Piusbruderschaft schließt Holocaustleugner Williamson aus

Richard Wiliamson

Entscheidung der Glaubensgemeinschaft

Williamson muss Piusbruderschaft verlassen

Die Piusbruderschaft hat sich von ihrem wohl umstrittensten Mitglied getrennt: Die ultrakonservative Glaubensgemeinschaft schloss Bischof Williamson aus. Dieser hatte in einem Interview den Holocaust geleugnet. Ob sich die Bruderschaft auch inhaltlich von ihm distanziert, ist offen.

Von Tilmann Kleinjung, ARD-Hörfunkstudio Rom

"Offizieller Ausschluss von Bischof Williamson", titelt die Webseite der Piusbruderschaft. Richard Williamson habe sich "seit mehreren Jahren von der Führung und Leitung der Priesterbruderschaft entfernt" und "sich geweigert, Respekt und Gehorsam zu zeigen". Ob man sich auch inhaltlich von dem notorischen Holocaustleugner und Antisemiten distanziert, lässt die Erklärung der Bruderschaft offen.

Papst Benedikt XVI. hatte im Januar 2009 die Exkommunikation von Williamson und drei weiteren Pius-Bischöfen zurückgenommen. Wenig später stellte sich heraus, dass der Brite Williamson im Interview mit einem schwedischen Fernsehsender den nationalsozialistischen Massenmord an den Juden offen geleugnet hatte. Da dieses Interview in Deutschland aufgenommen wurde, muss sich Williamson dafür vor dem Amtsgericht in Regensburg wegen Volksverhetzung verantworten.

Piusbruderschaft trennt sich von ihrem Skandalbischof Williamson
T. Kleinjung, ARD-Hörfunkstudio Rom
24.10.2012 17:05 Uhr

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Folgt jetzt die Aussöhnung mit dem Vatikan?

Seit Jahren gibt es einen Zwist in der ultrakonservativen Piusbruderschaft, ausgelöst durch das Angebot des Papstes, die Bruderschaft unter bestimmten Bedingungen wieder in die katholische Kirche einzugliedern. Das betrifft insbesondere die Anerkennung des Zweiten Vatikanischen Konzils. Zuletzt hat Papst Benedikt XVI. in einem Brief an die Piusbrüder deutlich gemacht: Es gibt kein Zurück hinter die Beschlüsse des Konzils beispielsweise zur Religionsfreiheit oder zur Ökumene.

Williamson ist ein scharfer Gegner einer Annäherung mit dem Vatikan. Sein Rauswurf könnte Indiz dafür sein, dass die Bruderschaft bereit ist, sich mit Rom zu einigen.

Die umstrittene Weihe von vier Bischöfen. Zweiter von links: Williamson. (Bildquelle: picture-alliance / dpa)
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Die umstrittene Weihe von vier Bischöfen im Jahr 1988. Zweiter von links: Der Brite Richard Williamson.

Dieser Beitrag lief am 24. Oktober 2012 um 12:48 Uhr im Deutschlandfunk.

Stand: 24.10.2012 11:00 Uhr

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