sitzt.

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Wladimir Putin: Ein Mann der Tat

Wladimir Putin bei einem Motorradfestival am Schwarzen Meer

Russlands Präsident Putin inszeniert sich gern als kerniger Macho - hier bei einem Biker-Treffen am Schwarzen Meer. (Foto: dpa)

Für viele bleibt Putin immer der kaltherzige KGB-Agent

Ein dunkle Seite Putins ist auch das Vorgehen Russlands gegen separatistische Bewegungen im Nordkaukasus. Der zweite Tschetschenien-Krieg wurde mit aller Härte und unter Inkaufnahme vieler ziviler Opfer geführt. Die Journalistin Anna Politkowskaja hatte Gräueltaten und Menschenrechtsverletzungen in der Region aufgedeckt. Als sie vor sechs Jahren an Putins Geburtstag ermordet wurde, kommentierte der zynisch: "Der grausame Mord an dieser Frau hat Russland und der amtierenden Macht größeren Schaden zugefügt als dies ihre Veröffentlichungen erreicht hätten." Es ist wahrscheinlich diese Kaltherzigkeit, Putins Machtinstinkt gepaart mit einem großen Misstrauen gegenüber demokratischen und liberalen Einstellungen, weshalb er für viele immer der ehemalige KGB-Agent bleiben wird.

Inszenierungen von höchstem Unterhaltungswert

Immerhin: seine publikumswirksamen Auftritte, die ihn mal am Steuerknüppel eines Kampfjets oder eines Formel-1-Rennwagens zeigen und dann wieder ins Tierreich führen, haben höchsten Unterhaltungswert. Erst kürzlich versuchte Putin, in einem motorisierten Gleitschirm seltene Nonnenkraniche auf den Flug in ihr Winterquartier vorzubereiten. Putin ganz in weiß gekleidet flog vorneweg, die Vögel begleiteten ihn eine Weile.

Putin als Alpha-Kranich
06.09.2012, Udo Lielischkies, ARD Moskau

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Dem Alpha-Tier Putin war danach die Begeisterung deutlich anzumerken: "Sie haben sich an die Situation gewöhnt und hatten keine Angst," schwärmte Putin von den Kranichen. "Sie kommen ganz nah an den Schirm - von links, von rechts, von oben. Brave, schöne Gesellen, sehr sympathisch."

"Wir sind nicht deine Kraniche"

Für Putins Kritiker war dessen Flug natürlich eine Steilvorlage. Prompt waren Mitte September auf einer Großdemonstration gegen den Präsidenten Plakate zu sehen mit der Aufschrift: "Putin - wir sind nicht deine Kraniche." Während ein Teil der Bevölkerung beginnt, sich von dem  starken Mann in Russland zu emanzipieren, stehen die meisten Medien unverändert unter Kontrolle. So war es russischen Nachrichtenagenturen eine Eilmeldung wert, dass Putin seinen 60. Geburtstag im Kreise der Familie verbringen wolle. Herzlichen Glückwunsch!

Stand: 07.10.2012 12:18 Uhr

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