Ein Plakat mit der Aufschrift "Majdanek Deutsches Konzentrations- und Vernichtungslager" vor der Gedenkstätte Majdanek. Die Aktion ist ein Teil der laufenden Web-Kampagne #DeutscheDeathCamps. | Bildquelle: dpa

Früheres Konzentrationslager Majdanek Polen will offenbar KZ-Gedenkstätte umbenennen

Stand: 20.03.2018 10:38 Uhr

Die Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers Majdanek soll nach dem Willen der polnischen Regierung umbenannt werden, um die deutsche Verantwortung für die hier begangenen Verbrechen zu betonen.

Die polnische Regierung will Medienberichten zufolge das Staatliche Museum in Majdanek umbenennen, um die deutsche Verantwortung für das ehemalige Konzentrationslager hervorzuheben. Nach einem Plan des stellvertretenden Kulturministers Jaroslaw Sellin soll die Einrichtung künftig "Staatliches Museum in Majdanek. Gedenkstätte im ehemaligen deutschen Konzentrations- und Vernichtungslager (1941-1944)" heißen, wie die Zeitung "Gazeta Wyborcza" berichtete.

Demnach stellte der Verwaltungschef der ostpolnischen Region Lublin, Przemyslaw Czarnek, den Antrag auf Umbenennung. In der Region befindet sich die Gedenkstätte. Czarnek schlug auch vor, im Namen der Gedenkstätte Auschwitz die deutsche Täterschaft zu betonen.

Umstrittenes "Holocaust-Gesetz"

In Polen ist seit März das sogenannte Holocaust-Gesetz in Kraft, nach dem Behauptungen über eine Mitverantwortung des polnischen Volkes für Naziverbrechen mit Haft belegt werden können. Ausschlag zu der umstrittenen Novelle gab die Kritik an Ausdrücken wie "polnische Todeslager" in ausländischen Medien, die nach Lesart der Regierung in Warschau eine Schuldzuweisung enthalten.

Der Rat des 1947 eingerichteten Museums hat sich bislang für die Beibehaltung des Namens ausgesprochen. Untersuchungen gehen davon aus, dass von insgesamt 150.000 Menschen, die zwischen 1941 und 1944 in das Lager deportiert wurden, etwa 80.000 getötet wurden, darunter etwa 60.000 Juden.

Gestern hatte sich Bundeskanzlerin Angela Merkel mit dem polnischen Ministerpräsidenten Mateusz Morawiecki in Warschau getroffen. Ob das Holocaust-Gesetz dabei explizites Thema war, ist nicht bekannt. Die Bundesregierung hatte in der Vergangenheit jedoch mehrfach betont, dass Deutschland für die Verbrechen des Nationalsozialismus verantwortlich sei.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 20. März 2018 um 07:49 Uhr.

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