Computer-Techniker verriet US-Spähprogramm

Standbild von Edward Snowden aus einem Video-Interview mit dem

Computer-Techniker verriet US-Geheimdienste

Im Namen der Internet-Freiheit

Über Nacht ist er zu einem der größten Informanten der US-Geschichte geworden: Edward Snowden deckte das gigantische Spähprogramm des NSA auf. Sein Motiv: Die Internet-Freiheit retten. Nun ist seine eigene Freiheit in Gefahr.

Von Sabrina Fritz, SWR-Hörfunkstudio Washington

"Mein Name ist Ed Snowden, ich bin 29 Jahre alt und arbeite für die Beratungsfirma Booz Allen Hamilton auf Hawaii. Ich berate den US-Geheimdienst NSA bei Computer-Problemen." So beginnt eine der größten Enthüllungsgeschichten der vergangenen Jahrzehnte.

Edward Snowden ist ein blasser junger Mann, dünner Bart, Brille. Man kann sich gut vorstellen, dass er viele Jahre seines Lebens vor dem Computer verbracht hat. Über Nacht ist er berühmt geworden als einer der größten Informanten der amerikanischen Geschichte. Er ist derjenige, der die geheimen Dokumente kopiert und weitergegeben hat, die darüber Aufschluss geben, wie der US-Geheimdienst NSA Internetnutzer ausspioniert.

PRISM-Informant Snowden geht an die Öffentlichkeit
S. Fritz, ARD Washington
10.06.2013 03:43 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

"Ich habe nichts Falsches getan"

Warum hat Snowden das getan? "Ich bin nur ein ganz normaler Kerl, der jeden Tag im Büro sitzt und mitgekriegt hat, was passiert. Die Öffentlichkeit soll entscheiden ob diese Programme richtig sind oder nicht", sagte er in einem langen Interview mit der britischen Zeitung "The Guardian", die seine Geschichte veröffentlicht hat.

Standbild von Edward Snowden aus einem Video-Interview mit dem "Guardian" (Bildquelle: AP)
galerie

Edward Snowden in einem Video-Interview mit dem "Guardian" (Standbild)

Snowden fühlt sich nicht als Held. Er sagt, er sieht die Freiheit im Netz in Gefahr, und er möchte nicht in einer Welt leben, in der es keine Privatsphäre mehr gibt. Der Informant hält sich derzeit in Hongkong auf. Er hat seine Freundin und einen gut bezahlten Job auf Hawaii zurückgelassen, um mit seiner Geschichte an die Öffentlichkeit zu gehen. "Ich will mich nicht verstecken, ich habe nichts Falsches getan", sagt er.

Jeden kann es treffen

Snowden wollte Soldat werden. Nach einer Verletzung wechselte er als Computerspezialist zur CIA und zum Geheimdienst NSA. Dort bekam er mit, welche Informationen gesammelt werden - außerhalb der Vereinigten Staaten, aber auch von Amerikanern: "Ich hatte die Möglichkeit, jeden zu überwachen: Sie, einen Bundesrichter, ja sogar den Präsidenten der USA, wenn ich eine persönliche E-Mail von ihm bekommen hätte."

Als Präsident Barack Obama gewählt wurde, hoffte Snowden, dass sich etwas ändern würde. Doch die Geheimdienste saugten immer noch mehr Daten auf. Snowden hält es für gefährlich zu glauben, es könne einem nichts passieren, weil man sich nichts zuschulden kommen lassen hat: "Du musst nichts Falsches getan haben, aber du kannst durch jemanden in Verdacht geraten. Dann durchleuchten sie alles, was du jemals getan hast, jeden Freund, mit dem du diskutiert hast. Auf dieser Basis streuen sie einen Verdacht."

Tina Hassel, ARD Washington, zum PRISM-Skandal
tagesschau 17:00 Uhr, 10.06.2013

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Schützt ihn seine Bekanntheit?

Snowden weiß am besten, was es bedeutet, sich mit der CIA, dem mächtigsten Geheimdienst der Welt anzulegen: "Wenn sie dich wollen, kriegen sie dich irgendwann."

Er hofft, dass ihn seine Bekanntheit jetzt schützen wird. Hongkong hat er gewählt, weil hier die freie Rede und das Internet am besten geschützt sind, sagt er. Er möchte einen Asylantrag für Island stellen. Doch die USA werden ihn nicht einfach laufen lassen. Zwischen Hongkong und den USA besteht ein Auslieferungsabkommen. Die ersten Politiker in Washington fordern, er müsse wegen Spionage angeklagt werden. Das würde mehrere Jahre Haft bedeuten. Dennoch wird sich die Obama-Regierung ihr weiteres Vorgehen genau überlegen. Im Internet wird Snowdon bereits als Held gefeiert, der die Privatsphäre im Netz verteidigt hat.

Stand: 10.06.2013 03:47 Uhr

Darstellung: