Links: Xi und Obama, rechts: Pu und Tger

Kinderbuchfigur in China zensiert Wer hat Angst vor Winnie Puuh?

Stand: 17.07.2017 11:48 Uhr

Er ist verträumt, etwas begriffsstutzig und dennoch voller Weisheit - aber vor allem tut Winnie Puuh keiner Menschenseele etwas zuleide. Dennoch ist die Kinderbuchfigur in China in Ungnade gefallen. Der Grund: Zu viel Ähnlichkeit mit einer bestimmten Person.

Winnie Puuh ist in China nicht mehr wohlgelitten. Der gutmütige Bär aus dem englischen Kinderbuchklassiker wurde in den vergangenen Tagen weitgehend aus sozialen Netzwerken der Volksrepublik verbannt.

Eine offizielle Begründung für die Zensur gegen Puuh gab die chinesische Führung bislang zwar nicht bekannt, der Grund scheint aber beim Staatsoberhaupt selbst zu finden sein: Präsident Xi Jinping war in der Vergangenheit im Internet wiederholt in Montagen abgebildet worden, in denen er die Position des Bären einnahm.

"Ein Wesen von sehr geringem Verstand"

Wenn man nun bedenkt, dass Winnie Puuhs Schöpfer, der Kinderbuchautor A.A. Milne, den honigsüchtigen Bären als ein Wesen "von sehr geringem Verstand" beschrieb, liegt die Vermutung nahe, dass die Montagen bei der chinesischen Führung nicht gut ankamen. Schließlich wacht die Kommunistische Partei in China argwöhnisch darüber, dass die politische Führung nicht ins Lächerliche gezogen wird.

Die Ähnlichkeit zwischen Winnie Puuh und Xi scheint für viele Chinesen schon länger offensichtlich: Bereits 2013 tauchten Bildmontagen, in denen Xi mit Winnie Puuh in Verbindung gebracht wurden, in den sozialen Netzwerken auf: Xi wurde zusammen mit dem damaligen US-Präsidenten Barack Obama bei einem Spaziergang gezeigt, daneben Winnie Puuh in einer fast identischen Pose mit seinem Kompagnon Tigger. Ein Jahr später kam dann eine Montage hinzu, auf der Xi dem japanischen Ministerpräsidenten Shinzo Abe die Hand schüttelt - parallel zu Winnie Puuh und dem trübsinnigen Esel I-Aah.

Jake Lin @DrJakeLin
Apparently #WinnieThePooh just becomes sensitive word in #China because people think Winnie looks like #XiJinping https://t.co/AInbZfuz7B

"Illegaler Inhalt"

Inzwischen wurden im chinesischen Mikrobloggingdienst Weibo Nachrichten mit den Charakteren aus der Geschichte um den einfältigen Bären zwar noch weiterverbreitet, Suchanfragen unter dem chinesischen Namen "Kleiner Bär Winnie" wurden aber mit einem Error-Zeichen beantwortet. Darin enthalten war ein Hinweis, es handle sich um "illegalen Inhalt". Im sozialen Netzwerk WeChat wurden Pu-Sticker aus der offiziellen Sticker-Galerie gelöscht.

Angesichts der jüngsten Zensurmaßnahmen testen viele Mediennutzer die noch verbliebenen Spielräume aus. GIF-Dateien mit Pu wurden bislang noch nicht von der Mühle der Zensur erfasst. "Armer kleiner Bär Winnie", schrieb ein User bei Weibo. "Was hat dieser kleine Honigbär je getan, um andere zu provozieren?"

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 30. März 2017 um 17:35 Uhr.

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