Oscar Pistorius weint vor dem Haftrichter | Bildquelle: AP

Schock für Paralympics-Star Staatsanwaltschaft wirft Pistorius Mord vor

Stand: 15.02.2013 12:52 Uhr

Seine Freundin Reeva Steenkamp ist tot und er soll sie erschossen haben. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft in Pretoria wegen Mordes gegen den südafrikanischen Paralympics-Sieger Pistorius. Offensichtlich geschockt von diesen Vorwürfen brach der 26-jährige Athlet vor dem Gericht in Tränen aus. In einer Erklärung wies er die Vorwürfe vehement zurück.

Von Steffen Wurzel, ARD-Hörfunkstudio Johannesburg

Die Staatsanwaltschaft hat vor dem Haftrichter in Pretoria offiziell mitgeteilt, dass sie gegen Oscar Pistorius wegen Mordes ermittelt. Dem 26-Jährigen wird vorgeworfen, gestern Früh seine Freundin, das Model Reeva Steenkamp, erschossen zu haben. Reporter berichten, dass der Leichtathletik-Star in Tränen ausbrach, als die Anklage verlesen wurde.

Die weitere Anhörung ist auf Dienstag kommender Woche verschoben worden. Dabei wird es dann unter anderem um die Frage gehen, ob der sechsfache Paralympics-Gewinner auf Kaution freikommt. Angesichts des Mordvorwurfs gilt das aber als unwahrscheinlich.

Mordermittlung gegen "Blade Gunner" Pistorius
S. Wurzel, SWR
15.02.2013 12:18 Uhr

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Die Nacht verbrachte Pistorius in einer Arrestzelle. Am Vormittag wurde er mit einem kleinen Gefangenentransporter ins Gerichtsgebäude nach Pretoria gebracht, begleitet von Polizisten und Familienangehörigen.

Pistorius wird abgeführt | Bildquelle: AP
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Pistorius wird nach der Tat abgeführt.

Als der Verdächtige zum Wagen geführt wurde, trug er wie gestern einen Kapuzenpulli, sein Gesicht war nicht zu sehen.

Großer Andrang im Gericht

Im Gerichtssaal herrschte zunächst großes Chaos, angesichts der vielen Journalisten vor Ort. Eine Fernsehreporterin teilte per Handy mit: "Hier sind mindestens 60 Journalisten, viele aus dem Ausland. Familienmitglieder des Opfers sind hier, Schaulustige und so weiter. Der Gerichtssaal ist völlig überfüllt. Viele, so wie ich selbst, sitzen auf dem Boden."

Pistorius schlägt Zuma - zumindest in der Presse

Die Titelseiten der südafrikanischen Zeitungen sind heute voll mit dem Fall Pistorius. Und das, obwohl gestern Abend das wichtigste politische Ereignis des Jahres auf dem Programm stand: die Rede von Staatspräsident Jacob Zuma zur Lage der Nation vor dem südafrikanischen Parlament in Kapstadt.

Das interessiert heute niemanden. Stattdessen Schlagzeilen wie "Deadly Valentine" ("Tödlicher Valentinstag") in der Zeitung "The Star". "Sowetan" titelt: "Der Goldjunge verliert seinen Glanz". Und "The Citizen" fragt in Anspielung auf Pistorius' Spitznamen "Blade Runner": "Blade Gunner?".

Schock und Trauer

Viele Menschen in Südafrika zeigen sich auch am Tag nach der Tat geschockt. Einerseits, weil sie nicht glauben können, dass der südafrikanische Sportstar ein Mörder sein soll, andererseits, weil sie um das Opfer trauern - um Pistorius' 30-jährige Freundin.

Ein Mann sagte: "Bei ihm gab es ja wohl öfter Mal Vorfälle, wie ich gehört habe, mit Gewalt gegen Freundinnen und Ex-Freundinnen. Offenbar war das jetzt wieder so ein Vorfall. Das ist eine Schande für Südafrika."

Ulli Neuhoff (ARD) mit Informationen zum Fall Pistorius
tagesschau24 16:00 Uhr, 15.02.2013

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Dieser Beitrag lief am 15. Februar um 12:39 Uhr im Deutschlandradio Kultur.

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