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Britische Medien in Aufruhr
Der nackte Prinz und die Pressefreiheit
Das britische Boulevardblatt "The Sun" hat die Nacktfotos von Prinz Harrys Las-Vegas-Sause auf Seite eins abgedruckt - und beruft sich auf die Pressefreiheit. Der Fall könnte vor die britische Ethikkommission kommen, doch dazu müsste sich das Königshaus erstmal beschweren.
Von Barbara Wesel, RBB-Hörfunkstudio London
Wenn er gehofft hatte, dass der Aufruhr um seine Las-Vegas-Nacktfotos schnell vorbei gehen würde - nachdem auch der Zoff mit Vater Charles ausgestanden ist - dann hat sich Prinz Harry furchtbar geirrt. Denn was als Internetsensation begann, als eine US-Klatschwebsite Bilder vom nackten Prinzen beim Strip-Billard zeigte, wächst sich inzwischen zu einer größeren Mediendebatte über die Bedeutung der Pressefreiheit gegenüber dem Recht auf Privatsphäre aus.
"Uns geht es dabei um die Pressefreiheit"
Jetzt hat die Boulevardzeitung "The Sun" trotz einer Warnung des Palastes die Harry-Fotos doch abgedruckt. Am Vortag hatte sie sich mit nachgestellten Bildern eigener Angestellter ohne Hosen beholfen. Inzwischen geht es ums Prinzip, teilte die Zeitung mit. "Uns geht es dabei um die Pressefreiheit", sagte David Dinsmore aus der "Sun"-Chefetage. "Es geht um die absurde Situation, dass ein Bild von Millionen Leuten weltweit im Internet gesehen werden kann, aber nicht in der größten Zeitung des Landes."
Fotos von Prinz Harry lösen Debatte über Pressefreiheit aus
B. Wesel, RBB London
24.08.2012 18:04 Uhr
Jetzt berät die Kommission für Presseethik - ein Selbstregulierungsorgan der Medien - ob sie einschreiten müsse: "Die Meinung des Betroffenen ist hier wichtig, wir müssen also sehen, was die Vertreter von Prinz Harry dazu sagen und ob sie offiziell Beschwerde einlegen wollen", sagt Jonathan Collett, Mitglied der Kommission. Bisher gebe es nur Beschwerden von einzelnen Bürgern.
Die finden Harrys Eskapaden überwiegend nicht so schlimm: "Es geht doch keinen was an, er hat nur Spaß und findet sich im Internet wieder - aber so ist das heute", sagt ein befragter Brite stellvertretend für die Meinung vieler.
Das nächste Problem für die Murdoch-Blätter
Zusätzlichen Schub aber erhält die Geschichte durch den Abhörskandal im Hintergrund: Nach wie vor arbeitet der Leveson-Untersuchungsausschuss an der Aufarbeitung der illegalen Recherchemethoden bei Murdoch-Blättern wie "News of the World". Erste Gerichtsverfahren wurden gerade eröffnet, jetzt fordert mit der Veröffentlichung des nackten Prinzen schon wieder eine Murdoch-Zeitung die Aufseher heraus.
Ein ehemals leitender Redakteur beim eingestellten Schwesterblatt "News of the World" verteidigt die Aktion der "Sun": "Es ist die richtige Entscheidung. Sie wirft Lord Leveson den Fehdehandschuh hin, und sie schafft Probleme für den Palast. Erheben sie jetzt formelle Beschwerde, gehen sie vor Gericht - das wäre ein aufsehenerregendes Verfahren, in dem es um das Gesetz über die Menschenrechte und das Recht auf Privatsphäre geht."
"Es geht nur ums Geld"
Und natürlich ein Fest für die britische Boulevardpresse. Labour-Politiker John Prescott, der zu den Opfern des Murdoch Abhörskandals gehörte, sieht die mutmaßlichen Motive der Zeitungen in diesem Fall eher zynisch: "Es geht nur um Geld. Jemand macht ein Foto und verdient Geld, andere kaufen das Foto und verdienen noch mehr Geld. Es hat nichts mit öffentlichem Interesse gegenüber Privatsphäre zu tun, es geht nur um Profit."
Inzwischen sollen weitere Fotos von der denkwürdigen Nacht in Las Vegas zum Kauf angeboten werden - Prinz Harry dürfte diesen ausgeflippten Abend im amerikanischen Zockerparadies noch verfluchen.
Stand: 24.08.2012 19:01 Uhr
