Der Vorsitzende der österreichischen Partei FPÖ, Heinz-Christian Strache | Bildquelle: dpa

FPÖ-Chef Strache Vom Außenseiter zum Regierungsamt?

Stand: 15.10.2017 18:48 Uhr

FPÖ-Chef Strache hat sich von seiner Neonazi-Vergangenheit distanziert. Seine aktuellen Positionen werten Experten zum Teil dennoch als rechtsextrem. Doch ihm gelang der Wandel vom Außenseiter zum etablierten Politiker, Regierungsamt nicht ausgeschlossen.

Von Srdjan Govedarica, ARD-Studio Wien

Heinz-Christian Strache, den alle nur HC nennen, als Rapper in einem Wahlkampfvideo 2006: "Ich bin HC - ein Volksvertreter, vielleicht sogar Überzeugungstäter. Hier traut sich keiner die Wahrheit zu sagen, darum tue es ich, bitte darf ich's wagen." Schon damals ist seine Botschaft klar: Hier tritt einer an, der sich traut, die Dinge beim Namen zu nennen.

Leise Töne sind Straches Sache nicht: "Was ist ein Minarett? Das ist eben für einen Islamisten ein Siegeszeichen über die Ungläubigen, ein Siegeszeichen über den Westen, ein Siegeszeichen gegenüber dem Abendland, ein Siegeszeichen gegenüber der Demokratie, ein Siegeszeichen gegenüber der Freiheit." 

Rechtsextreme Vergangenheit

HC Strache kommt 1969 im Zentrum Wiens auf die Welt. Er wächst ohne Vater auf, ist zeitweise auf einem Internat, besucht dann die Handelsschule und schließt eine Lehre als Zahntechniker ab. In dieser Zeit gleitet er ins rechtsextreme Milieu ab, wird Mitglied einer deutsch-nationalen Verbindung, samt Säbelduellen und militantem Auftreten. 

"Strache hat eine Vergangenheit, eine Jugend im Neonazismus verbracht, das ist auch so eindeutig belegt und wird auch so von ihm nicht mehr bestritten", sagt Rechtsextremismusforscher Berhard Weidinger vom renommierten Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands.

Strache: Neonazismus als Jugendsünde

Straches rechtsextreme Vergangenheit holt ihn immer wieder ein. 2007 tauchen Fotos auf, die ihn bei Wehrsportübungen mit deutschen Neonazis zeigen. Auch Verbindungen zur verbotenen deutschen Wiking-Jugend und der NPD sind ihm in dieser Zeit nachzuweisen.

Strache distanziert sich von diesen Kontakten, erklärt sie zur Jugendsünde: Er sei damals ein "junger, dummer, vielleicht auch blöder und verspielter Bub" gewesen, erklärt er - und beteuert: "Ich habe, was meine demokratische Gesinnung und  Einstellung betrifft, eine klare Haltung: Ich bin ein aufrechter Demokrat und ich habe nichts mit einer NS-Ideologie zu tun."

Aktuelle Positionen aber weiter teils rechtsextrem

Rechsextremismusforscher Weidinger hält wenig davon, Strache immer wieder mit seiner Vergangenheit zu konfrontieren. Maßgeblicher sei es, die Positionen, die Strache heute vertritt, zu überprüfen: "An denen ist sicher nichts Neonazistisches - aber sehr wohl genug, das es erlaubt, die FPÖ und Strache als rechtsextrem einzuordnen."

Mentor: Haider, Erfolgsrezept: Feindbilder

Strache tritt mit 21 in die FPÖ ein, gilt in der Partei lange Zeit als Nachwuchshoffnung. Sein Mentor ist Jörg Haider, der Vater des österreichischen Rechtspopulismus. 2005 kommt Straches große Stunde, mit 36 Jahren übernimmt er nach dem Parteiaustritt Haiders die Führung der FPÖ und bringt die damals zerstrittene Partei wieder auf Kurs. Straches Erfolgsrezept: Klare Feindbilder und das ständige Spiel mit der Provokation.

Höhenflug durch Flüchtlingspolitik

2015, als die genuinen FPÖ-Themen Migration und Flüchtlinge den öffentlichen Diskurs in Österreich beherrschen, erlebt Strache mit seiner FPÖ einen Höhenflug. Zeitweise führt er in Umfragen und darf sogar auf den Einzug ins Kanzleramt hoffen. Er schafft es sogar auf die Titelseite der "New York Times" und zählt zu den bekanntesten Rechtspopulisten Europas.

Im Wahlkampf 2017 setzt er virtuos die sozialen Netzwerke ein und kann plötzlich auch leise und staatsmännisch: "Wenn wir heute unsere liberale Demokratie schätzen, ja auch die Freiheit, die wir schätzen - dann müssen wir auch bereit sein, unsere Demokratie, unsere Freiheit zu schützen."

HC Strache hat sich im Laufe der Jahre gewandelt: Vom Zahntechniker mit Neonazi-Kontakten zu einem der bekanntesten Rechtspopulisten Europas, vom rappenden Außenseiter zum etablierten Politiker, der mittlerweile ganz selbstverständlich für ein Regierungsamt gehandelt wird.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 16. Oktober 2017 um 09:10 Uhr.

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