Ein Stapel mit verschiedenen Tageszeitungen liegt auf einem Tisch

Internationale Presseschau "Ein Stinkefinger für Renzi"

Stand: 05.12.2016 11:03 Uhr

Das gescheiterte Referendum in Italien stürzt die EU weiter in die Krise, da sind sich die internationalen Medien weitgehend einig: Droht Europa nun ein Problem, das größer als Griechenland ist? Ein Überblick zu den wichtigsten Pressestimmen.

"Italien - das hat auch Mateo Renzi erkannt und danach, wenngleich unglücklich, gehandelt - muss dringend und im großen Stil reformiert werden. Doch nun wurde auf einem im Wesentlichen guten Weg viel Zeit verloren - im besten Fall. Im schlechtesten Fall droht Europa ein Problem, zu dem Griechenland im Vergleich leicht zu managen war", schreibt der "Standard" aus Österreich.

"Ein Stinkefinger für Renzi. Die Eitelkeit und Mehrdeutigkeit des Referendums besiegen den persönlichen Volksentscheid des Ministerpräsidenten", kommentiert die spanische "El Pais".

"Unruhe wird sich intensivieren"

Die britische "Financial Times" erwartet noch mehr Unruhe in der EU: "Bei den Regierungen und auf den Finanzmärkten der EU wird sich angesichts des Debakels Renzis mit Italiens Verfassungsreform die Unruhe wegen des Risikos politischer und finanzieller Instabilität im drittgrößten Land der Eurozone intensivieren." Und "The Times" schreibt: "Der weltweite Backlash gegen das Establishment hat mit einem Ergebnis, dass heute Schockwellen durch die Finanzmärkte und Hauptstädte Europas senden wird, einen weiteren Skalp gefordert."

"Das Ergebnis des Referendums in Italien könnte für die Fünf-Sterne-Bewegung und die Lega Nord zu nichts führen. Es ist klar, dass viele Italiener, die im Referendum mit Nein gestimmt haben, keine der beiden Parteien bei einer Parlamentswahl unterstützen würden, schreibt der "Guardian".

"Durchwursteln ist immer weniger eine Option"

Und in den Niederlanden kommentiert "De Telegraaf": "Das Nein der italienischen Wähler stellt die EU vor ein großes Dilemma. Durchwursteln ist immer weniger eine Option, aber mehr Schlagkraft würde eine weitere politische Integration bedeuten und die können die meisten Regierungschefs daheim nicht verkaufen."

"Das ist ein dicker Strich durch die von Berlin gewollte EU-Reform, bei der eine 'tatkräftige' Regierungspolitik die Erlasse aus der deutschen Hauptstadt auszuführen hätte. Mit dem Brexit und dem italienischen Nein ist dieses Modell an seine Grenzen gestoßen." Und die "Washington Post" schreibt: "Europas bedrängtes politische Establishment hat am Sonntag erneut eine Runde im Kampf gegen die Anti-Eliten-Bewegung verloren."

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 05. Dezember 2016 um 10:00 Uhr.

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