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Reaktionen auf das Urteil gegen "Pussy Riot"

Nach dem Prozess ist vor dem Prozess

Hat sich die Staatsmacht bei ihrem Vorgehen gegen die Punkband "Pussy Riot" verschätzt? Nicht nur bekannte Oppositionelle kritisieren in Russland das Urteil gegen die drei Musikerinnen. Allein die Partei von Präsident Putin bejubelt den Schuldspruch. Und schon droht weiteren Oppositionellen der Prozess.

Von Stephan Laack, ARD-Hörfunkstudio Moskau

Die Verurteilung der drei Mitglieder der russischen Punkband "Pussy Riot" zu zwei Jahren Haft hat in Russland teils heftige Kritik ausgelöst. Ex-Finanzminister Alexej Kudrin sorgt sich um den Ruf seines Landes. Es hätte gereicht, die Frauen zu einer geringen Geldstrafe zu verurteilen, sagte er. Wegen der unangemessenen Haftstrafe gebe es nun einen riesigen Imageverlust. Dies könne sich negativ auf das Investitionsklima in Russland auswirken.

Der Menschenrechtsbeauftragte der russischen Regierung, Wladimir Lukin, hält das Urteil ebenfalls für ungerecht. "Pussy Riot" hätten kein Verbrechen begangen, sondern ein schweres Vergehen. Das Strafrecht hätte in diesem Fall nicht angewendet werden dürfen. Er empfahl den Anwälten von "Pussy Riot", das Urteil anzufechten. Diese hatten bereits angekündigt, in Berufung zu gehen.

Kritik am Urteil gegen "Pussy Riot"
S. Laack, ARD Moskau
18.08.2012 12:42 Uhr

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Gute Chancen für eine Abmilderung der Strafe sieht der Leiter des Präsidentenrats für Menschenrechte, Michail Fedotow. Er hatte den Schuldspruch als gefährlichen Präzedenzfall bezeichnet. Wesentlich deutlicher äußerte sich der bekannte Blogger und Regierungskritiker Alexej Nawalny. Er war gestern bei der Urteilsverkündung im Gerichtssaal und hatte danach gesagt, es sei dort wie bei der Inquisition zugegangen. Das Urteil sei eine politische Abrechnung und demonstrative Vernichtung des Rechts.

Genugtuung und Zufriedenheit hingegen bei der Regierungspartei "Geeintes Russland". Das Strafmaß sei absolut angemessen und eine Warnung an "Liebhaber von provokanten Aktionen und Happenings". Dies dürfte Kritiker darin bestätigen, dass an "Pussy Riot" ein Exempel statuiert werden sollte, um so Oppositionelle und Regierungskritiker einzuschüchtern.

Breite Kritik an Urteil gegen Punkband
tagesschau 20:00 Uhr, 18.08.2012, Georg Restle, ARD Moskau

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Gestern hatte es im Umfeld des Gerichtsgebäudes Proteste mehrerer hundert Anhänger von "Pussy Riot" gegeben. Lautstark hatten sie die Freilassung der Frauen gefordert. Auch einige Gegner der Punkband waren vor Ort. Fast hundert Menschen wurden von der Polizei festgenommen, darunter der bekannte Oppositionspolitiker Sergej Udalzow und Ex-Schachweltmeister Gari Kasparow.

Die meisten der Festgenommenen seien in der Zwischenzeit wieder freigelassen worden, berichten russische Medien. Für Kasparow könnte das Ganze jedoch ein Nachspiel haben. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Kreml-Kritiker vor, einen Beamten gebissen zu haben. Ihm drohen nun bis zu fünf Jahre Haft. Kasparow wies die Anschuldigungen umgehend zurück.

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"Pussy Riot": Proteste gegen das Urteil

Moskau, Berlin, Sofia, London, New York und Sydney: Weltweite Proteste gegen das Urteil (17.08.2012)

Proteste gegen das Moskauer Urteil: Moskau

Vom Balkon eines Gebäudes in der Nähe des Moskauer Gerichts, das das Urteil gegen die russische Punkband "Pussy Riot" gesprochen hat, schwingt eine Frau eine Flagge mit dem Symbol der Frauenbewegung. Die drei Musikerinnen wurden zu zwei Jahren Haft verurteilt. (Foto: dapd)

Stand: 18.08.2012 13:02 Uhr

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