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Sie halten Italien für eine Machogesellschaft, in der Frauen diskriminiert werden: Zehntausende Menschen sind landesweit auf die Straße gegangen, um ihrem Ärger Luft zu machen. Ihr Protest richtet sich auch gegen Premier Berlusconi, der gegen Vorwürfe einer Prostituierten-Affäre kämpft.
Von Daniela Stahl, ARD-Hörfunkstudio Rom
"Wann wenn nicht jetzt? Jetzt sofort!" 60.000 Menschen auf der Piazza del Popolo in Rom riefen nach einer Schweigeminute das Motto der Kundgebung, und das nicht nur in der Hauptstadt: Mehr als 200 Städte in Italien und auch im Ausland hatten sich an dem Protest beteiligt, auf den zentralen Plätzen in Rom, Turin, Mailand, Neapel und Palermo kamen am Nachmittag mehrere zehntausend Menschen zusammen, um gegen das System Berlusconi und das Machotum im Land zu demonstrieren.
"Italien ist kein Bordell" oder "Berlusconi, du raubst uns die Würde", war auf Plakaten zu lesen - aber es ging nicht nur darum, den Ministerpräsidenten nach seiner jüngsten Sexaffäre um die Gogotänzerin Ruby zum Rücktritt zu bewegen. Die Organisatoren - Frauenverbände, Gewerkschaften und Prominente - hatten den Protest explizit nicht gegen den Premier gerichtet.
Sie wollen speziell auf die Lage der Frauen in Italien aufmerksam machen, und die ist schwierig. Für die meisten sind Beruf und Familie kaum vereinbar, vor allem Frauen werden beim Berufseinstieg sehr schlecht bezahlt - und bis in Führungspositionen dringt kaum eine vor.
Als Ausweg aus dieser Misere hat Italiens Premierminister für die Frauen folgenden Rat: Sie sollten sich einen reichen Mann suchen. Nicht zuletzt deshalb überlagerte bei den Demonstrationen für ein besseres Frauenbild die Kritik an Berlusconi alles.
Der Ruf "Ora basta! - jetzt reicht's" galt nicht nur der Machogesellschaft sondern eben vor allem Berlusconi. Ob der Protest aber mehr war, als nur eine unterhaltsame Sonntagnachmittags-Veranstaltung, muss sich noch zeigen.
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