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Fünf Jahre nach Politkowskaja-Mord: Verdächtige, aber keine Auftraggeber
Fünf Jahre nach Politkowskaja-Mord

Verdächtige, aber keine Auftraggeber

Wer steckt hinter dem Mord an der kremlkritischen Journalistin Anna Politkowskaja? Auch genau fünf Jahre nach den tödlichen Schüssen präsentieren die Ermittler zwar neue Verdächtige, doch Auftraggeber und Motive bleiben im Dunkeln. Klar ist nur: Politkowskaja hatte mächtige Feinde.

Von Christina Nagel, ARD-Hörfunkstudio Moskau

Die russischen Ermittler vermeldeten zuletzt Erfolge. Der Sprecher der zuständigen Behörde, Wladimir Markin, bestätigte, dass einer der mutmaßlichen Organisatoren der Tat festgenommen worden sei. Es handele sich um den ehemaligen Oberstleutnant der Miliz, Dimitri Pawljutschenkow. "Nach unseren Erkenntnissen hat er Ende Juli 2006 von Unbekannten den Auftrag bekommen, Anna Politkowskaja umbringen zu lassen. Er hat dem zugestimmt und danach eine kriminelle Gruppierung organisiert."

Rustam Machmudow soll einer von drei mutmaßlichen Mittätern im Mordfall Politkowskaja sein. (Foto: dpa) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Der Tschetschene Rustam Machmudow (r.) soll den Mord an Anna Politkowskaja vorbereitet und organisiert haben. ]
Der Beschuldigte habe daraufhin dem mutmaßlichen Todesschützen Rustam Machmudow Geld und eine Pistole mit Schalldämpfer besorgt. Und den Wohnort der Journalistin ausspioniert. Pawljutschenkow soll - wie die Ermittler später bekannt gaben - von einem tschetschenischen Geschäftsmann beauftragt worden sein, dem Onkel des mutmaßlichen Täters.

Die Wahrheit soll ans Licht

Die Ermittler sowie Freunde und Kollegen der kremlkritischen Journalistin Politkowskaja sind sich allerdings einig, dass dies noch lange nicht das Ende der Auftragskette ist. Sergej Sokolow, der stellvertretende Chefredakteur der Zeitung "Nowaja Gaseta", für die Politkowskaja schrieb, vermutet hinter dem Auftragsmord Männer mit Macht und Einfluss.

Audio: Mord an Anna Politkowskaja auch fünf Jahre nach der Tat ungeklärt

AudioWDR 07.10.2011 00:43 | 3'31
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Sokolow selbst recherchiert mit einem kleinen Team parallel zu den Ermittlern. Jeder habe seine Quellen, seine eigenen Prioritäten. Man wolle helfen, die Wahrheit ans Licht zu bringen - und mit dafür sorgen, dass am Ende die tatsächlich Schuldigen auf der Anklagebank säßen. "Wir begrüßen die Festnahme von Dimitrij Pawljutschenkow", sagte er. "Das ist zum Teil auch ein Erfolg unserer Arbeit. Aber ich möchte noch nichts zu den möglichen Auftraggebern sagen." Die "Nowaja Gaseta" habe dazu ihre eigenen Versionen. Es sei sehr schwer, die Auftraggeber zu ermitteln. Vor allem, weil in diesen Fall so viele Personen verwickelt seien.

Mächtige Feinde

Anna Politkowskaja hatte mächtige Feinde. Es gab viele, die ihr offen drohten, dass sie für ihre Kritik bezahlen werde. Sie recherchierte und schrieb trotzdem weiter. Sie prangerte Menschenrechtsverletzungen in Tschetschenien an, sprach über Korruption und kriminelle Machenschaften im politischen System Russlands und kritisierte die autoritäre Führung des damaligen Präsidenten Wladimir Putin.

Gedenken an die ermordete Anna Politkowskaja (Foto: dpa) [Bildunterschrift: Vor genau fünf Jahren, am 7. Oktober 2006, wurde die damals 48-Jährige vor ihrer Moskauer Wohnung erschossen. ]
Niemand dürfe unantastbar sein, fordert der Chefredakteur der "Nowaja Gaseta", Dimitri Muratow. Er befürchtet, dass es auch dieses Mal enden könnte wie im Fall des Mordes an Igor Domnikow, der ebenfalls für die Zeitung geschrieben hatte. Auch hier wurde der Mörder gefasst, nicht aber die Auftraggeber. "Das alles weckt in mir den ernsthaften Verdacht, dass es ein gewisses 'Aufklärungsmanagement' gibt, sagt Domnikow. "Alles endet, sobald man auf der Ebene der Organisatoren, der Täter angekommen ist. Sobald sich die Ermittlungen dem Auftraggeber nähern, brechen sie ab." Und die Ermittler wollten in nichts Größeres, Politisches hineingezogen werden. Sie hätten Angst, sich auch nur in diese Richtung zu bewegen.

Gemeinsam müsse man dafür sorgen, dass die Ermittlungen bis zu Ende geführt würden, meint der Chefredakteur. Die Familie Anna Politkowskajas will die Hoffnung darauf noch nicht aufgeben. Immerhin seien die Ermittler endlich ein Stück vorangekommen - wenn auch sehr spät. "Jetzt muss alles daran gesetzt werden, dass den Verdächtigen eine Schuld auch nachgewiesen werden kann", sagt Politkowskajas Sohn Ilja. In einem ersten Prozess waren drei Beschuldigte aus Mangel an Beweisen freigesprochen worden.

Anna Politikowskaja war am 7.Oktober 2006 im Flur ihres Wohnhauses erschossen worden. Sie wurde 48 Jahre alt.

Stand: 07.10.2011 01:19 Uhr
 

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