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Angst vor Gefängnisstrafe
Zwei Mitglieder von "Pussy Riot" aus Russland geflohen
Aus Furcht vor der russischen Justiz sind zwei Mitglieder der regierungskritischen Punkband "Pussy Riot" offenbar ins Ausland geflohen. Die Gruppe teilte über den Kurznachrichtendienst Twitter mit, zwei Aktivisten hätten Russland verlassen und wollten "ausländische Feministinnen rekrutieren, um neue Protestaktionen vorzubereiten". Die russische Polizei hatte in der vergangenen Woche eine Fahndung nach weiteren Bandmitgliedern eingeleitet.
Der Ehemann einer der verurteilten Musikerinnen bestätigte, dass die anderen beiden "an einem sicheren Ort außerhalb der Reichweite der russischen Polizei" seien. Das betreffende Land habe mit Russland kein Abkommen zur Überstellung.
Drei Jahre Lagerhaft
Den beiden Frauen droht in Russland ebenfalls eine Gefängnisstrafe wegen "Rowdytums aus religiösem Hass". Sie sollen gemeinsam mit ihren drei verurteilten Mitstreiterinnen im Februar in der Moskauer Erlöserkathedrale ein Punkgebet gegen Putin aufgeführt haben. Nadeschda Tolokonnikowa, Maria Aljochina und Jekaterina Samuzewitsch waren vor kurzem zu je zwei Jahren Lagerhaft verurteilt worden. Zwei Tage später hatte die russische Polizei erklärt, sie fahnde nach den zwei übrigen Bandmitgliedern. Das Urteil gegen "Pussy Riot" rief international Kritik hervor.
"Pussy Riot": Proteste gegen das Urteil
Moskau, Berlin, Sofia, London, New York und Sydney: Weltweite Proteste gegen das Urteil (17.08.2012)
Angesichts der Flucht der beiden Frauen aus Russland forderte der Grünen-Politiker Volker Beck, dass Deutschland ihnen humanitäre Aufnahme anbietet. Dies sei wichtig für ihren Schutz und ein starkes Signal an die demokratische Opposition in Russland, erklärte der menschenrechtspolitische Sprecher seiner Partei.
Weitere Proteste, weitere Festnahmen
Derweil ging die Polizei in Russland weiter gegen Sympathisanten der Gruppe vor. Bei einer nicht genehmigten Demonstration in Moskau wurden mindestens sechs Unterstützer der Band festgenommen. Die Teilnehmer hätten nach dem Vorbild von "Pussy Riot" bunte Sturmhauben getragen, sagte ein Behördensprecher nach Angaben der Agentur Interfax.
Am Samstag war der russische Oppositionelle und frühere Schachweltmeister Garri Kasparow vom Vorwurf freigesprochen worden, während des Prozesses gegen "Pussy Riot" einen illegalen Protest organisiert zu haben. Ein Moskauer Gericht sah nicht genügend Beweise für einen Verstoß gegen das Demonstrationsrecht. Kasparow hatten in dem Verfahren eine hohe Geldstrafe oder bis zu 15 Tage Gefängnis gedroht, nachdem das Demonstrationsrecht in Russland vor kurzem deutlich verschärft worden war.
Stand: 26.08.2012 20:01 Uhr
