Freundin tot: Mordverdacht gegen Paralympics-Star Pistorius

Pistorius wird abgeführt (Bildquelle: AP)

Freundin erschossen aufgefunden

Mordverdacht gegen Paralympics-Star Pistorius

Nach tödlichen Schüssen auf die Freundin von Oscar Pistorius steht der sechsmalige Paralympics-Sieger aus Südafrika unter Mordverdacht. Das bestätigte die südafrikanische Polizei.

Diese gab weiter an, dass einer 30-jährigen Frau in Pistorius' Haus in Silverlakes, ein Nobel-Vorort der Hauptstadt Pretoria, viermal in den Kopf sowie den Arm geschossen worden war. Sie sei noch am Tatort gestorben. Rettungskräfte konnten sie nicht wiederbeleben.

Oscar Pistorius mit seiner Freundin Reeva Steenkamp am 4.11.2012 (Bildquelle: AP)
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Pistorius mit seiner Freundin Reeva Steenkamp (4.11.2012)

Bei der Toten handele es sich um das Model Reeva Steenkamp, die Lebensgefährtin von Pistorius, berichtete die Nachrichtenagentur SAPA news agency unter Berufung auf deren Agent. Wie es weiter hieß soll Steenkamp vor zwei Tagen auf dem Kurznachrichtendienst Twitter angedeutet haben, ihren Freund am heutigen Valentinstag überraschen zu wollen.

Viele Indizien, keine Gewissheit

Nach bisherigen Erkenntnissen ereignete sich die Tat in der Nacht. Nachbarn sagten aus, gegen 4.00 Uhr (3.00 Uhr MEZ) mehrere Schüsse in Pistorius' Haus gehört haben. Wegen einer Schießerei war die Polizei auch zum umzäunten Gebäude des Läufers gerufen worden.

Neben der toten Frau fand die Polizei in der Wohnung des Sportlers auch eine Neun-Millimeter-Waffe. In der Vergangenheit hatte Pistorius offen darüber gesprochen, eine Waffe zu besitzen und gelegentlich mit einer Neun-Millimeter-Pistole auf einem Schießstand zu trainieren.

Irrtümlicherweise erschossen?

Pistorius selbst soll laut der südafrikanische Zeitung "Beeld" angegeben haben, er habe das Opfer irrtümlich für eine Einbrecherin gehalten. Wie der ARD-Hörfunkkorrespondent Steffen Wurzel berichtet, sagten die Behörden zu dieser Theorie noch nichts. Allerdings: Der Sportprofi wohnt in keinem Problemviertel, sondern in einer "gated community" - einem komplett durch Zäune und hohe Mauern abgeriegelten Stadtviertel, das von einem privaten Sicherheitsdienst bewacht wird.

Freundin erschossen, Pistorius unter Mordverdacht
S. Wurzel, ARD Kapstadt
14.02.2013 12:39 Uhr

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Falls der 26-Jährige bei der Version bleibt, seine Freundin mit einem Einbrecher verwechselt zu haben, wird er genau erklären müssen, warum er in seinem gut geschützten Haus mit einem Eindringling rechnete und schoss.

Belastend für Pistorius dürften die Angaben der Polizei sein, dass es in der Vergangenheit schon mehrfach Vorfälle häuslicher Gewalt im Hause des Paralympics-Stars gab. Zudem betonte Polizeisprecherin Denise Beukes, Pistorius sei daheim gewesen, als man das erschossene Model gefunden habe, und es gebe "keine anderen Verdächtigen".

Pistorius selbst soll darum gebeten haben, umgehend ins Gericht gebracht zu werden. Er bot nach Polizeiangaben auch an, eine Kaution zu zahlen, was allerdings abgelehnt wurde.

Als "Blade Runner" Geschichte geschrieben

Pistorius ist der wohl bekannteste Prothesenläufer der Welt. Er hatte im vergangenen Sommer in London als erster beidseitig beinamputierter Athlet an Olympischen Spielen teilgenommen und damit Geschichte geschrieben. Infolge eines Gendefekts waren ihm im Alter von nur elf Monaten beide Unterschenkel amputiert worden.

Oscar Pistorius bei den Olympischen Spielen 2012 in London (Bildquelle: REUTERS)
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Am Start bei den Olympischen Spielen in London 2012

Oscar Pistorius zeigt seine Olympische Goldmedaille. (Bildquelle: dpa)
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Pistorius zeigt voller Stolz seine Paralympische Goldmedaille.

Bei den Paralympics gewann er in den vergangenen Jahren insgesamt sechs Goldmedaillen. Vergangenes Jahr kürte das "Time"-Magazin Pistorius zu einem der 100 einflussreichsten Menschen der Welt.

Eine der höchsten Mordraten der Welt

Südafrika zeigte sich geschockt nach der Nachricht vom Tod des Models. In den sozialen Netzwerken gibt es zahlreiche Nachrufe auf Steenkamp.

Südafrika weist eine der höchsten Kriminalitätsraten der Welt aus. Jeden Tag werden etwa 50 Menschen getötet. Viele Bewohner besitzen Waffen, um sich gegen Einbrecher zu schützen.

Wir hatten in einer früheren Version der Meldung aufgrund irrtümlicher Agenturberichte von einer Mordanklage gesprochen.Tatsächlich handelt es sich aber um einen Mordverdacht.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 14. Februar 2013 um 15:30 Uhr.

Stand: 14.02.2013 13:05 Uhr

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