Pakistanische Behörden reagieren offenbar auf Extremisten Impfkampagne nach Taliban-Drohung ausgesetzt

Stand: 08.02.2013 13:11 Uhr

Die pakistanischen Behörden haben eine Impfaktion gegen Kinderlähmung in den Stammesgebieten im Nordwesten des Landes teilweise ausgesetzt. Kampagnendirektor Mazhar Nisar sagte der Nachrichtenagentur AFP, in Nord- und Süd-Waziristan sowie in Bara im Khyber-Distrikt würden die Impfungen gestoppt.

Ein pakistanisches Kind wird gegen Polio geimpft. (Bildquelle: dpa)
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Ein pakistanisches Kind wird gegen Polio geimpft.

Grund sind vermutlich Drohungen der radikal-islamischen Taliban, die die Regionen als Rückzugsort nutzen. Sie boykottieren die Impfungen aus Protest gegen US-Drohnenangriffe und vermuten dahinter Spionage.

Mithilfe eines pakistanischen Arztes war es den Vereinigten Staaten im vergangenen Jahr gelungen, unter dem Vorwand einer Impfkampagne an DNA-Material von Al-Kaida-Chef Osama Bin Laden zu kommen und so seinen Aufenthaltsort aufzuspüren.

Bei der Erstürmung seines Anwesens in Abottabad wurde er im Mai 2011 von einer US-Spezialeinheit getötet.

Bei der landesweiten Impfkampagne, die jetzt teilweise ausgesetzt wurde, sollten bis Mittwoch 34 Millionen Kinder gegen Kinderlähmung geimpft werden. Einer Studie des britischen Fachmagazins "The Lancet" zufolge erkrankten im vergangenen Jahr fast 200 pakistanische Kinder wegen unzureichender Polio-Impfungen an Kinderlähmung. Das war der höchste Wert seit zehn Jahren.

WHO: Polio nur noch in drei Ländern

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO gilt die Polio nur in drei Staaten als nicht ausgerottet: Afghanistan, Nigeria und Pakistan. Im Jahr 1988 waren noch mehr als 125 Länder betroffen. Seit vergangenem Jahr ist sie auch in Indien ausgerottet. Europa ist seit 2002 offiziell poliofrei, dennoch leiden allein in Deutschland Zehntausende unter den Folgen der Kinderlähmung.

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