Zeitungen in einem Ständer | Bildquelle: dpa

Presseschau zu Rechtsruck in Frankreich "Die Rechnung ist aufgegangen"

Stand: 07.12.2015 08:22 Uhr

Das Kalkül der Front-National-Chefin Le Pen sei aufgegangen, kommentieren deutsche Tageszeitungen. Sie habe es geschafft, der Partei ein bürgerliches Image zu verpassen und sie damit auch für die Mitte wählbar zu machen. Doch mehr als Feindbilder habe sie immer noch nicht zu bieten.

"Alle Befürchtungen haben sich bewahrheitet", konstatieren die "Aachener Nachrichten": "Frankreich rückt nach dieser Regionalwahl eindeutig nach rechts. Marine Le Pen beweist mit dem Ergebnis, dass sie es im Gegensatz zu ihrem Vater geschafft hat, den Front National für viele Menschen wählbar zu machen. Die rechte Partei profitiert dabei sicher von der aktuellen Terrorangst der Franzosen. Regionale Themen haben diese Wahl kaum bestimmt. Wie sollten sie es auch? Liegen doch die fürchterlichen Attentate von Paris nicht einmal einen Monat zurück. Die Franzosen haben Angst vor dem islamistischen Terror. Vor diesem Hintergrund fruchten Le Pens Parolen."

"Das Kalkül des Front National ist rundum aufgegangen", notiert "Die Rheinpfalz" aus Ludwigshafen. "Ängste schüren und den Verängstigten Schutz durch Abschottung vom Rest der Welt versprechen, nach dieser Devise pflegen die Rechtspopulisten zu verfahren. Das Familienunternehmen Le Pen mit Parteichefin Marine und der aufstrebenden Nichte Marion Maréchal als Leitfiguren konnte es für die Regionalwahlen dabei belassen, die üblichen Beruhigungsmittel zu reichen - Feindbilder, bei deren Anblick Angst in Zorn umschlägt. Auch sie sind hinlänglich bekannt: Einwanderer, Muslime, Europa. Mehr hat es nicht gebraucht - und mehr hat der Front National ja auch nicht zu bieten."

Präsidentschaft wirklich undenkbar?

Die "Badischen Neuesten Nachrichten" schreiben: "Nun scheint die Rechnung der 47-jährigen Parteichefin aufzugehen. Seit Jahren versucht sie, der Partei ein bürgerliches Image zu verpassen. Dabei verzichtet sie auf radikale Formulierungen, für die ihr Vater bekannt ist, der inzwischen ausgeschlossene Parteigründer Jean-Marie Le Pen. Gleichzeitig rückt sie aber nicht von den radikalen Positionen gegen Europa, den Euro, offene Grenzen oder Ausländer ab."

Und der "Mannheimer Morgen" stellt fest: "Aus der Protest- und Randströmung, gegründet vom bekennenden Antisemiten Jean-Marie Le Pen, ist unter seiner Tochter eine Partei der Mitte geworden. Das bedeutet eine neue Etappe für Marine Le Pen, die langfristig anvisiert, Präsidentin Frankreichs zu werden. Ist das wirklich noch undenkbar, wie früher bei ihrem Vater?"

Im "Kölner Stadt-Anzeiger" ist zu lesen: "Mehr als Feindbilder hat der Front National nicht zu bieten. Das Programm der Rechtspopulisten ist nicht dazu angetan, angstbesetzte Probleme zu entschärfen, etwa dem Terror Einhalt zu gebieten oder einen Wirtschaftsaufschwung herbeizuführen. Terroristen werden sich von Schlagbäumen an Frankreichs Grenzen nicht aufhalten lassen. Wenn die propagierte Abschottung etwas bewirkt, dann allenfalls den Ruin der zu 50 Prozent international verflochtenen französischen Wirtschaft."

Die Zeitung "Der neue Tag" aus dem oberpfälzischen Weiden ist besorgt: "Das Erstarken rechtspopulistischer Parteien geht an die Substanz Europas, weil sich der neue Nationalismus schwerlich verträgt mit europäischer Solidarität. Glücklicherweise stehen die nächsten Europawahlen erst im Frühjahr 2019 an. Bis dahin müssen EU-Ratspräsident Donald Tusk, EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und EU-Parlamentspräsident Martin Schulz wieder eine gemeinsame Sprache gefunden haben. Sonst ist die europäische Idee am Ende."

Zusammengestellt vom Deutschlandfunk.

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