Beate Klarsfeld im Porträt Unerbittliche Kämpferin gegen Nazi-Unrecht

Stand: 27.02.2012 15:05 Uhr

Bei der Jagd nach Nazi-Verbrechern war sie nicht immer dem Gesetz treu. Beate Klarsfeld schreckte auch vor einer Entführung nicht zurück. Vielen ist sie bekannt, weil sie Bundeskanzler Kiesinger ohrfeigte. Im Ausland wurde sie vielfach geehrt, das Bundesverdienstkreuz blieb ihr jedoch verwehrt.

Von Kerstin Gallmeyer, ARD-Hörfunkstudio Paris

"Mein Name ist Beate Auguste Klarsfeld, ich bin 71 Jahre alt, verheiratet und Mutter von zwei erwachsenen Kindern. Meine Heimatstadt ist Berlin. Der 7. November 1968 war ein wichtiger Tag in meinem Leben. Denn an diesem Tag habe ich hier in Berlin in der Kongresshalle den damaligen Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger geohrfeigt." In einem Fernseh-Interview im Jahr 2010 liest Beate Klarsfeld aus ihrer imaginären Lebensakte vor. Dabei interessieren sie eigentlich, seit sie eine junge Frau war, die Lebensakten anderer Menschen.

Ohrfeige für Kiesinger

Beate Klarsfeld (Archiv, 1.11.2010) | Bildquelle: dpa
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Die Journalistin spürte Nazi-Verbrecher auf und versuchte, sie vor Gericht zu bringen.

Anfang der 60er-Jahre kam Beate Klarsfeld als Au-Pair-Mädchen nach Paris. Bald lernte sie dort ihren späteren Mann Serge kennen, einen Historiker und Rechtsanwalt mit jüdischen Wurzeln. Sein Vater wurde in Auschwitz ermordet. Diese Begegnung war wegweisend für die junge Deutsche.

Schon von Paris aus verfasste Klarsfeld Artikel gegen Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger, den sie wegen seiner NS-Vergangenheit anprangerte. Dann kam der 7. November 1968: Mit 29 Jahren stieg sie bei einem CDU-Parteitag in Berlin auf das Podium und verpasste Kiesinger eine Ohrfeige. Diese Szene wird den Menschen in der Bundesrepublik wohl für immer im Gedächtnis bleiben.

Nazi-Jägerin Beate Klarsfeld im Porträt
Kerstin Galllmeyer, SR Paris
23.02.2012 21:29 Uhr

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Klarsfeld sagt dazu: "Ich glaube, die Ohrfeige bleibt mir. Das hängt an mir bis zu meinem Lebensende. Das war eine so symbolische Aktion. Ich würde sagen, es war die Ohrfeige der Generation der Kinder der Nazis für den Nazivater."

Auch vor Entführung schreckte sie nicht zurück

Auch mehrere Monate Gefängnisstrafe hielten Beate Klarsfeld nicht davon ab, ihr Ziel weiterzuverfolgen. Für sie und ihren Mann wurde es zur Lebensaufgabe NS-Verbrecher zu jagen, die nach dem Ende des Hitler-Regimes unbehelligt weiter leben konnten.

Klarsfeld beim Schweigemarsch in Köln | Bildquelle: picture-alliance / picture-allia
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Beate Klarsfeld bei einem Protestmarsch 1980 in der Innenstadt von Köln.

Sie spürten unter anderem Klaus Barbie, den "Schlächter von Lyon", in Südamerika auf. Sie versuchten Kurt Lischka, der ebenfalls für die Deportation von französischen Juden verantwortlich war, in den 70er-Jahren von Köln nach Frankreich zu entführen. Es war ein Kampf mit Mitteln, die nicht immer dem Gesetz entsprachen.

"Man darf nicht aufgeben, das hab ich in meinem ganzen Leben erfahren, in meinen ganzen Aktionen. Man muss, auch wenn man manchmal illegal handelt." Aber es gebe auch einen Schlusspunkt. Wenn man wisse, dass man nicht mehr weitergehen könne, dann höre man auf. "Aber im Allgemeinen versuchen wir doch, mein Mann und ich, so weit es möglich ist, unsere Aktionen und unsere Arbeit durchzuführen."

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Beate Klarsfeld - von der Nazijägerin zur Bundespräsidentenkandidatin

Von der Nazijägerin zur Bundespräsidentenkandidatin

Beate Klarsfeld

Die Linkspartei hat Beate Klarsfeld als Kandidatin für die Bundespräsidentenwahl aufgestellt. Sie wurde 1939 in Berlin geboren. | Bildquelle: dapd

Viele Auszeichnungen, kein Bundesverdienstkreuz

Beate Klarsfeld in einer jüdischen Gedenkstätte in Paris. | Bildquelle: AFP
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In einer Gedenkstätte in Paris sitzt die heute 73-jährige vor Fotos deportierter Juden.

Für ihren Einsatz und ihren Mut wird sie von vielen Seiten bewundert und geehrt. Frankreich verlieh Beate Klarsfeld gleich drei Auszeichnungen. Der Staat Israel zeichnete sie mit einer Tapferkeitsmedaille aus. Mehrere Versuche allerdings, Klarsfeld das Bundesverdienstkreuz zu verleihen, scheiterten. Auch ein Vorstoß der Linkspartei im Jahr 2009 blieb erfolglos.

Deren Fraktionsvorsitzender Gregor Gysi betonte damals, die Geschichte der Aufklärung der Nazi-Verbrechen wäre ohne Klarsfeld anders verlaufen: "Sie haben sich eingesetzt, die wurden dafür gehasst und sie wurden dafür geachtet. Ich finde, sie können auf beides stolz sein."

Jetzt ist es wiederum die Linkspartei, die Beate Klarsfeld als Bundespräsidentin vorschlägt. Zumindest von dieser Seite ist es eine weitere Auszeichnung für die unermüdliche Nazi-Jägerin.

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