Ince | Bildquelle: AFP

Türkischer Spitzenkandidat Ince Hoffnungsträger der Enttäuschten

Stand: 22.06.2018 10:42 Uhr

Der Präsidentschaftskandidat der größten türkischen Oppositionspartei war eigentlich eine Verlegenheitslösung. Doch im Wahlkampf kommt Muharrem Ince besser an, als es Erdogan lieb sein kann.

Von Christian Buttkereit, ARD-Studio Istanbul

Wenn Muharrem Ince über das Dach seines Wahlkampfbusses tobt, reißt er das Publikum mit. Der 54-Jährige läuft auf und ab wie ein hungriger Tiger, gestikuliert mit seinen Armen und greift Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan frontal an: "Erdogan kontrolliert alle Fernsehsender und alle Zeitungen", ruft er in die Menge. "An seiner Seite stehen die Medien, aber auf meiner Seite steht das Volk."

Am Sonntag wählt die Türkei das neue Parlament und den Präsidenten. Der um eineinhalb Jahre vorverlegte Termin hatte die Opposition völlig unvorbereitet getroffen. Die größte Oppositionspartei CHP konnte zunächst gar keinen Kandidaten vorweisen - dann präsentierte sie den ehemaligen Physiklehrer Ince. Inzwischen zeigt sich: Ince kommt bei der Bevölkerung besser an, als es Erdogan lieb sein kann.

Oppositionspartei CHP setzt Erdogan unter Druck
tagesschau24 15:00 Uhr, 22.06.2018, Oliver Mayer-Rüth, BR

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Betont volksnah

Gerade weil er Kandidat der etwas elitären Republikanischen Volkspartei ist, gibt sich Ince betont volksnah. Das weiße Hemd stets etwas aufgeknöpft, die Ärmel gerne hochgekrempelt. Zeitweise trug Ince auch eine Mütze, wie sie bei Bauern üblich ist. Seit ihm das in Sozialen Netzwerken Spott einbrachte, verzichtet er allerdings darauf.

Er ist einer, der gewinnen will und der Erdogan Paroli bieten kann - und das kommt bei vielen Türken gut an: "Muharrem Ince präsentiert sich gut", sagt ein Türke. "Die Rhetorik stimmt. Und Ince ist fleißig." Und eine Frau ergänzt: "Muharrem Ince ist zu einem Hoffnungsträger geworden, für alle diejenigen, die keine Hoffnung mehr hatten." Und: "Ich finde gut, dass er die Lage der Wirtschaft und die mangelnde Gerechtigkeit anspricht."

Muharrem Ince, Präsidentschaftskandidat der Oppositionspartei CHP, macht bei einer Wahlkampfveranstaltung ein Selfie mit seinen Unterstützern. | Bildquelle: dpa
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Muharrem Ince, Präsidentschaftskandidat der Oppositionspartei CHP, gibt sich volksnah.

Die Botschaft ist: Ich bin einer von euch

Inces Wahlkreis liegt im Westen der Türkei am Marmarameer. Trotz der Nähe zu Istanbul ist die Region um die gut 120.000 Einwohner zählende Provinzhauptstadt Yalova ländlich geprägt. Ince kokettiert damit, ein Köylü, ein Dörfler zu sein. Und er betont, dass er freitags in die Moschee gehe, aber gern auch mal ein Bier trinke. Die Botschaft ist: Ich bin einer von Euch.

Manchem ist das eine Spur zu populistisch, schließlich ist Ince Politprofi. Seit 1999 sitzt er als direkt gewählter Abgeordneter in der Türkischen Nationalversammlung. Bis 2014 war er Fraktionsvorsitzender der CHP. Wenn es nach seinen Anhängern geht, wird er der nächste Präsident der Türkei.

Ince geht auf die Kurden zu

Im Wahlkampf setzt Ince inzwischen die Themen, nicht Erdogan. An erster Stelle steht Gerechtigkeit - die Türkei müsse dringend wieder zu einem Rechtsstaat werden. Außerdem geht er auf die Kurden zu. Das könnte für die Wahl entscheidend sein. Sollte er gewählt werden, sagt Ince, werde er als erstes den Ausnahmezustand aufheben. Außerdem dürfe sich die Politik nicht länger einen Teil der Gesellschaft zum Feind machen.

"Wir brauchen eine Türkei, in der erneut Karikaturen des Staatspräsidenten gezeichnet werden und in denen der Staatspräsident über seine Karikaturen lachen kann. Das Land braucht einen Staatspräsidenten, der sich sogar wünscht, dass sich die Jugend über ihn lustig macht, wenn er mal dummes Zeug redet. Das Land braucht einen Staatspräsidenten, der Proteste toleriert, wenn er ein Fußballstadion betritt."

Umfragen sehen ihn bei 20 bis 30 Prozent

Nachteilig im Wahlkampf wirkt sich aus, dass sich Ince mehrfach in Kampfkandidaturen um den Parteivorsitz beworben hat und jedes Mal gescheitert ist. Umfragen sehen Ince zwischen 20 und gut 30 Prozent. Damit wäre er voraussichtlich der stärkste Herausforderer von Staatspräsident Erdogan, sollte es zu einer Stichwahl kommen. 

Der türkisches Präsident Recep Tayyip Erdogan spricht im Präsidentenpalast | Bildquelle: dpa
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Der türkisches Präsident Recep Tayyip Erdogan spricht im Präsidentenpalast

Porträt Muharrem Ince
Christian Buttkereit, ARD Istanbul
20.06.2018 15:41 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 12. Juni 2018 um 06:25 Uhr. NDR Info berichtete am 22. Juni 2018 um 12:20 Uhr.

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