Presseschau

Presseschau zur Spanien-Wahl "Spanien wird demokratischer werden"

Stand: 21.12.2015 08:29 Uhr

Die Kommentatoren sind sich mit Blick auf das Wahlergebnis in Spanien einig: Die alten Parteien wurden abgestraft. Der Aufstieg der neuen Parteien Podemos und Ciudadanos zeige, dass die junge Generation über das Schicksal des Landes mitbestimmen wolle.

Die "Süddeutsche Zeitung" schreibt: "Ein Großteil der enttäuschten Wähler hat ihre Stimme zwei frischen, jungen Parteien gegeben, der linksalternativen Gruppierung Podemos - 'Wir schaffen das' - und den liberalen Ciudadanos - 'Bürger'. Sie wollen Transparenz durchsetzen, die korrupten Seilschaften auflösen. Vielleicht wird es dem Land vorübergehend an innenpolitischer Stabilität fehlen. Aber es wird demokratischer werden. Der Aufstieg von Podemos und Ciudadanos zeigt, dass die junge Generation ihre Politikverdrossenheit überwunden hat. Sie will über das Schicksal des Landes mitbestimmen."

Die "Westfälischen Nachrichten" aus Münster sind erfreut über die Wahl. "Erfolge von rechtspopulistischen, stark antieuropäischen oder fremdenfeindlichen Parteien gibt es in Spanien trotz der Wechselstimmung nicht. Dies spricht für die Reife der spanischen Demokratie. Doch die spanische Verjüngungskur birgt hohe Risiken. Die Sehnsucht nach Erneuerung darf nicht zur Unregierbarkeit führen."

"Die Politiker werden nun erstmals Kompromissbereitschaft beweisen müssen", sagt die "Neue Osnabrücker Zeitung" voraus. "Auf keinen Fall dürfen sie durch Machtspielchen das zarte Pflänzchen des Wirtschaftswachstums gefährden - sonst drohen Spanien in naher Zukunft nicht nur italienische, sondern griechische Pleite-Verhältnisse."

Und die "Rhein-Neckar-Zeitung" aus Heidelberg fasst zusammen: "Die linke Partei Podemos und die Liberalen haben nun die einmalige Chance, zu zeigen, dass sie wirklich das Land verändern wollen. Haben sie damit Erfolg, werden auch Konservative und Sozialisten um eine Erneuerung nicht umhinkommen."

Die spanische Zeitung "El Pais" meint, "der Wahlausgang bedeutet keine Revolution, wohl aber einen bedeutenden Wandel. Die Spanier verlangen von den Politikern Verhandlungen und Konsens. Sie haben ziemlich genug von der fruchtlosen Politik der Konfrontation. Die Politiker müssen lernen, mit einem System parlamentarischer Minderheiten zurechtzukommen. Zur Regierungsbildung sind schwierige Verhandlungen notwendig. Man kann nur hoffen, dass die Hauptakteure mit konstruktivem Geist daran gehen werden. In den vergangenen vier Jahren gab es praktisch keinen politischen Dialog. Die Parteien müssen Verhandlungen aufnehmen, um die Probleme des Landes zu lösen."

Quelle: Deutschlandfunk

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