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Gefahr von Nebenwirkungen
Frankreich geht gegen neuere Anti-Baby-Pillen vor
Die Regierung in Paris will die Verschreibung von Anti-Baby-Pillen der dritten und vierten Generation einschränken. Die EU solle die Zulassung zudem "restriktiver gestalten". Hintergrund ist eine Klage einer Französin gegen den Pharmakonzern Bayer. Die junge Frau, die die Bayer-Pille Meliane einnahm, erlitt einen Schlaganfall. Die europäische Arzneimittelbehörde sieht keine Belege für neue Gesundheitsgefahren.
Von Evi Seibert, SWR-Hörfunkstudio Paris
Die Französinnen sind verunsichert. Wie gefährlich sind die Anti-Babypillen der sogenannten dritten und vierten Generation? Fast täglich erscheinen zur Zeit Berichte, die über die lebensbedrohende Nebenwirkungen dieser neueren niedrig dosierten Pillen spekulieren.
Gesundheitsministerin Marisol Tourraine hat jetzt erstmals Stellung genommen. Sie will die Verschreibung einschränken. "Nur wenn die Pillen der ersten oder zweiten Generation nicht vertragen werden, sollte man diese Pillen der dritten und vierten Generation nehmen. Oder gleich ganz auf andere Verhütungsmethoden umstellen."
Sie forderte die EU auf, die Zulassung dieser Pillen restriktiver zu gestalten. Außerdem werden sie ab Ende März in Frankreich nicht mehr erstattet.
Frankreich geht gegen Antibabypillen neuerer Generation vor
E. Seibert, ARD Paris
11.01.2013 21:46 Uhr
Eine junge Französin hat diese Diskussionen in Gang gebracht. Marion Larat, eine junge, sportliche Frau aus Bordeaux. 2006 hatte sie einen Gehirnschlag erlitten. Neun Mal wurde sie seither operiert, sie leidet unter epileptischen Anfällen, ist zu 65 Prozent behindert. "Erst eine neue Frauenärztin hat mich darauf gebracht, dass die Pille an allem schuld war", erzählt sie. "Ich konnte es kaum fassen. Es war doch eine niedrig dosierte Pille. Ich war damals absolut fit, habe nie geraucht. Und jetzt bin ich behindert. Mein Leben ist kaputt gemacht worden, die alte Marion ist tot. Das werde ich ihnen niemals verzeihen."
Sie hat Klage eingereicht gegen den deutschen Pharmakonzern Bayer, den Hersteller ihrer Pille Meliane. Der Bayer-Konzern hat über die Presse verlauten lassen, man werde die Vorwürfe prüfen und danach über die nächsten Schritte entscheiden. Aber auch andere Pharmakonzerne sind betroffen.
Marion Larats Anwalt, Philippe Courtois, hat hunderte Schreiben von betroffenen Frauen bekommen. Viele von ihnen wollen nun ebenfalls klagen. "Wir waren völlig überrascht über diese heftigen Reaktionen", sagt er. "Mehr als 200 junge Frauen haben sich bei mir gemeldet. Viele haben einen Schlaganfall nach der Einnahme solcher Anti-Baby Pillen erlitten. Bei einigen ist es glimpflich abgelaufen, aber wir haben auch Kontakt mit fünf Familien, bei denen die Töchter an Schlaganfällen, an Embolien oder Thrombosen gestorben sind. Sie machen die Pillen dafür verantwortlich."
Schlimme Nebenwirkungen relativ selten
Der Pharmakologe Francois Chast, von der Pariser Uniklinik plädiert dafür, sie gleich ganz zu verbieten. "Natürlich sind diese schlimmen Nebenwirklungen relativ selten. Aber ist relativ selten sicher genug? Reicht das als Erklärung, untätig zu bleiben? Nichts rechtfertigt meiner Ansicht nach, sie auf dem Markt zu behalten."
Am Montag will die französische Arzneimittelaufsicht noch einmal Stellung nehmen. Sie will überprüfen, ob die Ärzte diese Pillen zu oft verschreiben. Fast die Hälfte aller Französinnen verhüten mit diesen niedrig dosierten Anti-Baby-Pillen.
Stand: 11.01.2013 22:54 Uhr
