Snowden beantragt Asyl in Russland

Snowden

Flucht des US-Geheimdienstexperten

Snowden beantragt Asyl in Russland

Der flüchtige frühere US-Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden hat in Russland politisches Asyl beantragt. Der von den US-Behörden wegen Spionage per Haftbefehl gesuchte 30-Jährige habe sein Gesuch einem Vertreter Russlands im Transitbereich des Moskauer Flughafens Scheremetjewo übergeben, teilte die Konsularabteilung des russischen Außenministeriums auf dem Moskauer Flughafen Scheremetjewo mit, wie die Agentur Interfax meldete.

Die britische Journalistin Sarah Harrison, die Snowden auf der Flucht begleitet, habe ein entsprechendes Gesuch am Sonntagabend übergeben, sagte der diensthabende Konsul Kim Schewtschenko. Er habe den Antrag des Amerikaners per Kurier an das russische Außenministerium weitergeleitet.

Udo Lielischkies, ARD Moskau, zur aktuellen Situation um Edward Snowden
tagesthemen 22:15 Uhr, 01.07.2013

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Putin stellt Bedingung

Kurz bevor der Asylantrag Snowdens bekannt wurde, hatte Russlands Präsident Wladimir Putin dem früheren US-Geheimdienstexperten angeboten, in Russland zu bleiben. Dafür gebe es nur "eine Bedingung", sagte Putin. "Er sollte mit seiner Arbeit aufhören, die dagegen gerichtet ist, unseren amerikanischen Partnern Schaden zuzufügen - so merkwürdig sich das aus meinem Mund auch anhören mag", sagte Putin. Offenkundig setze Snowden seine Enthüllungsarbeit fort.

Der russische Präsident Wladimir Putin. (Bildquelle: AP/dpa)
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Putin stellt Snowden Asyl in Russland in Aussicht - unter Bedingungen.

Snowden besitzt kein russisches Visum. Die USA, die den Pass des 30-Jährigen annulliert hatten, verlangen mit Nachdruck seine Auslieferung. Putin lehnte dies erneut ab: "Russland liefert niemals niemanden nirgendwohin aus und plant dies auch nicht."

Putin gab jedoch zu verstehen, dass er einen anderen Ausgang der Affäre für wahrscheinlich hält. Snowden betrachte sich als "Verteidiger der Menschenrechte". Daher habe er "offenbar nicht die Absicht", das Aufdecken von Geheimnissen einzustellen. Aus diesem Grunde werde Snowden genötigt sein, "ein Land auszuwählen, in das er gehen will". Putin verglich Snowden mit dem berühmten sowjetischen Dissidenten Andrej Sacharow.

Russland und USA wollen offenbar gemeinsame Lösung

Auch auf Ebene der Geheimdienste wird offenbar nach einer Lösung im Fall Snowden gesucht. Nach Ansicht des Vorsitzenden des russischen Nationalen Sicherheitsrates, Nikolai Patruschew, sollten die Bundespolizei FBI und der russische Inlandsgeheimdienst FSB gemeinsam eine Lösung anstreben. US-Präsident Barack Obama und sein russischer Kollege Putin hätten FSB-Direktor Alexander Bortnikow und FBI-Chef Robert Mueller angewiesen, "in ständigem Kontakt zu stehen und Lösungen zu finden", sagte Patruschew dem Fernsehsender Rossia 24.

Präsident Putin bietet Snowden Asyl an
tagesschau 20:00 Uhr, 01.07.2013, Ina Ruck, ARD Moskau

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Per US-Haftbefehl gesucht

Um den 30-jährigen Snowden, der von den US-Behörden wegen Spionage per Haftbefehl gesucht wird, gibt es derzeit ein internationales Tauziehen. Snowden hatte vor einigen Wochen groß angelegte Ausspähprogramme von Geheimdiensten in den USA und Großbritannien publik gemacht.

Seit seiner Flucht aus Hongkong vor einer Woche sitzt Snowden in der Transitzone eines Moskauer Flughafens fest. Ecuador, das Snowden zunächst als Zufluchtsort im Blick hatte, äußert sich inzwischen verhalten über den Asylantrag des 30-Jährigen. Nach einem Bericht der "Los Angeles Times" beantragte Snowden Asyl in insgesamt 15 Ländern.

Stand: 01.07.2013 20:48 Uhr

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