In Ramallah verbrennt ein Palästinenser aus Protest eine US-Flagge | Bildquelle: AFP

Nach Trumps Jerusalem-Beschluss Es brodelt im Nahen Osten

Stand: 08.12.2017 04:17 Uhr

Mit seinem historischen Alleingang in der Jerusalem-Frage hat US-Präsident Trump die Nahost-Region in Aufruhr versetzt. Islamisten und Hardliner rufen zu gewaltsamem Widerstand auf. Aus dem Gazastreifen flogen Raketen. Bei Zusammenstößen wurden mehrere Palästinenser verletzt.

Im Nahen Osten wächst der Protest gegen die umstrittene Jerusalem-Entscheidung von US-Präsident Donald Trump. Nach Angaben des israelischen Militärs wurden aus dem Gazastreifen zwei Raketen auf Israel abgefeuert. Sie hätten jedoch das Staatsgebiet nicht erreicht. Im Gegenzug griff die israelische Armee Stützpunkte der radikal-islamischen Hamas im Gazastreifen an.

In den Palästinensergebieten kam es zudem zu gewaltsamen Unruhen. Bei Konfrontationen in Ramallah, Hebron, Bethlehem und am Rande des Gazastreifens wurden nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums mindestens 80 Palästinenser verletzt.

Führt Trumps Jerusalem-Entscheidung zur nächsten Intifada?
tagesthemen 22:15 Uhr, 07.12.2017, Mike Lingenfelser, ARD Tel Aviv

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Die Hamas rief für heute zu einer neuen Intifada - einem Volksaufstand - auf. "Jerusalem wird aus ihrem arabischen, muslimischen Kontext herausgerissen. Wir rufen dazu auf und werden daran arbeiten, dass es eine Intifada gegen die zionistische Besatzung geben wird", sagte Hamas-Chef Ismail Hanija in einer Videobotschaft.

Die libanesische Hisbollah bezeichnete den Widerstand als einzig wirksame Methode, um die Rechte der Palästinenser durchzusetzen. Trumps Entscheidung habe den Verhandlungsweg beseitigt. Ihre "katastrophalen Folgen" würden Sicherheit und Stabilität bedrohen. "Wir sehen uns mit offener Aggression der USA konfrontiert", erklärte der Chef der radikal-islamischen Miliz.

Susanne Glass, ARD Tel Aviv, zur Gefahr einer dritten Intifada
nachtmagazin 00:15 Uhr, 08.12.2017

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Demos in arabischen Ländern

In mehreren arabischen Ländern gab es zudem Demonstrationen. In der jordanischen Hauptstadt Amman zogen hunderte Menschen zur US-Botschaft. Die Demonstranten schwenkten jordanische und palästinensische Fahnen und verbrannten Flaggen der USA und Bilder von Trump. Polizisten stoppten den Protestzug rund 50 Meter vor der Botschaft. Das stark befestigte Botschaftsgelände wurde von Dutzenden Polizeifahrzeugen gesichert.

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Streik und Proteste in den Palästinensergebieten

Teestube in Nablus und Fernsehübertragung der Rede Trumps

Nablus am 6. Dezember: Die Rede von US-Präsident Trump wird in einer Teestube live übertragen. Mit Trump erkennt erstmals ein US-Präsident Jerusalem als Hauptstadt Israels an. | Bildquelle: AP

Protest in Amman | Bildquelle: AFP
galerie

Vor der US-Botschaft in der jordanischen Hauptstadt Amman demonstrierten Hunderte Menschen gegen die Entscheidung von US-Präsident Trump.

In Tunesien gingen ebenfalls tausende Demonstranten auf die Straße. In der Hauptstadt Tunis folgten hunderte Menschen einem Aufruf linksgerichteter Parteien und islamistischer Gruppen. Sie riefen Parolen wie "Wir sind alle Palästinenser" und "Trump sei verflucht". Bis zu 200 Demonstranten versuchten, zur US-Botschaft zu gelangen, sie wurden aber von der Polizei gestoppt. In der zweitgrößten Stadt Sfax gingen rund tausend Menschen auf die Straße. Das tunesische Parlament forderte in einer Entschließung alle arabischen und islamischen Länder auf, ihrer "historischen Verantwortung" gerecht zu werden und die Umsetzung von Trumps Entscheidung zu verhindern. Die Abgeordneten forderten zudem alle Tunesier auf, sich am Freitag an landesweiten Demonstrationen zu beteiligen.

In Jordanien demonstrierten Studenten und Professoren auf dem Campus mehrerer Universitäten und betonten die "arabische und islamische Identität" von Jerusalem. Auch an der amerikanischen Universität in Kairo gab es Demonstrationen und Sympathiebekundungen für Palästina.

Zankapfel Jerusalem

Trump hatte am Mittwoch mit der jahrzehntelangen Nahostpolitik seines Landes gebrochen und Jerusalem offiziell als Hauptstadt Israels anerkannt. Er wies das Außenministerium an, sofort mit den Vorbereitungen für den Umzug der US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem zu beginnen.

Der endgültige Status von Jerusalem ist einer der größten Streitpunkte im Nahost-Konflikt. Die Palästinenser beanspruchen den 1967 von Israel besetzten und 1980 annektierten Ostteil Jerusalems als künftige Hauptstadt ihres angestrebten eigenen Staates. In der internationalen Gemeinschaft herrschte bislang Konsens, dass der Status der Stadt in Friedensgesprächen zwischen Israelis und Palästinensern geklärt werden muss.

Angespannte Ruhe vor dem Freitagsgebet in Jerusalem
Benjamin Hammer, ARD Tel Aviv
08.12.2017 06:40 Uhr

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 07. Dezember 2017 um 16:00 Uhr.

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