Armeechef Sisi im Porträt Der Mann, der Mursi absetzte

Stand: 04.07.2013 15:08 Uhr

Militärchef Abdel Fattah al Sisi ist der erste Verteidigungsminister der ägyptischen Geschichte, der von einem demokratisch gewählten Präsidenten ernannt wurde. Einigen galt der 58-Jährige sogar als Mann der Muslimbruderschaft in der Armeeführung. Nun ist gerade er es, der die Entmachtung des islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi verkündete.

In der Zeit nach dem Sturz des Langzeitpräsidenten Hosni Mubarak im Februar 2011 und vor seiner Ernennung zum Verteidigungsminister und Armeechef im August 2012 leitete der Generaloberst den Militärgeheimdienst. Außerdem gehörte er dem Oberkommando an, das unter dem Namen Oberster Militärrat nach dem Abgang Mubaraks die Macht im Land übernahm.

Abdel Fatah al Sissi (Bildquelle: AFP)
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Abdel Fatah al Sisi war schon unter Mubarak Kommandant. Präsident Mursi ernannte ihn vor weniger als einem Jahr zum Verteidigungsminister.

Bislang trotz der Krise zurückhaltend

Sisi gehört einer Generation von Stabsoffizieren an, die anders als der ehemalige Luftwaffenpilot Mubarak an keinem Krieg teilnahmen. Er besuchte die Militärakademie und trat in die Dienste der Infanterie. Noch unter Mubarak wurde er Kommandeur des Armeebereichs Nord mit Sitz in Alexandria.

Der in Kairo geborene Sisi gilt als fromm, seine Frau soll Gesichtsschleier tragen. In der ägyptischen Krise hielt er sich bislang weitgehend zurück. Allerdings sah er sich vor dem aktuellen Ultimatum an die Konfliktparteien einmal im Januar 2013 zu einer Warnung an die politischen Kräfte veranlasst: Als heftige Krawalle Städte am Suezkanal erschütterten, sprach er von einem Staatskollaps und erklärte, die Armee als "stabile Säule des Staates" werde dies verhindern.

Unrühmliche Rechtfertigung der "Jungfrauentests"

Als Chef des Militärgeheimdienstes trat Sisi nur ein einziges Mal hervor - und das unrühmlich. Im März 2011 verschleppten Militärpolizisten jugendliche Demonstranten vom Tahrir-Platz in den Keller des Ägyptischen Museums und misshandelten sie dort. Die Mädchen und jungen Frauen unterzogen sie einer besonders grausamen und erniedrigenden Behandlung - den sogenannten Jungfräulichkeitstests.

Es war Sisi, der diese Praxis einige Wochen später in westlichen Medien zu begründen versuchte: Die Frauen hätten gemeinsam mit jungen Männern auf dem Tahrir-Platz campiert - und damit sie nicht später sagen würden, sie seien von Militärpolizisten vergewaltigt worden, habe man eben ihre "Jungfräulichkeit" geprüft.

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