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Umgang mit Plagiatsvorwürfen
Wie Österreich den Fall Schavan behandeln würde
Deutsche Universitäten stehen bei Plagiatsvorwürfen vor dem Dilemma, dass sie auch die Ungenauigkeit ihres eigenen Personals aufdecken müssen. Mehr Unabhängigkeit und auch mehr Zeit zum Prüfen verspricht das österreichische Modell. Wie würde dort der Fall Schavan behandelt?
Von Ralf Borchard, ARD-Hörfunkstudio Wien
Würde der Fall Schavan in Österreich spielen, wäre sie am Zug: Nicole Föger, Leiterin der Agentur für wissenschaftliche Integrität. Seit 2009 gibt es die zentrale Prüfstelle für Plagiatsfälle in Wien. Die großen österreichischen Universitäten und Forschungseinrichtungen entschieden damals, eine neutrale Prüfkommission zu beauftragen: "Es sollte eine einheitliche Vorgehensweise in Österreich geben, wie man mit solchen Fällen umgeht", sagt Föger. "Man braucht in Österreich, weil es eben so klein ist und weil jeder jeden kennt, eine Kommission von ausländischen Wissenschaftlern, die die verschiedenen Fachgebiete in der Wissenschaft vertreten."
Mindestens zwei Gutachter bei einem Plagiatsverfahren
Fünf Mitglieder der Kommission sind derzeit Deutsche, ein Professor kommt aus den Niederlanden. Allerdings führt die von Föger betreute Kommission die eigentlichen Untersuchungen nicht selbst durch. Sie setzt wiederum Gutachter ein, um danach das abschließende Urteil zu fällen. Ein Verfahren dauert bis zu einem Jahr.
"Es kann natürlich auch einmal schneller gehen", sagt Föger. Aber bei einem Plagiatsverfahren würden wir mindestens zwei Gutachter aussuchen, vielleicht auch drei, und das wären bei uns fast immer auch ausländische Fachgutachter. Und denen muss man Zeit geben, in der sie dieses Gutachten verfassen können."
Wie Österreich mit dem Fall Schavan umgehen würde
R. Borchard, ARD Wien
06.02.2013 12:12 Uhr
Das österreichische Verfahren habe sich bewährt, sagt Nicole Föger: "Es muss nicht mehr jede Universität ganz von vorn anfangen, das Verfahren ist national einheitlich, und die Gefahr der Befangenheit von Gutachtern wird minimiert."
60 Anfragen gab es seit 2009, 21 wurden zur Prüfung angenommen, daraus wurden neun ausführliche Verfahren, sieben Mal war das Ergebnis: Es handelt sich um ein Plagiat. "Ich bin doch manchmal noch sehr überrascht über die Dreistigkeit. Wir hatten einen Plagiatsfall, da hat mir derjenige dann erklärt: 'Diese Zitierregeln - gab es die damals schon?' Die Arbeit stammte von 2005, ist also noch nicht so lange her."
Auch in den USA wird ähnlich verfahren
Lässt sich das österreichische Modell eins zu eins auf Deutschland übertragen? "Gewisse Dinge sind sicher gut übertragbar, also zum Beispiel auch ein wissenschaftliches Gremium mit ausländischen Wissenschaftlern zu besetzen", sagt Föger.
Die Frage sei, ob die Kommission womöglich von Anfragen überschwemmt würde. "Auf der anderen Seite spricht dagegen, dass es in Amerika auch das 'Office of Research Integrity' gibt, das sich im Prinzip auch um ganz Amerika kümmert." Neben den USA hat etwa auch Norwegen eine zentrale Prüfstelle für Plagiatsvorwürfe.
Und Annette Schavan? Tut sie der Österreicherin Nicole Föger manchmal leid? "Ganz ehrlich gesagt tun mir die prominenten Politiker schon ein bisschen leid, weil es einfach eine Hetzjagd ist, die da veranstaltet wird. Personen, die nicht prominent sind und nicht so im Scheinwerferlicht stehen und vielleicht auch eine schlechte Dissertation geschrieben haben, die wird man natürlich nicht jagen."
Stand: 06.02.2013 12:08 Uhr
