Der niederländische Ministerpräsident Mark Rutte bei der Wahlparty seiner liberalen Partei | Bildquelle: AP

Mark Rutte Politiker statt Pianist

Stand: 16.03.2017 16:21 Uhr

Eigentlich wollte Mark Rutte Pianist werden. Daraus wurde aber nichts. Stattdessen macht er jetzt Politik. Außer donnerstagsmorgens.

Von Malte Pieper, ARD-Studio Brüssel.

Ein typischer Mark Rutte: Als er vor einigen Tagen auf dem Weg zu einem Wahlkampftermin ist, kommt er an einer Gruppe Kinder vorbei, die um ein Selfie bitten. Gerade will Rutte das Foto machen, da klingelt das Handy: Die Mutter eines der Jungen ist dran. Ihr Sohn möge sich doch bitte schleunigst nach Hause bewegen.

Rutte lacht und lässt sich das Telefon geben: "Tag, Mama, hier ist Mark Rutte. Sind sie noch dran?" Die Mutter hält das für einen üblen Scherz. Da greift der Ministerpräsident lachend zum letzten Mittel: "Hier ist die Regierung und das ist echt." Das kleine Youtube-Video wird zum Hit in manch einem Klassenzimmer.

"Bin ein fröhlicher Mensch"

Es trifft Mark Rutte ziemlich gut: Stets freundlich, immer verbindlich. "Ich bin halt ein fröhlicher Mensch", sagt der 50-Jährige über sich. Was ihn nicht daran hindert, hart durchzugreifen, wenn er es für opportun hält. So, wie in dieser Woche, als gleich zwei türkische Regierungsmitglieder versuchten, in den Niederlanden Wahlkampf für ihr Referendum zu machen. Rutte lässt schließlich die heimlich per Auto eingereiste Familienministerin kurz vor dem Konsulat in Rotterdam stoppen und zwingt sie, zurück nach Deutschland zu fahren. Die Bilder gehen um die Welt.

"Ich konnte nicht anders", so Rutte. So habe er das auch dem türkischen Ministerpräsidenten gesagt: "Die muss da weg! Das wird sonst ein Chaos. Es gibt schon kleinere Unruhen bei der Gegendemonstration. Wollen sie, dass ihre Ministerin auf einem Abschleppwagen an die deutsche Grenze gebracht wird? Rufen Sie sie an und sagen Sie ihr, sie soll die Autotür aufmachen!"‘

Politiker statt Pianist

Rutte hat ein Leben vor der Politik. 1967 wird er als Nachzügler, als siebtes Kind seiner Eltern, in Den Haag geboren. Einer seiner Brüder stirbt früh an Aids. Rutte will zunächst Pianist werden, als es dafür nicht reicht, steigt er für zehn Jahre beim Lebensmittelriesen Unilever ein.

Erst 2002 wird er Staatssekretär, 2010 Ministerpräsident. Das ist damals eine keine Sensation, denn erstmals seit 1917 konnten die Liberalen wieder stärkste Kraft werden. Rutte führt zunächst eine Minderheitsregierung, lässt sich vom Rechtspopulisten Wilders tolerieren.

Bruch mit Wilders in 2012

Als der ihn aber wegen harter Reformen während der Wirtschafts- und Finanzkrise 2012 hängen lässt, ist das Tischtuch zwischen den beiden zerschnitten. Kurz vor der Wahl erinnert Rutte Wilders an damals und sagt ihm ins Gesicht: "Danach haben Sie immer radikale Forderungen aufgestellt, dass hier weniger Marokkaner leben sollen, dass die Moscheen geschlossen werden sollen, dass sie überall den Koran einsammeln lassen wollen. Mit so einer Partei kann ich nicht zusammenarbeiten. Niemals."

Das kam an. Selbst Wähler der Grünen schwenkten daraufhin zu Rutte um, verhalfen ihm zu dem deutlichen Vorsprung, den er nun gegenüber Wilders hat. Rutte hat jetzt Zeit, ein neues Kabinett zu bilden. Und er wird sie sich nehmen - das hat er durchblicken lassen.

Ehrenamtlicher Lehrer

Wenn dann demnächst die Koalitionsverhandlungen beginnen, ist übrigens weiterhin ein Termin geblockt: Immer donnerstags gibt Rutte morgens ehrenamtlich in einer Den Haager Grundschule Gemeinschaftskundeunterricht. Die meisten Schüler dort haben einen türkischen oder marokkanischen Hintergrund. Sein Credo, das er von deren Eltern auch im Wahlkampf immer verlangt hat, lautet: einfach "normal leben". So wie die anderen Niederländer auch.

Immer fröhlicher Premierminister mit Nebenjob: Mark Rutte
M. Pieper ARD Den Haag
16.03.2017 15:12 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 16. März 2017 um 15:46 Uhr.

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