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28.05.2012

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Einsturz in Pompeji: Von Schlamperei durchweicht
Einsturz in Pompeji entsetzt Italien

Von Schlamperei durchweicht

Italien ist fassungslos: Schwere Regenfälle haben am Wochenende zum Einsturz eines Gladiatoren-Gebäudes im antiken Pompeji geführt. Staatspräsident Napolitano spricht von einer "nationalen Schande" und Experten kritisieren, der Einsturz hätte verhindert werden können.

Von Tilmann Kleinjung, ARD-Hörfunkstudio Rom

Zweimal wurde das antike Pompeji zerstört - im Jahre 79 vom Vulkan Vesuv und 1943 von alliierten Bombern. Nun läuft die größte und meistbesuchte Ausgrabungsstätte der römischen Antike Gefahr, ein drittes Mal zerstört zu werden: von der Nachlässigkeit und Schlamperei der italienischen Behörden. Denn die konnten nicht verhindern, dass Dach und die Mauern der alten Gladiatorenschule in der Via dell'Abbondanza von Pompeji von den massiven Regenfällen der vergangenen Tage so durchweicht wurden, dass sie zusammenbrachen.

Eingestürztes Gebäude in Pompeji (Foto: dpa) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Vor rund 2000 Jahren trainierten hier Gladiatoren: eingestürztes Gebäude in Pompeji ]

Antonio Irlando ist entsetzt. Der Präsident eines Vereins, der sich um den Erhalt von Pompeji kümmert, spricht von einem "vorsehbaren Ereignis". Diese Häuserfront der Via dell'Abbondanza mit mehr als 200 Metern sei instabil, weil ein ganzer Erdwall die wenigen Mauern bedrohe, die noch stehen.

Soll heißen: Diese archäologische Katastrophe hätte man verhindern können. Zum Beispiel, indem man auf all die Warnungen gehört und die Häuser besser geschützt hätte. Doch das kostet Geld, und das fehlt der italienischen Regierung an allen Ecken und Enden.

Fataler Sparkurs

Gespart wird vor allem im Kulturbereich, im Ministerium von Kulturminister Sandro Bondi. Der muss sich heute vor dem italienischen Abgeordnetenhaus verantworten. Die Opposition fordert seine Ablösung, und auch Claudio D’Alessio, Bürgermeister von Pompeji, ist unzufrieden mit der Politik der Regierung: "Ich sage ja nicht, dass ganz Pompeji unter eine Glasglocke gehört, aber die Aufgabe der Regierung und der Superintendenten wäre es schon gewesen, dass man genau diese Schwierigkeiten verhindert."

Eingestürztes Gladiatoren-Gebäude in Pompeji (Foto: dpa) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Der Schaden ist nicht zu beziffern: Mit dem Gladiatoren-Gebäude stürzte auch ein Stück Geschichte ein. ]

Jeanette Papadopoulos ist die Superintendentin, und damit die zuständige Chefarchäologin für das Weltkulturerbe Pompeji. Sie macht die Restaurierungsarbeiten aus der Nachkriegszeit für den Einsturz verantwortlich. Damals wurde das Haus mit einem Dach aus Zement versehen. In den vergangenen Jahren, berichtet sie, sei zwar an den Häusern gearbeitet worden, deren Dächer Ende der 40er-Jahre restauriert worden waren. Aber in diesem Fall habe es es leider nicht mehr die Möglichkeit gegeben, das Dach abzustützen. "Deshalb war der Einsturz so verheerend."

Ein Trümmerhaufen als Symbol

Ein Steinhaufen als traurige Metapher für den Zustand eines Landes. Der Einsturz der Gladiatorenschule in Pompeji versinnbildlicht für viele den politischen Verfall Italiens. Staatspräsident Giorgio Napolitano spricht von einer nationalen Schande. "Nur weil es etwas mehr regnet, bricht ein Teil des großen Erbes in Pompeji zusammen, ein Erbe, das wir von der Geschichte bekommen haben und das wir schützen müssen. Das sagt uns doch, dass wir uns heute mit dieser schrecklichen Nachlässigkeit beschäftigen müssen."

Noch unverständlicher wird die Schlamperei in Pompeji vor dem Hintergrund, dass die antiken Stätten in Italien immer noch ein gewaltiger Besuchermagnet sind. Mehrere Millionen Menschen pro Jahr besuchen allein Pompeji. Doch die Stadt aus der Antike ist seit dem Wochenende um eine Attraktion ärmer.

Stand: 10.11.2010 01:21 Uhr
 

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