Marine Le Pen | Bildquelle: AP

Marine Le Pen im Porträt Die selbsternannte Volkstribunin

Stand: 07.05.2017 00:03 Uhr

"Im Namen des Volkes" tritt eine Frau bei der französischen Präsidentschaftswahl an, die viele im Ausland frösteln lässt: Marine Le Pen, Chefin des rechtsextremen Front National, will Frankreich seine alte Größe und Stärke wiedergeben.

Von Barbara Kostolnik, ARD-Studio Paris

Sie wolle nichts weniger als Frankreich wieder in Ordnung bringen, verspricht eine ernste Marine Le Pen im offiziellen Wahlkampf-Clip der Partei, dramatisch unterlegt von Musik, die nach Freiheit und Abenteuer duftet: Frankreich in Ordnung bringen, denjenigen Gehör verschaffen, die von den "korrupten Eliten", wie Le Pen sie bezeichnet, ignoriert und aufgegeben worden sind. Und sie will Frankreich zu neuer alter Größe führen.

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Beschwört die vergangene Größe Frankreichs: Die rechtsextreme Marine Le Pen hat - wenn auch geringe - Chancen, Frankreichs neue Präsidentin zu werden.

Dabei schreckt sie auch vor Geschichtsklitterung nicht zurück: Auf die Frage, ob Frankreich mitschuldig sei an der Deportation von 13.000 Juden, die im Juli 1942 zunächst von den Schergen der Vichy-Regierung zusammengetrieben und später in den Todeslagern der Nationalsozialisten ermordet wurden, sagte sie: "Frankreich ist dafür nicht verantwortlich. Wenn jemand dafür verantwortlich war, dann nicht Frankreich, sondern das damalige Regime."

"Ich bin Anti-Merkel"

Frankreich groß zu machen, den Franzosen ihren Stolz zurückzugeben - das beinhaltet für Marine Le Pen auch, die Nachbarn niederzumachen, allen voran die verhasste deutsche Bundeskanzlerin: "Ich bin die Anti-Merkel", tönt sie gerne - also die Frau, die sich vom rigiden Spardiktat der Deutschen befreien, die Grenzen dicht und Flüchtlinge raus aus Frankreich halten möchte.

Immerhin ist sie mittlerweile in der Frage Frexit - Frankreichs Verbleiben in der EU - etwas zurückgerudert. Ein Referendum soll nun abgehalten werden - als ausgebuffte Populistin weiß Le Pen, was sie dem Volk schuldig ist: "Nur sie spreche nämlich im Namen des Volkes", betont Le Pen bei jeder Gelegenheit.

Wahlkampfveranstaltung von Le Pen in Arcis-sur-Aube in Grand Est (Foto: dpa)
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Wahlkampfveranstaltung in Arcis-sur-Aube in Grand Est: Vor allem jüngere Wähler und abgehängte Franzosen aus der Provinz scharen sich um die rechtsextreme Kandidatin Le Pen.

Der konservative EU-Abgeordnete Manfred Weber nimmt Marine Le Pen ihre Volksverbundenheit nicht ab: "Sie hat im Europäischen Parlament ihr wahres Gesicht gezeigt. Sie ist nicht anwesend bei den Beratungen, wenn es wirklich um Gesetze, Entscheidungen für die Bürger geht, und sie hat im großen Stil Gelder missbraucht, wofür sie sogar verurteilt worden ist", sagt er. Doch die diversen Skandale haften an der Chefin des rechtsextremen Front National wie Ei an Teflon: gar nicht. Ihre Wähler glauben ihr, wenn sie sich als Opfer sozialistischer Regierungsumtriebe präsentiert, als Opfer einer gelenkten Justiz.

Treue Wählerschaft

Die gelernte Juristin Le Pen kann auf einen festen Wählerstamm bauen, vor allem jüngere Wähler und abgehängte Franzosen aus der Provinz scharen sich um die rechtsextreme Kandidatin und ihr ausländerfeindliches "Frankreich-First-Programm", vertrauen ihren Versprechungen, die so genannten "kleinen Leute" wieder groß zu machen.

Allerdings bleibt weiter fraglich, ob sie in der Stichwahl über 50 Prozent der Stimmen bekommt. "Die Anti-FN-Mobilisierung ist heute zwar schwächer als 2002, als Jean-Marie le Pen in die Stichwahl kam und Frankreich einen echten Schock verpasst hat, sagt der Sozial-Physiker Serge Galam, der Wahlmodelle errechnet, aber sie ist immer noch groß genug, wir bezeichnen das als gläserne Decke."

Aber falls es 2017 nichts werden sollte, tritt sie eben in fünf Jahren wieder an, um Frankreich in Ordnung zu bringen.

"Remettre la France en ordre" - polit. Porträt Marine Le Pen
Barbara Kostolnik, ARD Paris
06.05.2017 21:14 Uhr

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 07. Mai 2017 um 09:00 Uhr.

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