Präsidentschaftswahlen in Chile.

Bachelet Favoritin bei Präsidentschaftswahl Wechselstimmung in Chile

Stand: 17.11.2013 21:03 Uhr

In Chile werden 13,5 Millionen Wahlberechtigte voraussichtlich für einen Regierungswechsel stimmen. Die Kandidatin des Mitte-Links-Bündnisses, Bachelet, liegt in allen Umfragen uneinholbar vorn. Sie hatte im Wahlkampf kostenfreie Bildung versprochen.

Von Peer Vorderwülbecke, ARD-Hörfunkstudio Südamerika

Unter den acht Mitbewerbern von Favoritin Michelle Bachelet ist Evelyn Matthei die härteste Konkurrentin, sie stammt aus der konservativen Regierungspartei. Die Bilanz von Präsident Sebastian Piñera, der aufgrund der Verfassung nicht wiedergewählt werden kann, sieht auf den ersten Blick gar nicht so schlecht aus. Die Wirtschaft soll im nächsten Jahr über vier Prozent wachsen, die Arbeitslosigkeit ist extrem niedrig und das Pro-Kopf-Einkommen wächst rasant.

Trotzdem werden die Chilenen voraussichtlich für den Wechsel stimmen. Sie wollen eine sozialere Politik. Die verspricht Favoritin Bachelet: Tausenden von Rentnern seien die Leistungen gekürzt worden. "Wenn wir ein modernes Land sein wollen, dann können wir diese Ungleichheiten nicht zulassen, die eher zu einem extrem unterentwickelten Land passen", sagt Bachelet. "Wir werden kein hohes Wirtschaftswachstum haben und auf der anderen Seite eine soziale Instabilität."

Michelle Bachelet und Evelyn Matthei
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Konkurrentinnen und zugleich alte Sandkastenfreundinnen: Michelle Bachelet (links) und Evelyn Matthei.

Soziale Ungerechtigkeit wichtiges Wahlkampfthema

Die soziale Instabilität spüren die Rentner und die Arbeiter, protestiert wird allerdings hauptsächlich von den Studenten. Seit drei Jahren gehen sie regelmäßig auf die Straße, weil die Studiengebühren in Chile im Verhältnis gesehen die höchsten der Welt sind. Auch in der Bildung zeigt sich also die Ungleichheit: Wer keine reichen Eltern hat, kann sich eine Universität kaum leisten, schon gar nicht eine gute. Aber Bildung ist der einzige Weg, um im modernen Chile den sozialen Aufstieg zu schaffen.

Der Politologe Patricio Navia hält die Bildungsproteste deshalb auch für eine Systemkritik: "Die Reichen erhalten eine sehr gute Bildung, die Armen eine sehr schlechte", erläuert Navia. Danach würden beide Gruppen auf demselben Markt konkurrieren. "Und natürlich gewinnen die Reichen, weil sie eine viel hochwertigere Bildung genossen haben", sagt Navia.

Bachelet hat sich die Forderungen der Studenten zu eigen gemacht. Im Wahlkampf hat sie kostenfreie Bildung versprochen, von der Grundschule bis zur Universität. Allerdings hat sie jetzt schon eingeräumt, dass dieses Projekt allein in ihrer vierjährigen Amtszeit nicht zu stemmen sein wird. Wenn Bachelet nicht die absolute Mehrheit erreicht, dann wird die neue Präsidentin in einer Stichwahl am 15. Dezember gewählt.

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