Demonstranten in Brasilia | Bildquelle: AFP

Korruptionsaffäre in Brasilien Hunderttausende demonstrieren für Neuwahlen

Stand: 17.08.2015 00:21 Uhr

Hunderttausende Brasilianer haben erneut gegen ihre Regierung protestiert und die Amtsenthebung von Präsidentin Rousseff gefordert. Grund für den Unmut ist vor allem der Korruptionsskandal um den staatlichen Ölkonzern Petrobras in den zahlreiche Politiker verwickelt sind.

Vor dem Hintergrund der ökonomischen Krise und des milliardenschweren Korruptionsskandals in dem Land sind Hunderttausende Brasilianer gegen ihre eigene Regierung auf die Straße gegangen. Die Polizei sprach von mehr als 430.000 Teilnehmern landesweit, die Organisatoren von 704.000 in 136 Städten. Insgesamt waren Kundgebungen in mehr als 200 Städten geplant. Die Demonstranten forderten Neuwahlen und den Rücktritt ihrer Präsidentin.

Bereits im April waren nach Polizeiangaben landesweit 700.000 Menschen gegen die Regierung auf die Straße gegangen, im März waren es sogar 1,7 Millionen Menschen.

Ein Demonstrant hält in Rio de Janiero gegen die brasilianische Präsidentin Rousseff ein Plakat mit der Aufschrift "Fora Dilma" (Dilma raus) in den Händen. | Bildquelle: dpa
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Ein Demonstrant hält in Rio de Janiero gegen die brasilianische Präsidentin Rousseff ein Plakat mit der Aufschrift "Fora Dilma" (Dilma raus) in den Händen.

Korruptionsskandal erschüttert das Land

Die Proteste richten sich gegen gestiegene Lebenshaltungskosten und eine massive Korruptionsaffäre, in die zahlreichen Politiker der regierenden Arbeiterpartei, aber auch anderer Parteien verwickelt sind. Der Skandal erschüttert Politik und Wirtschaft des Landes. So haben von 2004 bis 2014 Dutzende Firmen Schmiergelder an den staatlichen Ölkonzern Petrobras gezahlt, um an lukrative Aufträge zu kommen. Einige Manager wurden bereits zu Haftstrafen verurteilt. Petrobras zahlte ebenfalls Bestechungsgeld, unter anderem an Politiker.

Der Korruptionsskandal führt zu einer politischen Blockade, der den Abschluss eines Sparpakets und die Verabschiedung von Strukturreformen behindert. Die Wirtschaft in Brasilien leidet unter gesunkenen Rohstoffpreisen und schwachem Konsum. Die Bürger wiederum leiden unter steigenden Preisen, da die Inflation innerhalb eines Jahres um 10 Prozent gewachsen ist.

Massenproteste in Brasilien
tagesschau24 10:15 Uhr, 17.08.2015, Jörg Endriss, ARD-aktuell

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66 Prozent der Brasilianer für Ablösung Rousseffs

Rousseff war im vergangenen Oktober mit einer Zustimmung von 51,6 Prozent bis 2018 wiedergewählt worden. Derzeit liegt ihre Zustimmungsrate in Umfragen bei acht Prozent; 66 Prozent der Brasilianer sprechen sich dafür aus, dass Rousseff abgelöst wird.

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