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28.05.2012

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Ausland
Ein Kontrollposten vor dem Innenministerium in Kabul (Foto: dpa)
Nach Koran-Verbrennung in Afghanistan: Blutiger Samstag
Ausschreitungen nach Koran-Verbrennung gehen weiter

Blutiger Samstag in Afghanistan

In Afghanistan gehen die Proteste der Bevölkerung wegen der Koran-Verbrennung durch US-Soldaten unvermindert weiter. Auch im afghanischen Innenministerium fielen Schüsse. Zwei NATO-Soldaten wurden getötet. Daraufhin wurden alle Berater aus Ministerien abgezogen.

Von Sandra Petersmann, ARD-Hörfunkstudio Neu-Delhi

Die radikal-islamischen Taliban haben die Verantwortung für die Schüsse auf die beiden NATO-Soldaten übernommen. Sie sagten der Nachrichtenagentur Reuters, es sei ein Akt der Vergeltung gewesen für die Schändung des Koran.

Die NATO-geführte, internationale Schutztruppe spricht lediglich von einem "Individuum", das seine Waffe auf die beiden ISAF-Soldaten gerichtet habe, die im afghanischen Innenministerium als Militärberater dienten. Es sei jedoch viel zu früh, Rückschlüsse zu ziehen. Sprecher der afghanischen Polizei und des Innenministeriums waren für Stellungnahmen nicht erreichbar, was den Verdacht nährt, dass der Todesschütze aus den eigenen Reihen stammt.

Das Innenministerium im Zentrum Kabuls ist stark gesichert. Wer in den Kommando- und Kontrollbereich vordringen will, muss sich ausweisen können und Sicherheitsschranken passieren.

Vor den tödlichen Schüssen soll es nach afghanischen Angaben zu einem Wortgefecht zwischen Afghanen und den beiden westlichen Militärberatern gekommen sein. Worum es dabei ging, ob die Koran-Verbrennung durch US-Soldaten auf dem Stützpunkt Bagram in dem Streit eine Rolle spielte und wer letztendlich geschossen hat, ist unklar.

Schwere Ausschreitungen wegen Koran-Verbrennung

Unterdessen ist es in anderen Landesteilen erneut zu schweren Ausschreitungen wegen der Koran-Verbrennung gekommen - trotz aller Beteuerungen und Entschuldigungen, dass es keine Absicht, sondern ein Fehler aus Unwissenheit gewesen sei.

Besonders heftige Auseinandersetzungen gab es in Kundus im Norden Afghanistans, wo auch die Bundeswehr ein großes Feldlager hat. Dort griff eine Gruppe von mehr als 1000 wütenden Demonstranten das UN-Gebäude an: "Wir Muslime verteidigen unseren Koran, wir werden es den Ausländern niemals erlauben, den heiligen Islam zu missachten", brüllt ein junger, zorniger Demonstrant in die Mikrofone der Journalisten.  

Die Demonstranten warfen Steine und Brandsätze. Afghanische Polizeieinheiten eröffneten das Feuer. Bei dem Zusammenstoß starben mindestens drei Menschen, rund 50 Weitere sollen verletzt worden sein. Auch aus anderen Provinzen wurden neue Opfer gemeldet.

Audio: Westliche Berater im Innenministerium von Kabul erschossen

AudioSandra Petersmann, ARD-Hörfunkstudio Neu-Delhi 25.02.2012 15:29 | 1'44
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Mischung aus Frust, Wut und Extremismus

In Afghanistan hat sich eine hochexplosive Mischung zusammengebraut - aus verletzten religiösen Gefühlen, aus Wut und Enttäuschung über den Westen und die eigenen Lebensverhältnisse, aus Unwissenheit und mangelnder Bildung und aus radikalem, religiösem Extremismus. Mehr als 30 Menschen haben nach inzwischen fünf Protesttagen ihr Leben verloren.

General John Allen, der Oberbefehlshaber der internationalen Truppen, versucht beruhigend auf die Afghanen und seine eigenen Soldaten einzuwirken. Er hatte am besonders blutigen heiligen Freitag gemeinsam mit dem Chef der afghanischen Armee den US-Stützpunkt in Osten Afghanistan besucht, auf dem ein afghanischer Soldat aus Rache für die Koran-Schändung schon Mitte der Woche zwei amerikanische Soldaten erschossen hatte.

"Es gibt Momente wie diese, in denen ihr euch fragt, welchen Sinn dieser Mission hat und in dem Eure Gefühle nach Rache verlangen. Aber das sind die Momente, in denen Ihr Euch bewusst werdet, dass Ihr disziplinierte Soldaten der US-Armee seid. Wir sind für unsere Freunde hier", appellierte Allen an die Soldaten.

Alle NATO-Berater abgezogen

"Wir sind hier für unsere Partner und für das afghanische Volk. Wir sind heute zusammen hierher gekommen um euch zu sagen, dass wir zusammengehören, dass wir Seite an Seite stehen und dass wir gewinnen werden, wegen Euch." General Allens wiederholten Entschuldigungen sind bei den wütenden Menschen auf der Straße, die von religiösen Extremisten angestachelt werden, nicht angekommen. Als Konsequenz hat er angeordnet, dass alle westlichen NATO-Berater aus den afghanischen Ministerien abgezogen werden.

Stand: 25.02.2012 18:44 Uhr

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