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Gemeinsamer Aufruf der Kirchen unterzeichnet

Den Nachbarn als Bruder erkennen

Patriarch Kirill und der katholische Erzbischof Michalik
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Patriarch Kirill und der katholische Erzbischof Michalik unterzeichneten den gemeinsamen Aufruf.

Die Kirchen Russlands und Polens haben die Gläubigen in beiden Ländern zu gegenseitiger Vergebung aufgerufen. Patriarch Kirill, das Oberhaupt der Russisch-Orthodoxen Kirche, und der Vorsitzende der polnischen katholischen Bischofskonferenz, Erzbischof Józef Michalik, unterzeichneten einen historischen Versöhnungsappell.

In dem Dokument werden Polen und Russen dazu aufgerufen, die jahrhundertelange, oft blutige Geschichte zwischen beiden Staaten hinter sich zu lassen. "Wir appellieren an die Gläubigen, einander alles Leid und Unrecht zu vergeben. Jeder Pole sollte in jedem Russen und jeder Russe in jedem Polen einen Bruder und Freund sehen", heißt es in dem Text. Die Kirchenvertreter betonen darin, sie wollten ihren "Beitrag bei der Annäherung unserer Kirchen und der Aussöhnung unserer Völker" leisten. Gleichzeitig erklärten sie, das Leid der Vergangenheit dürfe nicht in Vergessenheit geraten.

Lange Phasen der Spannung

Die Kirche im überwiegend katholischen Polen und ihre russisch-orthodoxe Schwesterorganisation eint zwar eine Ablehnung liberaler westlicher Werte. Die russische Besatzung im Ostteil Polens im 19. Jahrhundert und die Vormacht der Sowjetunion im früheren Ostblock hinterließen auf polnischer Seite jedoch tiefe Wunden. Auch zwischen dem Vatikan und der russisch-orthodoxen Kirche waren die Beziehungen lange angespannt. Papst Johannes Paul II. war in Moskau erklärtermaßen unerwünscht. Der viertägige Besuch Kirills in Polen ist der erste eines russisch-orthodoxen Patriarchen in dem Nachbarland.

In dem gemeinsamen Aufruf weisen beide Kirchen auch auf Herausforderungen in einer säkularen Gesellschaft hin. Moralische oder christliche Werte spielten eine immer geringere Rolle, heißt es in dem Papier, das in diesem Zusammenhang Abtreibung, Sterbehilfe und homosexuelle Gemeinschaften nennt. "Eine Welt ohne Gott liegt in Dunkelheit", sagte Michalik.

Katholisch-orthodoxe Versöhnungserklärung in Polen unterzeichnet
F. Kellermann, ARD Warschau
17.08.2012 15:45 Uhr

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Stand: 17.08.2012 14:48 Uhr

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