Carles Puigdemont | Bildquelle: AP

Anhörung in Brüssel Puigdemont erstmals vor Gericht

Stand: 17.11.2017 05:51 Uhr

Wird der abgesetzte katalanische Regionalpräsident nach Spanien ausgeliefert? Puigdemont wird dazu erstmals von einem belgischen Gericht angehört. Von Brüssel aus versucht er weiter Einfluss auf die Politik zu Hause zu nehmen. Mit wechselndem Erfolg.

Von Nicholas Buschschlüter, ARD-Studio Madrid

Rund 1200 Kilometer liegen zwischen Brüssel und Katalonien, nicht gerade wenig. Carles Puigdemont tut trotzdem alles, um in seiner katalanischen Heimat so präsent wie möglich zu sein. Tweets, Videobotschaften, Zeitungsinterviews und Pressekonferenzen in Brüssel gehören zum Standard-Repertoire des Medien-Profis - und natürlich die Überspitzung, denn die garantiert ihm zumindest in Katalonien Schlagzeilen.

Die EU sei eine Karikatur geworden, mahnte Puigdemont kürzlich. "In den Händen dieser Leute, die die fundamentalen Werte der EU zerstört haben, ist doch klar, dass die uns bei der politischen Lösung unseres Konflikts nicht helfen wollen."

Demo für katalanische Politiker in Belgien | Bildquelle: REUTERS
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Auch in Brüssel hat Puigdemont Unterstützer - hier bei einer Demo am 12. November.

Luftbrücke zwischen Barcelona und Brüssel

Zu Puigdemonts allgegenwärtiger Medienpräsenz in Spanien trägt auch die Quasi-Luftbrücke zwischen Brüssel und Barcelona bei. Kaum ein Tag, an dem er nicht von Getreuen aus der Heimat besucht wird. Bürgermeister, Parteifreunde und ehemalige Koalitionspartner fliegen Richtung EU-Hauptstadt, um vom Ex-Präsidenten im Exil empfangen zu werden. Die Botschaft für die Katalanen zuhause: Puigdemont geht in Brüssel seinen Amtsgeschäften nach, als hätte es die Entmachtung nicht gegeben.

Der Chef der liberalen Partei in Spanien, Albert Rivera, fühlt sich im falschen Film. "Es reicht, Herr Puigdemont. Kommen sie endlich wieder und stellen sie sich! Kommen sie endlich zurück aus dieser Parallelwelt, in der sie noch immer Präsident einer Republik sind", sagte er.

Bisherige Koalitionspartner wenden sich ab

Doch das allmähliche Bröckeln der Unabhängigkeitsfront hätte Puigdemont vermutlich auch nicht aufhalten können, wäre er in Barcelona geblieben. Sein bisheriger Koalitionspartner, die republikanische Linke (ERC), will keine gemeinsame Wahlliste mehr mit Puigdemont, auch weil sie in Umfragen besser abschneidet als die Partei des ehemaligen Regionalpräsidenten. Ebenso kandidiert die Ex-Parlamentspräsidentin Carme Forcadell lieber für die ERC. Es wird also keine gemeinsame Separatistenfront bei den Wahlen am 21. Dezember geben.

Spaniens Ministerpräsident Mariano Rajoy | Bildquelle: AFP
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Erbitterter Gegner Puigdemonts: Ministerpräsident Rajoy

Dafür schlägt Puigdemont die nächste Volte. Er sei offen für andere Alternativen als Unabhängigkeit, teilte er plötzlich mit. Das sage er schon seit 30 Jahren, beteuert Puigdemont und erntet dafür Unverständnis von seinem politischen Erzfeind, dem spanischen Ministerpräsidenten Mariano Rajoy.

Nur auf Unabhängigkeits-Demonstrationen ist die Glaubwürdigkeit des geschassten Regionalpräsidenten scheinbar noch intakt. Flucht vor der spanischen Justiz nach Belgien? Mitnichten, hört man da, alles Taktik. Im Gefängnis würde Puigdemont der Sache nichts nützen, findet die Demonstrantin Katalanin Maribel. So platziere er das Thema aber in Europa.

Puigdemont: Weit weg von Spanien, aber trotzdem irgendwie da
Nicolas Buschschlüter, ARD Madrid
16.11.2017 22:27 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 17. November 2017 um 06:00 Uhr.

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