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Ausland
Benedikt XVI. erinnert an umstrittenen Papst Pius XII.
50. Todestag von Pius XII.

Rehabilitation des umstrittenen Oberhirten?

Mit einer Gedenkmesse im Petersdom erinnert Benedikt XVI. heute an Papst Pius XII. Dessen Todestag jährt sich heute zum 50. Mal. Pius ist einer der umstrittensten Päpste des letzten Jahrhunderts - von den einen als Holocaust-Verschweiger geschmäht, von anderen als Judenretter gelobt.

Von Stefan Troendle, ARD-Hörfunkstudio Rom

Er war der Papst, der zum Holocaust geschwiegen hat, so sehen das seine Kritiker. Er hat Hunderttausenden Juden das Leben gerettet, so urteilen einige Historiker – und so sieht das der Vatikan. Fest steht: Pius XII. ist einer der umstrittensten Päpste des letzten Jahrhunderts.

Papst Pius XII. (Foto: A0009 dpa inp) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Papst Pius XII. ]
Eugenio Pacelli war Nuntius in Deutschland, also Botschafter des Vatikan. Ab 1929 war er Kardinalstaatssekretär, zehn Jahre später wurde er von der Konklave zu Pius XII. gewählt. Pius war Oberhaupt der katholischen Kirche in einer der schwierigsten Zeiten des letzten Jahrhunderts - und er mochte Deutschland. Das sagte er im Jahr 1957 beim Besuch von Bundespräsident Theodor Heuss im Vatikan: "Dem deutschen Volk erhoffen wir, dass es seine wirtschaftliche Blüte immer überstrahlen lasse - von seiner religiösen Kraft. In dieser Hoffnung senden wir innigsten Gruß und rufen Gottes Huld und Gnade in reichster Fülle auf es herab."

Ein Jahr später starb der Pacelli-Papst und in den Jahren danach kam "in reichster Fülle" Kritik an seinem Verhalten während der Hitler-Diktatur auf. "Der Stellvertreter", ein Theaterstück von Rolf Hochhuth, prägte die öffentliche Meinung. Dem Papst wurde darin sein Schweigen zum Judenmord und Antisemitismus vorgeworfen.

Historiker verteidigen Pius

"Ein Antisemit war Pius XII. aber sicher nicht", sagt hingegen Jesuitenpater Peter Gumpel, dessen Familie selbst von den Nazis verfolgt wurde: "In der öffentlichen Meinung bestehen Ansichten über Pius XII., die wirklich total falsch sind."

Umstrittenes Plakat mit Papst Pius XII (Foto: AFP) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Ein jüdischer Museumsbesucher schaut sich das Plakat des Papstes Pius XII im Yad Vashem an ]
Pater Gumpel ist Theologe und Historiker und er ist Relator, ein vatikanischer Untersuchungsrichter im Seligsprechungsverfahren für Pius XII. Das heißt auch: Er hat Zugang zu den vatikanischen Archiven, hat also jedes wichtige Dokument gesehen. "Wenn ich je auch nur ein einziges Dokument über Pius XII. gefunden hätte, wo man sagen könnte hier ist eine Schwierigkeit, die das ganze Verfahren irgendwie bedenklich erscheinen lässt, hätte ich die Akten nie unterschrieben."

Es stimme auch nicht, dass der Papst sich nie geäußert hat, sagt  Pater Gumpel und nennt ein Beispiel: "Die 'Enzyklika mit brennender Sorge', die unter Pius XI. publiziert, aber von dem damaligen Staatssekretär Pacelli, dem zukünftigen Pius XII. verfasst wurde, ist in der gesamten neuen Kirchengeschichte das schärfste Dokument, das je gegen eine Regierung gerichtet wurde. Darin wird gerade die Rassenlehre der Nationalsozialisten in schärfster Form verurteilt. Das hätte ein Antisemit nie gemacht." 

Kritische Weihnachtsansprache 1942

"Pius XII. tat das, was ihm möglich war", sagt Gumpel. Er nennt als weiteres Argument die Weihnachtsansprache des Papstes von 1942 und zitiert daraus: "Die Welt schuldet sich, dass es nie mehr vorkommen darf, dass hunderttausende Leute umgebracht werden, einzig und allein, weil sie zu einem bestimmten Volk gehören. Das bezieht sich auf die Polen, beziehungsweise, dass sie zu einer bestimmte Rasse gehören - und auf die Juden, das hat die ganze Welt verstanden."

Gumpel hat eine sehr einfache Erklärung, warum der Papst nicht deutlicher wurde: "Pius XII. wusste ganz genau, dass öffentliche flammende Proteste keinem das Leben retten würden, im Gegenteil. Wenn man die Psychologie Hitlers kannte, wusste er, dass er dann noch schärfer vorging." Das passierte beispielsweise nach einem Hirtenbrief eines Erzbischofs zur Judendeportation in Holland.

Golda Meir lobte Pius

"Die Stimme des Papstes war während der Nazi-Zeit klar und sie verteidigte die Opfer" – das hat Golda Meir, ehemalige Ministerpräsidentin von Israel einmal gesagt. In der Tat, auch jüdische Wissenschaftler setzen sich für Pius ein. Unter ihm haben bedrohte Juden in Rom Unterschlupf gefunden – unter anderem in der Papstresidenz Castelgandolfo. Das ist eine Tatsache. Kritiker sagen allerdings: Durch das Erheben seiner Stimme hätten noch mehr Menschen gerettet werden können.

Denn gegenüber dem Kommunismus schwieg der Papst nicht. Gumpel erklärt warum: "In Russland gab es keine kirchengläubigen Leute mehr. Die Priester waren alle entweder vertrieben oder umgebracht oder saßen in Konzentrationslagern. Also war die Sachlage politisch total anders." 

Seligsprechung erwartet

Politisch hat sich auch der aktuelle Papst hinter seinen Vorgänger gestellt. Er hält heute im Petersdom eine Messe zu Ehren von Pius XII. Gut möglich, dass er dabei auch das Seligsprechungsverfahren erwähnt. Abgeschlossen ist es nämlich. Nur der Papst muss es noch unterschreiben.  

Stand: 09.10.2008 06:59 Uhr
 

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