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Bibliotheken und Schwimmbäder müssen schließen, das Gesundheitssystem wird geschröpft: Der Sparkurs der konservativen britischen Regierung hat in London Zehntausende auf die Straße getrieben. Es war der bislang größte Protest gegen die Regierung von Premier Cameron. Vereinzelt kam es zu Ausschreitungen.
Von Stephan Lochner, SWR-Hörfunkkorrespondent London
Großdemonstration mit Festival-Atmosphäre: Der Protestmarsch durch London hat etwas von einem Karnevalsumzug. Musikkapellen spielen, viele Demonstranten haben sich schrill geschminkt und kostümiert. Sie tanzen und sie lachen, obwohl sie in Wahrheit Wut im Bauch haben - Wut auf den radikalen Sparkurs der konservativ-liberaldemokratischen Regierung.
"Keine Kürzungen im Öffentlichen Dienst, ohne Wenn und Aber", rufen die Menschen immer wieder. Und auf den Plakaten steht: "Finger weg vom Gesundheitssystem!" oder "Verschont unsere Renten!"
Eine junge Frau fasst ihre Wut in Worte: "Ich bin wütend auf die Art und Weise, in der die Regierung das durchzieht, und auf das Ausmaß, in dem sie kürzt", sagt sie. "Mir ist schon klar, dass es Kürzungen geben muss, aber sie gehen wirklich extrem vor. Das müsste man sanfter machen. Und sie sollten die Arbeitsplätze der Menschen schützen, die seit langem sehr hart arbeiten."
Es sind Zehntausende, die durch London ziehen. Vorbei am Parlament zur großen Abschlusskundgebung im Hyde Park. Der britische Gewerkschaftsbund spricht von deutlich mehr als hundertausend Teilnehmern, die aus dem ganzen Land angereist sind: Studenten, Lehrer, Krankenschwestern, Feuerwehrleute, Rentner, Familien mit kleinen Kindern. Es ist der größte Protest seit den Demonstrationen gegen den Irak-Krieg im Jahr 2003. Das Motto: "Demo für den anderen Weg!"
Ein Demonstrant rät seiner Regierung: "Eine andere Möglichkeit, mit dem Schuldenproblem umzugehen, wäre, die nötigen Kürzungen über einen viel längeren Zeitraum zu strecken. Ich habe beispielsweise einen Kredit für mein Haus aufgenommen. Das Geld kann ich nicht in einem Rutsch zurüc zahlen, aber über 20 Jahre verteilt kann ich es. Was die Regierung jetzt aber versucht, ist, die Schulden sofort zu begleichen."
[Bildunterschrift: Am Rande der Demonstration kam es zu Ausschreitungen. ]
Die Demonstranten werfen der Regierung vor, mit ihrer strikten Sparpolitik den schwachen Aufschwung in Großbritannien abzuwürgen und Arbeitsplätze zu vernichten. Sie stören sich vor allem daran, dass die Koalition einen massiven Stellenabbau im Öffentlichen Dienst begonnen hat - bei der Polizei, im Gesundheitswesen, bei der Feuerwehr. Das ist verheerend, findet auch Ed Balls, einer der Köpfe der oppositionellen Labour-Partei. "Das Problem ist - und das kapiert die Regierung nicht, - dass es schwer ist, das Defizit abzubauen, solange die Wirtschaft nicht wächst und Arbeitsplätze entstehen. Denn man gerät in einen Teufelskreis aus immer mehr Arbeitslosen und weniger Steuerzahlern. Das ist der falsche Weg."
Die Demo in London verläuft weitgehend friedlich. Kleinere Rangeleien werden von der Londoner Einkaufsmeile Oxford Street gemeldet. Dort werfen Krawallmacher immer wieder mit Glühbirnen und Farbbeuteln auf Polizisten und Schaufenster.
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