Ein Pfadfinder trägt während einer Parade eine Regenbogen-Fahne durch die Straßen von San Francisco. | Bildquelle: REUTERS

US-Pfadfinder ändern Regeln Schwul und Teamleiter - das geht jetzt

Stand: 28.07.2015 08:45 Uhr

Pfadfinder-Gruppen in den USA dürfen jetzt auch von homosexuellen Teamleitern angeführt werden. Ein entsprechendes Verbot wurde von den Boy Scouts of America aufgehoben. Jedoch hält die Organisation für ihre überwiegend kirchlichen Untergruppen ein Hintertürchen offen.

Die US-Pfadfinder haben das geltende landesweite Verbot für homosexuelle Gruppenführer aufgehoben. Die Entscheidung wurde vom 80-köpfigen Führungsgremium der Boy Scouts of America (BSA) mit einer Mehrheit von 79 Prozent gefällt, wie die Organisation auf ihrer Website mitteilte. Demnach werden mit sofortiger Wirkung offen homosexuelle Erwachsene als Gruppenführer zugelassen.

Jedoch gilt die Aufhebung der Verbotes nur im Allgemeinen. Die einzelnen Abteilungen der Boy Scouts haben weiterhin die Möglichkeit, homosexuelle Teamleiter abzulehnen, wenn dies ihren religiösen Überzeugungen widerspricht.

Mormonen betreiben viele der Pfadfinder-Gruppen

Die Pfadfinder-Organisation hat rund 2,5 Millionen Mitglieder und etwa eine Million erwachsene Freiwillige. Rund 70 Prozent der Abteilungen werden von kirchlichen Gruppen betrieben, die meisten davon von Mormonen.

Der Nacken eines US-amerikanischer Pfadfinders ist zu sehen - um den Hals trägt er ein Band in Regenbogenfarben. | Bildquelle: AP
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Kampf für mehr Gleichberechtigung: Regenbogenfarben sind das Symbol der Schwulen- und Lesbenbewegung.

Viele kirchliche Gruppen lehnten zuletzt schwule Gruppenleiter ab. Das hatte auch die Aufhebung des Verbotes lange Zeit erschwert.

Die Öffnung der Boy Scouts für schwule Gruppenleiter sei angesichts der gesellschaftlichen und politischen Veränderungen in den USA unvermeidlich, erklärte die Organisation. Bereits im Mai hatte der BSA-Präsident Robert Gates bei der jährlichen Versammlung gewarnt, dass Gerichte sie zur Änderung ihrer Regeln zwingen könnten, wenn sie dies nicht selbst tue. Dies werde "eher früher als später" geschehen, fügte der frühere CIA-Direktor und Verteidigungsminister hinzu.

Homosexuelle Mitglieder seit 2014 erlaubt

Schwulenrechtsgruppen und religiöse Organisationen begrüßten die Entscheidung. Scouts for Equality, die sich seit 2012 für die Beendigung der Diskriminierung von Homosexuellen bei den Pfadfindern einsetzen, sprachen vom "Beginn eines neuen Kapitels".

Human Rights Campaign (HRC) kritisierte dagegen die Ausnahmen für die von Kirchen betriebenen Abteilungen und forderte die völlige Gleichstellung von Homosexuellen innerhalb der BSA. "Diskriminierung sollte keinen Platz bei den Boy Scouts haben. Punkt", sagte der HRC-Präsident Chad Griffin.

Die Boy Scouts, die sich als "wertebasierte Organisation zur Entwicklung der Jugend" beschreiben, hatten 2013 nach einem mehr als 20-jährigen Verbot der Aufnahme von homosexuellen Jugendlichen als Pfadfinder zugestimmt. Die Regelung ist seit dem 1. Januar 2014 in Kraft.

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