Eine mit Trümmern übersäte Straße in Puerto Rico | Bildquelle: AP

Puerto Rico nach dem Hurrikan "Wir sind US-Bürger"

Stand: 27.09.2017 07:24 Uhr

Auch Tage nach Hurrikan "Maria" gibt es in Puerto Rico weder Strom noch Trinkwasser. Viele Bewohner haben das Gefühl, dass sie nicht die gleiche Hilfe erhalten, wie Sturmopfer in Texas oder Florida. Nun will die Armee mehr tun: Aus bisher 2500 könnten schon bald 5000 Soldaten werden, gab das Pentagon bekannt.

Von Torsten Teichmann, ARD-Studio Washington

In der Kleinstadt Canovanas ist ein Tankwagen mit Wasser angekommen. Die Hälfte der Bewohner von Puerto Rico hat seit Hurrikan "Maria" kein Wasser mehr. Auf Fernsehbildern ist zu sehen, wie Familien Eimer und Plastikcontainer füllen. Es sei etwas unübersichtlich, sagt Juan Cruz. "Das ist der erste Tankwagen, den ich in der Gegend gesehen habe. Der erste. Deshalb sind hier alle etwas aus dem Häuschen. Jeder versucht, Wasser zu bekommen, um zu überleben. Die Bäder sind verdreckt und wir haben nichts zum Kochen."

In Puerto Rico entwickelt sich die Lage für die 3,4 Millionen Einwohner eine Woche nach Wirbelsturm "Maria" zu einer humanitären Katastrophe. Die hoch verschuldete Insel ist kein US-Bundesstaat, gehört aber zu den Vereinigten Staaten.

Ein Feuerwehrmann verteilt Trinkwasser in Puerto Rico. | Bildquelle: REUTERS
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Ein Feuerwehrmann verteilt Trinkwasser in Puerto Rico.

Trump verteidigt sich

US-Präsident Donald Trump wehrt sich gegen den Vorwurf, er habe die Krise nicht genug beachtet. Trump hatte in den vergangenen Tagen einen Streit mit protestierenden American-Football-Spielern per Twitter ausgetragen. Inzwischen kündigte er an, kommende Woche ins Krisengebiet zu fliegen. Er betonte: "Gouverneur Roselló hat gelobt, wie gut wir helfen. Uns ist klar, dass das eine Katastrophe ist. Das Stromnetz war schon vorher in schlechtem Zustand. Aber es war nicht ein Hurrikan, sondern es waren zwei. Der zweite Wirbelsturm traf Puerto Rico als Sturm der Kategorie 5. Ich glaube, so etwas hat niemand zuvor erlebt."

Viele Straßen noch unpassierbar

Noch immer sind viele Straßen nicht passierbar, weil Trümmer und umgeworfene Bäume den Weg versperren. Außerdem stehen die Straßen unter Wasser. Selbst wenn Hilfe die Insel erreicht, fällt es schwer, sie zu verteilen, erklärt Spediteur Jose Luis Ayala: "Es gibt große Sorge, dass Wasser und Lebensmittel ausgehen. Aber glauben Sie mir, wir haben jetzt einige Tausend gut gefüllte Container. Sobald die Straßen es zulassen, liefern wir aus."

Nur zehn Flüge am Tag

Am Flughafen versuchen Hunderte Puerto Ricaner einen der wenigen Plätze zu ergattern. Nur zehn Flüge konnten gestern die Insel verlassen. Es gehe nur langsam voran, sagt Orlando Cordoba von United Airlines: "Wir haben keinen Strom, der Flughafen arbeitet mit Generatoren, das macht alles schwieriger. Wir bitten die Fluggäste um Geduld. Bleiben Sie ruhig."

Das fällt vielen schwer: Lizbet Herrera war zu Besuch in Puerto Rico, als der zweite Wirbelsturm die Insel traf. Jetzt sitzt sie fest. Wenn ihr Mobiltelefon Empfang hat, erhält sie meist schlechte Nachrichten der Fluggesellschaft: "Für Touristen ist es schwer, weil die Hotels schließen. Jetzt ist unser vierter Flug annulliert worden. Sie sagen, sie bekommen uns nicht vor Oktober raus."

Krankenhäuser müssen schließen

Ein Generator zur Stromerzeugung in Puerto Rico. | Bildquelle: REUTERS
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Generatoren wie dieser sind derzeit die einzigen Mittel zur zur Stromerzeugung.

Zudem ist es heiß. Gestern erreichten die Temperaturen bis zu 38 Grad Celsius. Ohne Strom für die Klimaanlagen können Ärzte in Krankenhäusern nicht mehr helfen. Vieles konzentriert sich deshalb auf die größte Klinik in San Juan, sagt Notarzt Juan Nazario. "Die Zahl der Patienten in unserer Notaufnahme wächst, weil andere Krankenhäuser schließen mussten. Zudem versuchen die Menschen aufzuräumen und verletzten sich dabei."

Die US-Marine beorderte ein Lazarettschiff in die Karibik. Die Nationalgarde will aus dem Bundesstaat Georgia täglich bis zu 90 Hilfsflüge organisieren, meldet der Fernsehsender NBC.

"Ich weiß, es kann mehr getan werden"

Alles werde gebraucht, sagt Juan Cruz neben dem Tanklaster mit Trinkwasser in Canovanas: "Helft Puerto Rico noch ein bisschen mehr, denn ich weiß, es kann mehr getan werden. Wir sind US-Bürger, wir sollten gleich behandelt werden."

Bisher hatten Puerto Ricaner das Gefühl, dass sie nicht die gleiche Hilfe erhalten, wie die Menschen in Texas oder Florida.

Dringende Hilfe soll heute Puerto Rico erreichen
Torsten Teichmann, ARD Washington
27.09.2017 07:21 Uhr

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Dieser Beitrag lief am 27. September 2017 um 06:46 Uhr im Deutschlandfunk.

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